Hier findest Du die Texte aus dem Buch "Der germanische Götterhimmel". Das Buch ist geschrieben von Voenix und erschienen im Arun-Verlag. Die Texte dienen der Grundinformation und sind ein schönes Nachschlagewerk über die einzelnen Götter, Begebenheiten, Helden und so weiter. Da Voenix nicht nur Schriftsteller, sondern auch Künstler ist, darsft Du in dem Buch auch zu jedem Thema ein gelungenes Bild erwarten. Die Texte stimmen nicht immer mit unserer Meinung, bzw. der Meinung des traditionellen germanischen Heidentums überein, sie dienen lediglich der Grundinformation zu dem Thema und sind einfach als schönes Nachschlagewerk zu bestimmten Göttern, Begebenheiten und so weiter gedacht.
Odin, Wotan oder Wodan ist der oberste aller Asen, genannt der Allvater. Er ist der Sohn eines Riesenpaares und seine Brüder sind die Götter Wili und We. Der Göttervater weilt in Asgard im Saal Walaskjalf, wo sich sein Hochsitz Hlidskjalf befindet, von dem aus er über alle neun Welten blicken kann. Seine Gattin ist die Göttin Frigg, mit der er die Söhne Balder, Hermod, Bragi und Hödur hat. Mit folgenden Riesinnen zeugt er weitere Söhne: mit Jörd (Fjörgyn) den Thor, mit Rind den Vali, mit Grid den Widar und mit Rans Töchtern den Heimdall. Namen von Odins Töchtern sind nicht überliefert, doch werden diese allgemein in den Walküren angenommen. Begleitet wird er gelegentlich von seinen beiden Raben Hugin und Munin und zwei großen Wölfen, mit Namen Geri (der Gierige) und Freki (der Heißhungrige). Odin bedarf keiner Kost, stattdessen füttert er seine Wölfe mit dem ihm zustehenden Fleisch. Er selbst lebt alleine vom Wein und dem ekstatischen Skaldenmet Odrörir. Täglich genießt er, wie alle Götter, einen goldenen Apfel der Göttin Iduna, welche ewige Jugend und Erneuerung schenken. Er führt den Kriegsspeer Gungnir und besitzt den Wunschring Draupnir, der ihm beständigen Reichtum sichert.
Odin ist Schöpfer-, Toten- und Kriegsgott, Zauberer und Schamane, Gott der Ekstase, Weisheit und Dichtkunst. Als Schamane reitet er auf seinem achtbeinigen Pferd Sleipnir durch die Lüfte. Als durch die Welt ziehender Wanderer, mit Schlapphut und Wanderstab versehen, verhüllt er sich meist in einem dunkelblauen Mantel. Über den verschiedensten Decknamen (es sind über 100 bekannt!) kehrt der Gott bei Riesen, Zwergen und Menschen ein, um sich deren Wissen zu erwerben, sein eigenes weiterzugeben oder seine Günstlinge zu prüfen. Um sich Weisheit anzueignen, erbringt er selbst hohe Opfer und setzt zuweilen auch List ein, um an seine Ziele zu gelangen.
Snorri schildert Odins Wesen als klug, weise und gelehrt. Er spräche nur in Versmaßen und sei so vornehm und schön anzuschauen, dass allen das Herz darüber lache. Doch wenn er im Krieg sei, erscheine er seinen Feinden grimmig und das habe darin seinen Grund, dass er Gestalt und Aussehen ganz nach Belieben zu wechseln vermöge. Er verfüge über die Macht, seine Feinde mit Blindheit, Taubsein und Schrecken zu erfüllen und deren Waffen stumpf zu machen. Seine Leute aber gingen wie Berserker unter die Feinde. Odin fordert Opfer, die ihm mit dem Speerwurf oder durch Aufhängen geweiht werden. Doch nicht niederes Volk, sondern nur die Mutigsten und Edelsten, deren Herrscherhäuser ihre Herkunft meist direkt auf ihn zurückführen, nimmt er auf nach Asgard. Doch offenbart er sich unter ihnen nicht im Glanze seiner Göttlichkeit, sondern meist in unscheinbarer Gestalt, wo er mit Rat und Tat zu Sieg und Ruhm verhilft. Am Ende seiner Gunst verursacht er jedoch selbst deren blutigen Untergang und holt die einstigen Schützlinge heim in seine Kriegerhalle, um dadurch seine Heerbestände für die bevorstehenden Ragnarök aufzufüllen. Als diese nahen, reitet Odin an der Spitze dem Feind entgegen, um im Kampf von dem mächtigen Fenrir- Wolf verschlungen zu werden.
Zeigt Odin sich im Norden vorwiegend als herrschender Göttervater, tritt er sonst gewöhnlich als Sturmgott auf, der über die entfesselten Elemente waltet und im rauschenden Wind den befruchtenden Geist der Weltenweisheit mit sich führt. Die Römer setzten Wodan mit ihrem Gott Mercurius gleich, dem sie den Wochentag Mittwoch (Wednesday) zuordneten. Ortsbezeichnungen wie Wodensweg, Wodenfeld, usw. sind vor allem in Niederdeutschland und England noch verbreitet.
Frigg ist die oberste der Asinnen und die Gemahlin Odins. Dieser befragt sie des Öfteren um Rat, da sie die Schicksale aller Menschen und Götter kennt. Dennoch spricht die Göttin keine Weissagungen über zukünftige Ereignisse aus, da Schweigsamkeit ihr oberstes Gebot ist. Sie ist die Tochter Fjörgynns, der zwar als Vater angegeben wird, wahrscheinlich aber mit der Erdgöttin Fjörgyn identisch ist. Friggs Wohnsitz in Asgard ist Fensalir (Meeres- oder Sumpfsaal). Ihre nächsten Dienerinnen sind die Zofe Fulla (Fülle) die mit offenen Haaren geht und sich um ihre Garderobe und Geschmeide kümmert, und Gna, eine Jungfrau, die sie mit ihren Botschaften an die verschiedensten Orte schickt, welche diese auf ihrem schnellen Ross Hofwarpnir (Hufwerfer) umgehend überbringt. Als Herrin des Hauses obliegt Frigg die häusliche Schlüsselgewalt. Die Übergabe des Hausschlüssels war in manchen Stämmen wichtiger Bestandteil des Hochzeitsrituals. Wurde die Ehe geschieden, gab die Frau ihn zurück. Der Göttin heiliger Gegenstand ist der Spinnrocken, in dem ihre magische Tätigkeit verborgen liegt, da sie im drehen des Fadens die Schicksale aller Lebewesen erblickt. Lediglich die Sorge um ihren Sohn Balder lassen sie einmal ihr Schweigegelübte brechen, was sich jedoch auf grausame Weise rächt, da ihre Bemühungen, den vorausgeahnten Tod ihres Sohnes zu verhindern, überhaupt erst zu dessen Ermordung führen.
Friggs Ursprung als Göttermutter geht auf den alten Namen Frija zurück, unter dem sie ursprünglich dem alten Himmelsgott Tiuz zur Seite stand, der irgendwann von Odin abgelöst wurde und nun dessen Gattin "übernahm". So gingen aus Frija später vermutlich auch die beiden anderen Göttinnen Freyja und Hel hervor. Während Frigg nun die häusliche Gewalt oblag, war Freyja für die ungebundene Liebe und Hel für den Todesaspekt zuständig. In der Göttin Holda (hold= lieb), besser bekannt als Frau Holle oder Frau Freke, findet sich hingegen wieder ein ganzheitlicheres Bild der Göttin, die als liebenswerte aber auch strenge Frau die fleissigen und aufrechten Menschen beschenkte und die missratenen zur Rechenschaft zog.
Öfters tauchen Frigg und Odin als göttliches Ehepaar auf, welches bei Auseinandersetzungen zwischen menschlichen Königen die jeweiligen Parteien vertritt und nun zu Mitteln wie List und Trug greifen, um die Absichten ihrer persönlichen Günstlinge durchzubringen. Bei diesen Ehestreitigkeiten geht Frigg mehrere male als Siegerin hervor.
