3. Auch Herkules, berichtet man, sei bei ihnen gewesen, und sie singen von ihm als dem ersten aller Helden, wenn sie in den Kampf ziehen. Außerdem haben sie noch eine Art von Liedern, durch deren Vortrag, Barditus geheißen, sie sich Mut machen und aus deren bloßen Klang sie auf den Ausgang der bevorstehenden Schlacht schließen; sie verbreiten nämlich Schrecken oder sind selbst in Furcht, je nachdem es durch ihre Reihen tönt, und sie halten den Gesang weniger für Stimmenschall als für den Zusammenklang ihrer Kampfeskraft. Es kommt ihnen vor allem auf die Rauheit des Tones und ein dumpfes Dröhnen an: sie halten die Schilde vor den Mund; so prallt die Stimme zurück und schwillt zu größerer Wucht und Fülle an.
Übrigens meinen einige, auch Odysseus sei auf seiner langen und sagenhaften Irrfahrt in das nördliche Weltmeer verschlagen worden und habe die Länder Germaniens besucht. Asciburgium, ein noch heute bewohnter Ort am Ufer des Rheins, sei von ihm gegründet und benannt worden; ebendort will man sogar vor Zeiten einem dem Odysseus geweihten Altar gefunden haben, auf dem auch der Name seines Vaters Laärtes stand, und noch heute gebe es im Grenzgebiet zwischen Germanien und Rätien Grabdenkmäler mit griechischen Schriftzeichen. Ich habe nicht die Absicht, diese Angaben durch Gründe zu bestätigen oder zu widerlegen; jeder mag ihnen nach seinem Gutdünken Glauben schenken oder nicht.
Anmerkungen:
Herkules: Herkules= Donar/Thor
Barditus: Die Herkunft des Wortes ist ungeklärt; es besteht kein Zusammenhang mit dem >Barden<, der keltischen Bezeichnung für den Dichter und Sänger.
Asciburgium: das jetzige Asberg bei Moers (Niederrhein).
mit griechischen Schriftzeichen: Vielleicht ist das in den Alpen verwendete sog. nordetruskische Alphabet gemeint.
