Wodans Erben - germanisch, heidnisch, religiös

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23. Trank und Speise

23. Als Getränk dient ein Saft aus Gerste oder Weizen, der durch Gärung eine gewisse Ähnlichkeit mit Wein erhält; die Anwohner von Rhein und Donau kaufen auch Wein. Die Kost ist einfach: wildes Obst, frisches Wildbret oder geronnene Milch: Ohne feine Zubereitung, ohne Gewürze vertreiben sie den Hunger. Dem Durst gegenüber herrscht nicht dieselbe Mäßigung. Wollte man ihnen, ihrer Trunksucht nachgebend, verschaffen, soviel sie wollen, so konnte man sie leichter durch ihr Laster als mit Waffen besiegen.


Anmerkungen:

dient ein Saft aus Gerste und Weizen: Tacitus umschreibt das den Römern unbekannte Bier, das auch bei den Galliern und vielen anderen Völkern verbreitet war.

kaufen auch Wein: Dieses Getränk lernten die Germanen durch die Römer kennen; sie selbst stellten aus Äpfel und Beeren Obstweine her. Eigenartigerweise umgeht Tacitus das den mit Honig bereiteten Met, das wichtigste Rauschgetränk der Germanen.

Die Kost ist einfach: Tacitus nennt nur die Speisen, die ihm aus seiner Sicht als charakteristisch erschienen und geeignet waren, den einfachen Naturzustand der Germanen hervorzuheben; er läßt insbesondere das Brot und das Fleisch der Haustiere unerwähnt. Der Hinweis auf "frisches" Wildbret soll besagen, daß es den Germanen auf haut goût nicht ankam.

Dem Durst gegenüber: Vgl. Kap. 4. Von der germanischen Trunksucht wissen auch andere Quellen zu berichten.