In seinen Zankreden wirft Loki der Göttin vor, in Odins Abwesenheit diesen mit seinen beiden Brüdern Wili und We betrogen zu haben. Diese Anschuldigung verweist auf den Mythos von Odins Verbannung, nachdem dieser die Rind geschwängert hatte. In einer Sage Saxos heist es hingegen, Odin trat seine Verbannung selbst an, nachdem seine eifersüchtige Gattin aus Wut eine goldene Statue von ihm zerstört und sich einem ihrer Diener hingegeben hatte.
Ebenso wie bei Freyja wird der Freitag als Friggs persönlicher Wochentag angesehen. Mit Freyja teilt sie sich auch den goldenen Halsbandschmuck Brisingamen und ist wie diese im Besitz eines Falkenfederkleides. Ihr heiliges Tier ist der Reiher, der gleich dem Storch als Sinnbild für Häuslichkeit und deren bewahrer gilt. "Friggjargras" heißt eine Pflanze auf Island, die man dem Partner unters Kopfkissen legen soll, um dessen Liebesverlangen wieder zu entfachen und sich seiner Treue zu versichern.
Thor oder auch Donar (im deutschen) ist der erste Sohn Odins und der stärkste und größte unter den Asen. Er ist der wichtigste Beschützer Asgards und Midgards im Kampf gegen die zerstörerischen Kräfte der Riesen. Seine Mutter ist die Riesin Jörd (Fjörgyn). Er ist somit der erste Sohn der Erdgöttin, den diese mit einem Gott zeugte. Thor gebietet über Blitz und Donner. Wenn ein Blitzschlag die Erde erzittern lässt und der Donner durch die Wolken rollt, schleudert Thor seinen Hammer und poltert mit seinem Wagen übers Firmament. Sein Wesen ist hitzig, aufbrausend, willensstark und bisweilen auch etwas einfältig. Er geriet schnell in Zorn, greift zu seinem Hammer und schlägt drein, unberechenbar wie die Elemente selbst. Er hat einen klaren, stechenden Blick und ist als großer Esser und Trinker bekannt. Seine beiden Haupteigenschaften gehen aus den Namen seiner beiden Söhne Magni (Kraft) und Modi (Zorn) hervor, die er mit der Riesin Jarnsaxa zeugt. Thors wertvollste Waffe ist der Hammer Mjölnir, der von den beiden Zwergen Sindri und Brokk geschmiedet wurde und die Eigenschaft besitzt, nach dem Wurf von selbst in die Hand seines Besitzers zurückzukehren. Weiter verfügt Thor über ein paar eiserne Handschuhe und den Kraftgürtel Meginjardar, der ihn seine Kräfte verdoppeln lässt. Sein Wohnsitz in Asgard liegt in Thrudheim (Kraftheim), darin steht der vielräumige Saal Bilskirnir (der hell blitzende). Seine Gattin ist die Korngöttin Sif mit dem goldenen Haar, mit der er die beiden Kinder Thrud und Lorride hat. Thors Diener sind die Menschenkinder Thjalfi und Röskwa, die wegen einem Vergehen einst in seine Dienste traten.
Wegen seinem Gefährt, das von zwei Böcken mit dem Namen Tanngrisnir (Zähnefletscher) und Tanngnjöstr (Zähneknirscher) gezogen wird, nennt man ihn auch "Wagen- Thor". Wenn er ohne diesen unterwegs ist, geht er zu Fuß, niemals reitet er. Das deutet auf seine Nähe zur gewöhnlichen Landbevölkerung hin, die ihn seine Stärke wegen und des für die Ernte benötigten Regens verehrt.
Die Edda enthält zahlreiche Sagen um Thor, der aus seinen langen Wanderungen allerhand Abenteuer zu bestehen hat, die zuweilen auch Anlass zum Schmunzeln geben. Meist zieht es den Gott nach Jötunheim, dem Land der Riesen, von denen er schon manchen auf dem Gewissen hat. So besiegt er die Riesen Hrungnir, Geirröd, Thrym und Hymir. Den Zwerg Alwis überwindet er mit einer List, als dieser versucht, seine Tochter fortzuführen, und kämpft weiter gegen Zauberer, Trolle und Berserkerweiber. Sein größter Widersacher jedoch ist die Midgardschlange Jörmungand, auf die er in den Ragnarök zum wiederholten und letztem Male trifft. Nachdem er diese endgültig besiegt hat, kann er noch neun Schritte tun, bevor auch er, vom Gift der Schlange tödlich verwundet, zusammenbricht. Nach seinem Tode werden seine beiden Söhne die Aufgaben des Vaters im goldenen Zeitalter weiterführen.
Der Wochentagsname Donnerstag wird dem Gott zugesprochen und war im deutschen Volksglauben bis ins 17. Jahrhundert ein beliebter Hochzeitstag, an dem man das Symbol der Zeugungskraft und Fruchtbarkeit der Braut gelegentlich einen Hammer in den Schoß legte, um einen reichen Kindersegen zu gewährleisten.
Freyja, die wanische Göttin der Liebe, ist nach Frigg die angesehenste unter den Göttinnen. Sie verfügt über mehrere Aufgabengebiete und eine ganze Anzahl magischer Fähigkeiten. Ihr Name bedeutet "Frau" oder "Herrin". Freyr (Herr) heißt ihr Bruder, der gleichzeitig auch ihr Geliebter ist. Später heiratet Freyja einen Mann Namens Odur, der etymologisch auf Odin hinweist. Über diese Verbindung ist lediglich bekannt, dass Odur meist abwesend war und als Wanderer durch die Welt zog. Die Göttin weinte aus Sehnsucht goldene Tränen um ihn, weshalb sie den Beinamen "tränenschöne Göttin" bekam. Die gemeinsame Tochter der beiden ist Hnoss (Kleinod/ Schmuckstück). Mehrfach tritt die Göttin mit Tieren auf. Sie reitet auf dem Eber Hildeswin, und zur Bestattung des Toten Balders fährt sie auf einem Wagen, der von zwei Katzen gezogen wird. Des Weiteren besitzt sie ein Gewand aus Falkenfedern, das ihr die schamanische Kraft des Fliegens verleit und von Loki des Öfteren ausgeliehen wird.
In einer anderen Form begegnet uns Freyja als Kriegerin und Heerführerin. Ihre persönliche Halle trägt den Namen Sessrumnir (der Sitzreiche). Ihr Wohnsitz heißt Folkwang (Feld des Volkes/ Heeres) und wenn sie als Walfreyja in die Schlacht zieht, bekommt sie als oberste der Walküren die Hälfte aller Gefallenen zugesprochen, während Odin die andere Hälfte zufällt. Freyjas dritte große und wichtige Charaktereigenschaft ist ihre Gestalt als Seidkundige Zauberin. Mehrmals wird Freyja von den Riesen begehrt, die immer wieder die Asen zu erpressen suchen, um die Liebesgöttin für sich zu gewinnen. Nicht zu Unrecht gerät sie zuweilen in Zorn, wenn die Götter über ihren Kopf hinweg meinen, bestimmen zu müssen, wem sie als Pfand, Gegenwert oder Geschenk auszuhändigen sei. Von Loki und der Riesin Hyndla wird sie hingegen als mannstoll beschimpft, da schon viele der Wanen, Asen und Alben sich ihrer Liebeskunst erfreuen durften. Vier Zwerge fertigten ihr den Halsschmuck Brisingamen an, der ihr den Namen Menglöd (die Halsbandfrohe) einbringt. Als Belohnung hierfür verbringt Freyja mit den Zwergen eine Liebesnacht. In einer anderen Geschichte wird dieser Schmuck von Loki gestohlen, aber von dem Gott Heimdall erfolgreich zurückgebracht. Als Gullweig (Goldglänzende) kommt sie zu den Asen, um diese angeblich zu verführen, worauf man sie wegen ihrer Kräfte dreimal vergeblich zu verbrennen sucht. Später nennt sie sich Heidh (die Leuchtende) und lehrt Odin die Kunst der Seidmagie, die aus verschiedenen Formen schamanischer Praktiken besteht.
Eine Ursache dafür, dass viel von dem Wissen über den erotischen und sinnlichen Charakter Freyjas verloren ging, waren wohl die christlichen Missionare, die akribisch darauf bedacht waren, den heidnischen Kult und Glauben um diese "mannstolle Hexe" besonders gründlich auszumerzen. Trotzdem wurden einige ihrer Eigenschaften über die Jahrhunderte in alten Sagen und romantischen Liedern der Skalden und Troubadoure erhalten, die sie noch lange Zeit um Inspiration für Liebesoden anriefen. Der Freitag wurde nach ihr benannt, gilt als ihr heiliger Tag und wird auch heute noch neben dem Donnerstag von vielen jungen Paaren als Hochzeitstag ausgewählt.
Freyr ist der wanische Gott der Fruchtbarkeit, des Wachstums und des gedeihenden Friedens. Er ist der Bruder und erste Geliebte der Liebesgöttin Freyja und Sohn des Wanengottes Njörd. Seine Mutter ist Nerthus, die wiederum mit Fjörgyn, der Erdmutter selbst, identisch ist. Freyrs Welt ist Alfheim, die Heimat der Lichtelfen und höheren Elementargeister, durch deren Tanzreigen sogenannte "Feenkreise" oder "Hexenringe" entstehen. An diesen Plätzen sprießen die Pilze, und ihr Zentrum gilt als Astraltor zur Anderswelt.
Freyr wird als vornehmster unter den Götter beschrieben und regiert über Regen und Sonnenschein. Des Gottes Reittier ist der leuchtende Eber Gullinbursti (der Goldborstige), den er als Geschenk von den beiden Zwergen Sindri und Brokk erhielt. Weiter besitzt der Wanengott das vortreffliche Schiff Skidblatnir, das ebenfalls von Zwergen gefertig wurde. Es heißt, es sei so groß, das alle Götter in voller Rüstung Platz darin fänden und es immer günstigen Fahrtwind bekomme. Wird es nicht benötigt, kann es wie ein Tuch zusammengefaltet werden und bequem in der Tasche Platz finden.
In der Edda verliebt sich der Fruchtbarkeitsgott unsterblich in die schöne Riesin Gerda, nachdem er zuvor unerlaubt auf Odins Hochsitz Platz genommen und diese von dort aus erschaut hatte. Daraufhin begibt sich sein Freund Skirnir, ausgestattet mit Freyrs selbstkämpfendem Schwert, nach Thrymheim, um für seinen Herrn um Gerdas Hand anzuhalten. Um sein Ziel zu erreichen, willigt Skirnir am Ende ein, dem Brautvater das Schwert zu überlassen. Neun Tage darauf darf Freyr seine Geliebte in dem Wäldchen Barri (Knospenaue) endlich in die Arme schliessen. Parallel dazu erfahren wir, das Freyr, der nun sein Schwert entbehren muß, gegen einen Riesen Namens Beli (Brüller) kämpft, der vermutlich ein Bruder der Gerda ist und versucht, deren Eroberung zu verhindern. Doch der Naturgott tötet ihn mit seinem Hirschgeweih und verbildlicht so vortrefflich die Zweikämpfe von wilden Tieren in der Brunftzeit.
In den Ragnarök kämpft Freyr schließlich gegen den übermächtigen Riesen Surt und muß vergehen. Das Schwert des Vegetationsgottes (die Zeugungskraft der Natur) wurde den Riesen (Gegenkräften) geopfert, um Gerda (die Erde) befruchten zu dürfen. Am Ende muss die Natur nun dem alles verschlingenden erneuernden Feuer weichen.
Freyrs Name bedeutet soviel wie "Herr" und ist mehr Titel als Name. Der eigentliche Name des Gottes, Ing, findet sich in einem alten Vers zur 22. Rune Ingwaz. Die mit Freyr in Verbindung stehenden Fruchtbarkeitskulte erfahren ihren Höhepunkt im "Hohe Maien Fest" (Walpurgisnacht, Beltane), wo die heilige Vereinigung zwischen dem Gehörnten und der Göttin gefeiert wird. Dieser rituelle Geschlechtsakt wird häufig von Priestern, aber auch dem gewöhnlichen Landvolk in der Nacht zum 1. Mai auf Äckern und in Wäldern vollzogen, und es heißt, dass die in jener Nacht gezeugten Kinder vom Glück des Feenreiches bedacht seien, was die Kirche freilich anders sah und sieht.
Balder, auch Baldur genannt, ist der älteste Sohn Odins und der Frigg. Er ist der Inbegriff alles Guten und erklärter Feind jeden Unrechts. Snorri berichtet über ihn, das er nach Thor der zweite Sohn des Göttervaters ist und als einer der bedeutsamsten Asen gilt. So gibt es von Balder nur Gutes zu vermelden, alle loben ihn und er soll der Beste, Schönste und Hellste unter ihnen sein. Mit seiner Frau Nanna (die Kühne) wohnt er in Breidablink (dem weithin Blickenden), einem lichten Ort an dem allezeit Frieden herrscht. Mit seiner Gattin hat er den Sohn Forseti, der schon wie sein Vater als weiser Richter bei Göttern und Menschen gilt. Balder ist nach seinem Ableben für eine Zeit lang der Besitzer des Ringes Draupnir, den er von Odin erhält. Nachdem sich die Ragnarök vollzogen haben, kehrt Balder aus dem Totenreich zurück, versöhnt sich mit seinem Bruder Hödur, und beide leben Seite an Seite im neuen goldenen Zeitalter.
Die Mythen um Balder nehmen in der Edda einen umfangreichen Platz ein. Vor allem seine Ermordung kennzeichnet den zentralen Höhepunkt im dasein der Asen, da sein Ableben in Folge die Ragnarök auslöst. Die Geschichte beginnt, als Balder schwere Träume plagen, die ihm seinen baldigen Tod prophezeien. Er berichtet den anderen Göttern davon, worauf diese zu Rate sitzen, um Gegenmaßnahmen zu ergreifen. Seine Mutter Frigg lässt schließlich alle Dinge auf Erden Eide schwören, auf das ihr Sohn fortan keinen Schaden mehr nehmen kann. Als dies getan ist, probieren die Asen auf ihrem nächsten Fest an Balder ihre Waffen aus. Da ihn fortan nichts verwunden kann, scheint dies allen als großer Gewinn. Solange, bis Loki den blinden Hödur dazu überredet, mit einem angespitztem Mistelspeer nach Balder zu werfen, der einzigen Pflanze, die ihn noch verletzen kann. Es kommt wie es kommen muss, und Balder stirbt. Darauf wird Balder unter allgemeinem Wehklagen auf seinem Schiff Hringthorni beigesetzt und dem Meer übergeben. Seine vor Kümmer gestorbene Gattin legt man neben ihn auf den Scheiterhaufen. Obwohl die Götter alles daran setzen, den verstorbenen Lichtgott aus dem Totenreich wieder auszulösen, müssen sie zuletzt an der Mitleidlosen Riesin Thökk scheitern, die eine Rückkehr Balders verhindert.
Balders Tod und Wiederauferstehung wird allgemein als Umschreibung für die natürlichen Stirb- und Werdezyklen des Sonnen- und Vegitationsgottes angesehen. Zur Sommersonnenwende steht das Gestirn in seinem höchsten Zenit, der Gott stirbt und die Tage werden wieder kürzer. Das Christentum ersetzte Balder später durch den heiligen Johannes, nach dem auch der Begriff "Johannisfeuer" geprägt wurde, das drei Tage nach Balders Tod stattfindet und an seine Verbrennung gemahnen soll.
In Deutschland tauchte ein lang verschollenes Schriftstück wieder auf, das bezeugen soll, das der Gott hierzulande unter dem Namen Phol bekannt war. In diesem Merseburger Zauberspruch reitet Phol mit seinem Vater Wodan durch den Wald. Als sich Phols Fohlen den Knöchel vertritt, ist einzig der Göttervater imstande, dieses zu heilen, nachdem sich zuvor verschiedene Göttinnen vergeblich des kranken Pferdehufs angenommen haben.
Loki ist die zwielichtigste, zugleich aber auch interessanteste Gestalt des germanischen Götterpantheon. Man sagt von ihm er, sei sehr schön von Ansehen, doch wankelmütig und böse von Gemütsart und äußerst mannigfaltig im Auftreten. Sein Vater ist der Riese Farbauti (der gefährlich schlagende), der wahlweise als Sturmwind oder Kugelblitz gedeutet wird. Seine Mutter, ebenfalls eine Riesin, nennt sich Laufey, was soviel wie "Laubinsel" bedeutet. Des Gottes feuriges Wesen ergibt sich aus dieser Verbindung, denn schlägt der Sturmwind durch Blitz und Funken die flammende Lohe, gerät das trockene Laub in Brand und Loki wird geboren. Seine "Göttlichkeit" erhielt der eigentliche Riese durch die Blutsbrüderschaft mit Odin. Naturmythologisch versinnbildlicht Loki die brodelnde Lava im Inneren der Erde und das alles vernichtende Feuer, das aber gleichzeitig den Humus und die Erde für etwas Neues hervorbringt. Seine Gattin ist Sigyn, mit der er die zwei Söhne Ali und Narfi hat. Mit der Riesin Angrboda (Sorgenbringerin) zeugt er die drei Unheilkinder Hel, Fenrir und die gewaltige Jörmungandschlange. Als Vater dieser Geschöpfe wird ersichtlich, welchen Stellenwert der Gott im Pantheon einnimmt, denn wann immer sich die Gelegenheit bietet, die Grundpfeiler der bestehenden Weltordnung zum Schwanken zu bringen, ist Loki zur Stelle. Der durch ihn verursachte Mord an Balder löst schließlich die Ragnarök aus, wodurch Loki zum Weltzerstörer und Beschließer (Luka= schließen) wird, der den Untergang der gesamten alten Welt herbeiführt. Dort töten sich Loki und sein alter Widersacher Heimdall gegenseitig.
Obgleich bis heute keine direkte kultische Verehrung Lokis nachgewiesen werden konnte, existieren über ihn nach Odin und Thor die meisten Sagen und Lieder. Als Bösewicht tritt er z.B. beim Raub der Iduna und ihrer lebensverjüngenden Äpfel auf, woraufhin die Asen alle zu altern beginnen. Thors Gattin Sif schneidet er im Schlaf die Haare ab, stiehlt der Liebesgöttin Freya ihren Halsschmuck, liefert Thor an die Riesen aus und vollbringt noch genügend weitere Schandtaten, die ihm zu zweifelhaftem Ruhm gereichen. In der Wölsungensage spielt er eine entscheidene Rolle beim Raub des Rheingoldes, das er dem Zwerg Andwari entwendet, der darauf den Schatz verflucht und hierdurch enormes Leid und Unglück über viele Menschen bringt.
Doch wenngleich als größter Widersacher und Feind der Götter beschimpft, tritt Loki doch ebenso oft als ihr nützlichster Helfer und Verbündeter auf, wenn es darum geht, den Asen Vorteile zu verschaffen. Einmal in Bedrängnis geraten ist er jederzeit gewillt, Ansehen und persönliche Ehre zu opfern, um die eigene Haut zu retten oder neue ziele zu erreichen. Dabei ist ihm jedes Mittel recht. Einmal verwandelt er sich in eine rossige Stute und lockt Swadilfari, den Arbeitshengst des Riesenbaumeisters, in den Wald, damit dieser sein Werk nicht fristgerecht beenden kann. Aus dieser Verbindung geht später das Götterpferd Sleipnir hervor, welches Loki als Stute gebiert, was zeigt, dass der Gott auch sein Geschlecht nach belieben zu wechseln vermag. Zwar bringt er die Götter gerne in Verlegenheit, verhilft ihnen aber dank seiner Listigkeit zu wertvollen Gegenständen und Waffen wie den Hammer des Thor, Odins Speer Gungnir oder dem Ring Draupnir. Auch bei der Entstehung des Menschengeschlechtes soll er unter dem Namen Lodur dabei gewesen sein.
In einem alten skandinavischen Volkslied fleht ein Bauer nacheinander die Götter Odin, Hönir und Loki um Beistand vor einem Riesen an. Doch erst Loki vermag aufgrund seiner Verschlagenheit dem Bauern zu wirksamen Schutz verhelfen.
Iduna ist die Hüterin der goldenen Äpfel, die in einem immergrünen Garten Asgards wachsen. Iduna ist das jüngste Kind Iwaldis, einem kunstfertigem Zwerg, aus dessem Geschlecht einige berühmte Kleinode an die Götter hervorgehen. Der Gatte der Frühlingsgöttin ist der Dichter Bragi, mit dem sie auf ihrem Wohnsitz Brunnakr (Brunnenacker) lebt. Sie selbst gilt als schüchtern und schweigsam und überlässt das Reden lieber ihrem wortgewandten Ehemann. Es heißt dort, wo Iduna ihre Füsse hinsetzt, sprießen überall zarte Blumenknospen aus dem Boden hervor. Obwohl die Göttin nur selten erwähnt wird und auch über eine kultische Verehrung nichts bekannt ist, spielt sie als Hüterin der Äpfel dennoch eine wichtige Rolle, da die Götter auf ihre Früchte angewiesen sind, ohne deren Genuss sie wie jeder gewöhnlich Sterbliche altern müssten. Deshalb lautet eine Umschreibung für das Obst auch "der Asen Altersgift".
Die Edda schildert den Raub der Göttin durch einen Riesen Namens Thjazi (Vater der Skadi). Diesem gelingt es in Adlergestalt den Gott Loki zu ergreifen. Durch die Drohung, ihn in die Tiefe fallen zu lassen, nötigt der Riese Loki das Versprechen ab, ihm die Göttin Iduna samt Äpfeln zuzuführen. Der Eingeschüchterte führt darauf die Göttin unter dem Vorwand aus Asgards Garten heraus, er wolle ihr andere Äpfel zeigen, welche so prachtvoll anzuschauen seien, das nur sie allein über deren Wert entscheiden könne. Zum Vergleich solle sie ihre Äpfel doch gleich mitnehmen. Als die beiden nun an einer ausgemachten Stelle vorbeikommen, stößt der Riesenadler vom Himmel, packt die Göttin samt ihrem Korb und trägt sie in sein Felsennest. Nachdem Iduna verschwunden bleibt, setzt sich bei den Asen unweigerlich der Alterungsprozess in Gang, und man beginnt nachzuforschen, wo sie zuletzt gesehen wurde. Schnell fällt der Verdacht auf Loki, dem die Götter mit Folter und dem Tode drohen, falls er die Göttin nicht unverzüglich zurückhole. So leiht sich Loki Freyjas Falkenkleid und fliegt mit diesem zu Thjazis Burg, wo es ihm gelingt, Iduna aufzuspüren. Er verwandelt sie in eine Nuss und trägt sie zurück nach Asgard. Doch der Riese bemerkt die Flucht und verfolgt die beiden in Adlergestalt. Als die Götter die beiden Vögel kommen sehen, errichten sie einen großen Haufen Hobelspäne und zünden diesen nach Lokis Landung an. Das Gefieder des Riesen, der seinen Flug nicht mehr rechtzeitig zu stoppen vermag, fängt darauf Feuer und Thjazi wird von den Asen erschlagen.
Im Volksglauben war die Schwalbe das der Göttin zugeordnete Krafttier, da die alljährliche Wiederkehr der Vögel aus dem Süden als Anzeichen für den auferstehenden Frühling galt. Wenn sie im Dach oder Gemäuer des Wohnhauses nisteten, deutete das auf Kindersegen, Gesundheit und glückliches Eheleben hin. In manchen Gegenden war es auch Brauch, nach der Erntezeit drei Äpfel pro Baum als Dankesgabe an die Göttin hängen zu lassen.
Tyr ist der skandinavische Name für den altgermanischen Kriegs-, Himmels- und Versammlungsgott. Unter den Asen aufgeführt gilt der Gott als Sohn Odins, seitdem er für das Leisten eines Schwures eine Hand einbüßte. Seine Heimat ist Asgard und als Wohnstätte wird das Kriegerparadies Walhall angenommen. "Siegrunen soll man aufs Schwert ritzen und dabei zweimal Tyrs Namen rufen", berichtet uns Snorri, der fortfährt, der Gott sei überaus kühn und mutig, weshalb ihn tapfere Männer um Sieg anrufen würden. Auch Weisheit soll dem Gott zueigen sein, aber man könne nicht behaupten, sein Anliegen sei es, Frieden zwischen den Menschen zu stiften. Über eine Ehefrau des Gottes finden sich keine genaueren Angaben, doch ist anzunehmen, dass es sich hierbei um die ältere gemeingermanische Göttin Frija handelte, aus der später die Göttin Frigg als Gattin Odins hervorging. Es gibt mehrere Beweise dafür, dass Tyr unter dem Namen Ziu, Tiw, Thiuw oder Teiwaz schon viel früher verehrt wurde als Odin, Thor oder Freyr. Mythenforscher glauben beweisen zu können, dass es sich bei ihm ursprünglich um einen indoeuropäischen Himmelsgott handelte, dessen Funktion vor allem darin bestand, Streitigkeiten und Konflikte zu lösen, entweder durch Kampf (Götterentscheid) oder eine Ratsversammlung (Thing). Auf einem Thing kamen Jarle (Häuptlinge) und freie Stammeskrieger zusammen um Probleme und neue Vorhaben zu diskutieren. Wurden Entscheidungen getroffen, gaben die Männer ihr Einverständnis durch das klopfen ihrer Schwerter und Speere auf die mitgeführten Schilde zu verstehen. Warum Tyr im Verlauf der Jahrhunderte immer mehr zum Kriegsgott avancierte, mag sich dadurch erklären, dass Kampf, Ruhmesdrang und Beute versprechende Kriegsfahrten immer größeren Stellenwert erlangten.
Aus der Edda erfahren wir folgendes: Als die Asen den von Loki gezeugten Fenrirwolf bei sich aufziehen, stellen sie schon bald fest, dass dieser immer größer und gefährlicher wird. So versuchen sie das kräftige Tier in Fesseln zu legen, was mehrmals misslingt. Darauf lassen sie von Zwergen eine magische, unzerreißbare Kette schmieden. Damit diese jedoch angelegt werden kann, muss zunächst das Vertrauen des Wolfes gewonnen werden. Einer der Asen soll auf Fenrirs Geheiß den Arm als Pfand in seinen grausigen Rachen stecken. Tyr, der den Wolf zuvor schon aufgezogen hat, erklärt sich schließlich als einziger damit einverstanden. Die neue Kette hält stand, worauf das Tier wütend zuschnappt. Tyr beweist durch sein mutiges Opfer, dass er bereit ist, für die Sicherheit der Götter eine notwendige Lüge mit dem Verlust seiner Hand zu bezahlen, wodurch er den Namen "der Einhändige" erhält.
In einer anderen Geschichte macht sich der Kriegsgott gemeinsam mit Thor auf, um von seinem leiblichen Vater, dem Riesen Hymir, einen gewaltigen Kessel zu borgen, damit die Götter ihren Met darin brauen können. In den Ragnarök trifft Tyr schließlich auf den Höllenhund Garm, welcher der alten Feindschaft wegen aber wohl eher dem Fenrir- Wolf entspricht. Beide töten sich am Ende gegenseitig.
Heimdall ist der Wächter an der Regenbogenbrücke Bifröst, welche die Welt der Menschen mit dem himmlischen Reich der Götter verbindet. Über diese Brücke ziehen die Asen täglich zu ihrem Gerichtsplatz, um sich auf ihrem Thing miteinander zu beraten. Das lodernde Feuer im Brückenbogen hält die Riesen und andere Feinde davon ab, Asgard auf diesem Weg zu erstürmen. Heimdalls Fäuste umklammern das mächtige Schwert Hofud (Menschenhaupt?!) und sein Helm besitzt Öffnungen über den Ohren, mit denen er das Gras auf der Erde wachsen hört. Der Helm wird von den Flügeln eines Falken geziert, dessen scharfer Blick dem Gott zueigen ist und jede Bewegung schon aus großer Entfernung wahrnimmt. Man sagt von Heimdall, das er niemals Schlaf benötige, weshalb man ihn einst für dieses vertrauensvolle Amt auswählte. An seiner Seite hängt das mächtige Gjallarhorn, in das er stößt, um die seinen zu warnen, wann immer Gefahr droht. Heimdall wird neben dem glänzenden Balder als der strahlendste aller Götter bezeichnet, weshalb man ihn auch den "weißen Asen" ruft. Erschaffen wurde Heimdall schon früh von Odin, der den Gott mit den Töchtern der Ran, neun gestaltgewordenen Meereswogen, zeugte. Sein Wohnsitz ist der strahlende Palast Himinbjörg.
Ein norwegischer Dichter erzählt die Geschichte, wie Heimdall unter dem Namen Rig nach Midgard zu den Menschen wandert und dort nacheinander bei drei verschiedenen Ehepaaren einkehrt, um mit jeder der Frauen Kinder zu zeugen. Als diese heranwachsen, sind schon bald große Unterschiede zwischen ihnen in Wuchs und Gescheitheit auszumachen, weshalb man sie in Knechte, Bauern und Jarle (Adelige, Häuptlinge) einstuft. So wird Heimdall zum Begründer der drei Stände, weshalb die Menschen auch als "Heimdallsöhne" oder "Heimdalls hohe und niedere Kinder" bezeichnet werden. Weiter soll der Gott seine Kinder auch den Gebrauch der Runen gelehrt haben.
Eine andere Geschichte berichtet, wie der Gott sich für den leuchtenden Schmuck Brisingamen einsetzt, der seiner Besitzerin Freyja zuvor von Loki entwendet wurde. Als die Gegner aufeinander treffen, nehmen beide die Gestalt von Robben an und liefern sich an der Küste einen harten Zweikampf um das Halsgeschmeide, aus dem Heimdall schließlich als Sieger hervorgeht.
Seine Bestimmung erfährt der Gott jedoch, als sein Hornruf die Asen vor den herannahenden Riesen warnt und hierdurch schließlich die Ragnarök ankündigt. Die Riesen vereinigen sich mit den Horden der Finsternis und ziehen gen Asgard. Als die Schar über die Bifröstbrücke stürmt, gerät diese gewaltig ins Schwanken und stürzt schließlich ein. Sein Ende findet der Gott, als er in der letzten großen Schlacht auf seinen Erzfeind Loki trifft, wo sich beide gegenseitig töten.
Fjörgyn ist die personifizierte Erde selbst, deren üppige Landschaft sich hier in Form einer schwangeren Frau ausbreitet. Gleich gegen den Strom anschwimmenden Lachsen, die zum Laichen an ihren Geburtsort zurückkehren, so kehrt auch der Mensch am Ende seines Seins wieder in die Dunkelheit ihres geborgenen Leibes zurück. Fjörgyn selbst wird als eine Tochter der Nott (Nacht) und des Anar (der Andere) bezeichnet. Als urmütterliche Naturgottheit wurde sie bereits schon lange verehrt, als der Tyr- und Odin- Glaube noch gar nicht bestand. Weitere wichtige Namensbezeichnungen in der Edda lauten auch Hlódyn, Nerthus, Bestla oder Jörd. Als Bestla (möglicherweise eine andere Bezeichnung für die Urkuh Audhumla) wird sie schon als Urmutter der drei Götter Odin, Wili und We erwähnt. Nach Snorri zerteilten diese drei Götter den Urzeitriesen Ymir, um aus dessen Fleisch die Erde zu erschaffen. Darüber spannten sie das Himmelszelt, das sie aus der Schädeldecke des Riesen fertigen. Sie stellten vier Zwerge auf, einen in jede Himmelsrichtung, damit sie fortan das Sternendach stützen. Die Götter nannten die Erde Midgard (Wohnort in der Mitte), da sie inmitten der neun Welten des Weltenbaumes lag. Sie bauten einen Wall darum, um die auf ihr wohnenden Menschen vor den Angriffen der Riesen zu schützen. Des Weiteren zogen sie um Midgard einen Meeresgürtel, auf dessen Grund sich die mächtige Midgardschlange Jörmungand ringelt, welche die ganze Welt umspannt.
Als Jörd oder Hlódyn zeugte Odin mit ihr seinen ersten Sohn, den mächtigen Thor, der die Götter und die Menschen mit seiner Erdkraft gegen die Riesen schützt. Aus diesem Grund nennt man Thor auch den "Sohn der Erdgöttin". Odins Gattin Frigg ist ebenfalls eine direkte Tochter von Fjörgyn, der von Snorri zwar als ihr Vater (?) angegeben wird, vermutlicher aber mit der Erdmutter selbst identisch ist. Als eine Vertreterin der Erdgöttin wird auch die spröde Riesin Rinda angesehen die der Göttervater durch eine List schwängert, damit der künftige Sohn später den Mord an seinem Sohn Balder rächt. In diesem Mythos verkörperte Rinda die noch gefrorende Wintererde, die hartnäckig verweigert, sich den befruchtenden Strahlen der Sonne (Odin) hinzugeben.
Unter dem Namen Nerthus wird die Erdgöttin ebenfalls von dem römischen Geschichtsschreiber Tacitus erwähnt, der schon im 1. Jh.u.Zt. berichtet, wie man zu ihren Ehren einen von Kühen gezogenen Wagen durch das ganze Land fuhr, der reich geschmückt war. In dieser heiligen Zeit herrschte überall festliche Stimmung und die Waffen mussten ruhen.
Bragi ist der persönliche Hofskalde Odins und musiziert in den Hallen der Götter um die Anwesenden mit seinem Gesang und Erzählungen zu erfreuen. Er soll ein Sohn Odins und dessen Gemahlin Frigg sein, während andere in dem Dichter eher einen Sohn der Riesin Gunnlöd sehen, welchen Odin mit jener zeugte, als er sich Zugang zu dem Ekstasemet Odrörir verschaffte. Als eine Art Truchsess begrüßt Bragi in Walhall die Gäste und Neuankömmlinge unter den Einherjern (Einzelkämpfern) und überreicht diesen einen Willkommenstrunk. Snorri schildert den Skalden als klugen und wortgewandten Gesellschafter, "deshalb auf seiner Zunge Denkrunen eingeritzt seien". Er ist wegen seiner Weisheit berühmt und ist von allen Liederschmieden der Größte, weshalb die Dichtkunst nach ihm als "bragr" benannt wird und man begabte Skalden (Dichter) mit seinem Namen betitelt und ehrt. Als bestellter und berufener Sprecher der Götter wird er meist in schon fortgeschrittenem Alter und einem langen weißen Bart dargestellt. Seine Frau ist die Frühlingsgöttin Iduna, welche, im Gegensatz zu ihrem Mann, mädchenhaft und jugendlich erscheint. Ihr gemeinsamer Wohnsitz wird Brunnakr (Brunnenacker) geheißen.
Einer der wohl ältesten bekannten Skalden war Bragi Boddason, dessen Werke im 9.Jh.u.Zt. in Skandinavien entstanden. Drei Jahrhunderte später wird er ebenso als Dichter eines schwedischen Königs aufgeführt. Da "Bragr" auch als Titel für Häuptlinge und Fürsten gebraucht wurde, liegt nahe, dass Bragi als eine abzweigende Form von Odin angesehen werden kann, der selbst einmal diesen Namen führt und bis heute als eigentlicher Erfinder der Dichtkunst gilt. Die Skaldendichtung besticht vor allem durch ein höfisches Versmass, das gewöhnlich in Stabreimen abgefasst wurde.
In einer Überlieferung bespricht sich Odin mit Bragi über die nahende Ankunft eines im Kampf gefallenen Heldenkönigs, der nun in der Totenhalle Walhall erwartet wird. In einem anderen Lied, als die Asen den Meeresgott Ägir zu einem Gastmahl nach Asgard einladen, wird diesem ein Platz neben Bragi zugewiesen, worauf der seine "Brageredur" (Reden des Bragi) zum besten gibt, die der Meeresgott zuweilen unterbricht, um dem klugen Redner Fragen zu stellen.
In dem Lied "Lokis Zankreden" ergreift Bragi als erster das Wort, um Loki den Sitz an einer Festtafel zu verweigern, worauf ihn dieser vor der versammelten Göttersippe als Drückeberger und Bankzierde beschimpft, dessen Hintern lieber an der Sitzbank klebe, wenn es darum ginge, mit den Männern ins Gefecht zu ziehen. Ein Vorwurf, dem sich mancher Poet zu stellen hatte, wenngleich bekannt ist, dass einige Skalden auch große Kämpfer gewesen sein sollen.
Hel ist die germanische Göttin der Unterwelt Helheim. Der Eingang in ihr Reich wird von dem Höllenhund Garm bewacht, der die verstorbenen mit seinem lauten Gebell empfängt. Als "Hels dunkle Brut" werden alle sie umgebenden Wesenheiten, Geister und Dämonen bezeichnet, die in den Ragnarök gemeinsam mit den Riesen gegen die Götter ziehen werden. Die Göttin soll eine Tochter Lokis und der Riesin Angrboda (Sorgenbringerin) sein. Hels Erscheinung ist zum einen jung und menschlich, zum anderen alt und tierhaft. Ihre Geschwister sind die Midgardschlange Jörmungand und der Fenrirwolf. Odin verbannte sie einst ins Totenreich hinab, wo sie seitdem über die unterirdischen Welten gebietet. Voller Hass sinnt sie seither auf Rache für ihre Verbannung. Hels Welt wird von dem Helgrindzaun umgeben, und man muss sie durch ein Gatter betreten. Durch diese Öffnung fließt auch der Totenfluss Gjöll, über den sich die Totenbrücke Gjallarbru spannt, das Gegenstück zur Regenbogenbrücke Bifröst. Wer sie einmal überschritten hat, den lässt Hel nicht mehr aus ihren Fängen. Hels Wohnsitz heißt Eljudnir (Elend), ihr Tisch Hungr (Hunger), ihr Messer Sultr (Verschmachtung) und Fallandaforad (Fallende Gefahr) ihre Türschwelle. Kor (Sarg) ist der Name ihres Bettes und Blikjandabol (blinkendes Unheil) der ihres Bettvorhangs. Ihre Bediensteten sind die Magd Ganglot (Trägtritt) und der Knecht Ganglati (Langsamtritt). Die Jungfrau- Riesin Modgud (Seelenkampf) bewacht die Gjoll- Brücke, die verstorbene Menschen wie Götter überqueren müssen, um in ihr Reich zu gelangen.
"Halja" oder auch "hal" lautet der nordische Begriff für die unterirdische Behausung der Verstorbenen bzw. der zeitlose Aufenthaltsort der Seele, wo sie bis zu ihrer nächsten Wiederverkörperung verweilt. Dieser Begriff wandelte sich im Zuge der Christianisierung schließlich zur Hölle. Dies wird auch deutlich, durch die unmissverständliche Namensgebung von Hels Wohnutensilien und Attribute, so das die Göttin immer mehr zum eigenständigen und bedrohlichen Aspekt der Göttin Frigg wurde, aus der sie einst hervorging. "Zur Hel fahren" ist ein Kenning, der den Akt des Sterbens beschreibt. Doch empfängt Hel nicht alle Toten, sondern lediglich Sünder, Diebe, Mörder und Taugenichtse, weiter alle Krieger, die nicht dazu ausersehen sind, im Kampf zu sterben, sondern an Altersschwäche oder Krankheit dem sogenannten "Strohtod" auf der heimischen Schlafstätte erliegen. Auserwählte und in der Schlacht gefallene Helden kommen nach Walhall. Ertrunkene hingegen landen im Netz der Ran.
Als der Gott Balder durch Lokis Verschulden stirbt, versuchen die Asen Hel dazu zu bewegen, diesen wieder freizugeben. Hel stellt jedoch eine Forderung, die abermals durch Lokis zutun nicht eingehalten werden kann. So muss Balder weiterhin im Totenreich verweilen.
Die Namen "Hella" oder Holda" sind vermutlich weitere Entwicklung der einstigen Göttin, die im Volksmund schließlich zur Frau Holle führten. Sie ist die Göttin, welche der Natur mit stillstand Frieden schenkt und sie mit ihrem weißen Kleid bedeckt, aber auch als gespenstiges Sturmweib durch die kalte Jahreszeit zieht und jeden mit sich nimmt, dessen Lebenszeit abgelaufen ist. In dem gleichnamigen Märchen findet sich vor allem ihr heller Aspekt, wo sie mit gerechter Strenge prüft, wer sich ihrer Gaben als würdig erweist.
Forseti, der Richtergott, ist einer der Asen und Sohn des Balder und dessen Gattin Nanna. Sein Sitz in Asgard ist der Saal Glastheim (der schimmernde), der goldene Säulen und ein silbernes Dach besitzt und als die beste Gerichtstätte bei Göttern und Menschen gilt. Dort weilt Forseti die meisten Tage, um das ihm zugewiesene Amt auszuüben. Sein Wesen wird als milde, freundlich und besonnen beschrieben, das seinem Vater gleicht, dem er in Weisheit und Redegewandtheit in nichts nachsteht. Des Gottes altnordischer Name bedeutet soviel wie "Vorsitzender" und man erhob ihn später allgemein zum Richtergott, da es in der Edda heißt, dass alle, die mit Streitigkeiten zu ihm kommen, verglichen und versöhnt wieder von ihm gehen. Dieser Titel bezieht sich vor allem auf das regelmäßig abgehaltene Thing, wo meist der Adelige den Vorsitz führte, der sich durch Weisheit und Rechtschaffenheit einen guten Ruf gemacht hatte. Das Thing war die gesetzgebende und richtende Versammlung aller freien Männer, und seine Ursprünge rechen weit zurück. Bei diesen Treffen galten heilige und strenge Regeln, deren Missachtung mit Strafen oder Ausschluss geahndet wurden. Forsetis richtende Gewalt findet sich in älterer Zeit noch bei dem durch Odin abgelösten Himmelsgott Tiuz (Tyr).
Es existiert eine alte Aufzeichnung aus dem Jahre 790 nach unserer Zeit, wo eine Insel, welche sich zwischen Nordfriesland und Dänemark befindet (möglicherweise Helgoland?), nach dem dort verehrten Gott "Fosites Land" genannt wurde. Die Friesen verehrten den Gott Fosite und einige Forscher sind der Ansicht, dass es sich hierbei um ein und dieselbe Gottheit handelt. Besagte Insel mit den dort existierenden Quellen und weidenden Herden galt als großes Heiligtum der Friesen.
Nach einer alten Sage (welche die Bekehrung zum Christentum zum Hauptzweck erhebt) werden von dem König Karl dem Großen zwölf Gesetzessprecher eingesetzt, um von nun an Recht zu verkünden. Als diese Männer sich bei einer Verhandlung nicht einig werden, lässt sie König Karl in einem Segel- und Ruderlosem Schiff auf offenem Meer aussetzen. In ihrer Verzweiflung beten die Männer nun zum neuen Christengott, auf das er ihnen gleicher Art helfe, wie er einst seine zwölf Jünger vor dem Sturm gerettet habe. Da taucht mit einem mal ein dreizehnter Mann unter ihnen auf, der sie sodann mit einem Ruder sicher ans Land steuert. Dort lehrt sie dieser Mann die Rechtsprechung, um darauf ebenso geheimnisvoll wieder zu verschwinden. Die Männer kehren zu König Karl zurück, der sie nun, überzeugt von ihrem Können (Glauben), erneut als Richter einsetzt. So entstand das friesische Recht.
Bei dieser Geschichte drängt sich der Verdacht auf, dass es sich bei dem plötzlich erscheinenden Mann ursprünglich um Odin handelte, dessen unerwartetes Auftauchen sich in vielen Sagen findet.
Njörd ist einer der obersten Gottheiten aus dem alten Geschlecht der Wanen. Er ist zuständig für günstigen Wind und reichhaltigen Fischfang, worum ihn die Seeleute anrufen. Sein Wohnsitz ist Noatun, der an der Küste liegt. Es heißt, er verfüge über unendlich großen Reichtum, den er zuweilen an jene verteilt, die sich sein Wohlwollen verdient haben. Der Gott liebt den salzigen Geruch des Ozeans, das Kreischen der Möwen und das geschäftige Treiben der Männer in den Schiffswerften. Mit der Göttin Nerthus (Fjörgyn), die auch seine Schwester sein soll, zeugt der Meeresgott die beiden Kinder Freyr und Freyja, die später mit ihm in Asgard wohnen.
Als Schutzpatron des Meeres wird Njörd vor allem in Skandinavien verehrt, wo der Ozean für die Menschen stets einen wertvollen Nahrungslieferanten darstellt. Der Glaube um seinen Kult reicht bis weit vor unsere Zeitrechnung zurück, und viele Orte entlang der norwegischen Küste sind nach ihm benannt. Njörd und sein Sohn Freyr sind beide Naturgottheiten und gleichen sich in mancherlei Hinsicht. Es gibt verschiedene Hinweise, dass der Sohn den Vater irgendwann in der Verehrung ablöste bzw. der Vater im Sohne schließlich aufging. Beide Götter werden mit Fruchtbarkeit, Wohlstand, Wachstum und Frieden in Verbindung gebracht. Ebenso sind sie aufs engste mit ihren Schwestern verbunden, was Aufschluss über Sitten und Gepflogenheiten des Wanenvolkes gibt, dessen Lebensweise sich noch an matriarchalem Recht orientierte.
Die Edda schildert folgendes: Als der durch Gullweig verursachte Krieg beendet ist, einigen sich Wanen und Asen auf einen Waffenstillstand. Um diesen zu besiegeln, tauschen beide Seiten Friedensgeiseln untereinander aus. Njörd und Freyr werden zu den Asen gesandt. Später wird Njörd der Wintergöttin Skadi als Entschädigung für ihren von den Asen erschlagenen Vater Thjazi (einem Riesen) zum Ehemann gegeben. Bei dieser Geschichte ist vor allem die Schönheit von Njörds Füßen ausschlaggebend, welche Skadi fälschlicherweise als die Füße von Balder deutet, dessen Gewinnung sie sich erhofft. Die Ehe von Skadi und Njörd bleibt jedoch kinderlos und ist nicht von langer Dauer, da sie sich auf keinen gemeinsamen Wohnort einigen können. Skadi zieht sich schließlich enttäuscht wieder in die Einsamkeit ihrer Berge zurück, während Njörd in Noatun bleibt. Über Njörds Verbleib während den Ragnarök ist lediglich überliefert, dass er zu deren Beginn zu seinem eigenen Volk zurückkehrt.
Ullr ist einer der zwölf Asen und ein Stiefsohn des Gottes Thor, da er aus einer früheren Ehe zwischen dessen Gattin Sif und einem "Sternenhelden" Namens Orwandil hervorging. Ullr ist ein Gott des Winters und nur in Skandinavien nachgewiesen. Ebenso wie bei der Göttin Skadi sind die ewig schneebedeckten Berge seine Heimat. Von Snorri erfahren wir, dass Ullr von wohlgestaltetem Äußeren, ein hervorragender Bogenschütze, Schneeschuhläufer und erfahrener Kriegsmann ist. Er durcheilt als Bogenbewehrter Jäger die eisigen Landstriche und erinnert in seinem Wesen stark an die Finnen und Lappen, aus deren Vorstellung Ullr vermutlich hervorging. Sein Wohnsitz ist Ydalir, das Tal der Eiben, deren Holz sich besonders gut zum Bau hochwertiger Bögen eignet. In einer skaldischen Dichtung taucht das Kenning von "Ullrs Schiff" auf, das darauf schließen lässt, dass der Gott seinen Schild gelegentlich als Fahrzeug benutzt, möglicherweise, um darauf wie auf einem Schlitten die verschneiten Abhänge hinunterzufahren.
In einer Sage wird bei einer Schwurablegung Ullrs Ring erwähnt, bei der man den Gott als Zeuge anrief. Aus diesem Grund lag am Altar des Ullr gewöhnlich ein Schwurring. Ebenso war es Brauch, seine Gunst für einen bevorstehenden Zweikampf zu erbitten, dessen Ausgang als Gottesurteil angesehen wurde. Die Angelsachsen riefen den Gott Wuldor, was soviel wie "Ehre" bedeutet. Ullr wird auch mit "der Herrliche" oder "der Strahlende" übersetzt, was wiederum Hinweise auf seine Beziehung zum Nordlicht gibt.
Der Schreiber Saxo berichtet, wie der Wintergott unter dem Namen Ollerus für eine unbestimmte Zeit den Platz Odins einnimmt, nachdem der Göttervater für ein frevelhaftes und schändliches Vergehen von den Göttern verbannt wurde. Odin hatte sich die Riesin Rind durch einen unehrenhaften Zauber gefügig gemacht, um mit ihr ein Kind zu zeugen. Deshalb musste er sein Amt als oberste Gottheit abtreten, solange, bis seine Strafe gesühnt und verjährt war. Ullr/ Ollerus wird für diese Zeit zu Odins Nachfolger bestimmt. Hinter diesem Mythos sah man Odin symbolisch als Sonne, die abends im Westen die gefrorene Erde (Rind) zu berühren schien, um diese zu befruchten. Nachdem im hohen Norden die Sonne das halbe Jahr über hoch am Himmel steht, wird das Licht nun für die gleiche Zeit durch die Dunkelheit (Ullr) abgelöst. Odin kehrt nach der Tilgung seiner Strafe aus der Verbannung zurück und tritt im Frühling in neuen Ehren sein Amt wieder an. Da Ullr für diese geraume Zeit den Platz des Allvaters einnimmt, gilt es als nicht anmaßend, ihn an dessen Seite zu stellen. Die nachvollziehbare Feindschaft zwischen den beiden Göttern könnte im Sinne der Verdrängung der Ullr- Dienstes durch den Odin. Glauben gedeutet werden, ebenso wie Odin irgendwann den alten Gott Tiuz ablöste. In Ostnorwegen und Schweden war der Ullr- Kult weit verbreitet und noch heute tragen dort einige Ortschaften und Plätze den Gott in ihrer Namensbezeichnung.
Skadi ist die Tochter des Frostriesen Thjazi, und ihre Heimat ist in den rauen Bergen Skandinaviens, wo sie auf Schneeschuhen läuft und das Wild mit dem Bogen jagt. Wenn Natur und Außenwelt unter der weißen Schneedecke zu schlafen scheinen, ist die Göttin unterwegs, um den Menschen in dieser kargen Jahreszeit Glück bei ihrer lebensnotwendigen Jagd zu bescheren. In dieser Funktion wird sie auch mit Ullr, dem Bogenschießenden Wintergott, in Verbindung gebracht. Da ihr Name "Schatten" (der das Land bedeckt?) bedeutet, wird sie ebenfalls mit dem Tod bzw. Anteilen der Hel assoziiert.
In Nordskandinavien wird Skadi als Vertreterin des Finnentums angesehen, die mit Odin den Sohn Säming zeugte, den Ahn der Herrscher von Halogaland, jene Ländereien, auf denen Lappen und einige Germanenstämme gemeinsam lebten. Versuche wurden unternommen, Skandinavien als "Land der Skadi" zu deuten, was bisher jedoch nicht bewiesen werden konnte. Skadis Name findet sich in einigen schwedischen und norwegischen Ortsnamen wieder, die auf eine ehemalige Verehrung oder mögliche Kultstätten der Göttin schließen lassen.
Snorri weiß über Skadi, die er sogar zu den Asinnen zählt, folgendes zu berichten: Nachdem ihr Vater für die Entführung der Göttin Iduna von den Göttern erschlagen wird, legt die Riesentochter Brünne und Waffen an und zieht vor die Tore Asgards. Dort fordert sie Rache und Wergild für ihren Verlust, worauf die Götter ihr zur Versöhnung anbieten, sich einen der ihren zum Manne wählen zu dürfen. Allerdings unter der Einschränkung, sich ihren Bräutigam nur nach den Füßen auszusuchen. Alle Asen, die für ihre Heirat in Frage kommen, stellen sich daraufhin der Reihe nach barfuss vor ihr auf, während die Körper hinter einem Vorhang verdeckt bleiben. In der Meinung, die schönsten Füße müssten dem ansehnlichen Balder gehören, wählt sie irrtümlich Njörd, den Gott der Schifffahrt und des Meeres. Darauf heiraten die zwei, führen jedoch keine lange und glückliche Ehe, da sich beide, in völlig unterschiedlichen Gegenden aufgewachsen, auf keinen gemeinsamen Wohnsitz einigen können. Die Ehe löst sich auf und die Göttin zieht sich zum Skifahren und jagen wieder in die Berge zurück. Später soll Skadi angeblich eine Ehe mit Odin/ Ullr eingegangen sein und diesem viele Kinder geboren haben.
Weiter wird überliefert, dass Skadi für ihren toten Vater eine zweite Bedingung an die Asen stellt, nämlich jene, sie wieder zum lachen zu bringen. Nachdem mehrere Versuche, der eisigen Gesinnung der Riesin auch nur ein schmunzeln zu entlocken, gescheitert sind, bindet der gewitzte Loki einer Ziege einen Strick um den Bart, während er das andere Ende an sein Geschlechtsteil wickelt. Beide ziehen sich nun laut meckernd hin und her, bis sich Loki schreiend in Skadis Schoß fallen lässt, die daraufhin in lautes Gelächter ausbricht. In dieser Begebenheit findet sich das heute noch in der Fastnacht vorkommende Motiv, dass der raue Winter durch Spaß und Schabernack vertrieben wird bzw. dazu gebracht wird, dem nahe liegenden Frühling zu weichen. Da Loki sich später vor Skadi rühmt, die Schuld am Tode Ihres Vaters zu tragen, rächt sich die Göttin dadurch, dass sie eine Giftschlange über Lokis Haupt anbringt, als dieser von den Göttern für seine Vergehen an einen Felsen gefesselt wird.
Mani lautet der Name des personifizierten Mondgottes, der mit seinem leuchtenden Wagen seine Runden am nächtlichen Firmament dreht. Auf dem Gestirn erscheinen die Gestalten zweier Kinder, die dem Mondgott als Helfer zur Verfügung stehen. Ihre Namen sind Bil (Ermattung) und Hjuki (Erholung) und gemeinsam tragen sie das Gefäß Sägr, welches das Mysterium des Seelenwassers bewahrt und die Geburt des ewig kindlichen mit dem mütterlich nährenden Prinzip des Mondes vereint. Im Hintergrund erscheint die Göttin Nott (Nacht), die ihre dunkle Haarpracht öffnet, aus der sich unzählige Sterne in den Kosmos ergießen. Ständig ist dem Mondgott der Riesenwolf Hati auf den Fersen, und wenn er ihm zu nahe kommt, gibt es eine Mondfinsternis.
Wie schon die deutsche Wortwurzel besagt, wird im germanischen Weltbild der Mond als männlich und die Sonne als weiblich verehrt. Auch in skandinavischen Ländern, in denen die Menschen ständig den kalten Elementen widerstehen mussten, wurde die Wachstumsfördernde Wärme der Sonne mit den Eigenschaften des Weiblichen assoziiert, während man das kalte Licht des Mond mit männlichen Attributen belegte. Allgemein richtete sich die Zeitrechnung der germanischen Stämme nach dem Mond und nicht, wie heute üblich, nach der Sonne.
Snorri berichtet in einer märchenhaften Schilderung folgendes: Der Urzeitriese Mundilfari, dessen Name mit "Himmelsumdreher" oder "Himmelsachse" übersetzt wird, hatte zwei schöne Kinder. Da er sehr stolz auf diese war, verglich er sie mit den beiden sichtbaren Gestirnen Sonne und Mond. Seinem Sohn gab er den Namen Mani (Mond) und seine Tochter nannte er Sol (Sonne). Als die Götter von den Namen erfuhren, zürnten sie des begangenen Hochmuts und verbannten sie zur Strafe ans Firmament. Dort musste jeder von ihnen in einem Wagen die Erde umfahren, wodurch sich die beiden Geschwister nur selten zu Gesicht bekamen. So ziehen sie seit jeher einsam ihre Bahn.
Als verkörperte Gottheit war Mani für das Zu und Abnehmen der Mondscheibe verantwortlich. Da er sich dieser Aufgabe nicht gewachsen sah, stahl er auf einer seiner Fahrten zwei Menschenkinder die ihn fortan bei seiner Arbeit unterstützen sollten. Die Kinder holten grade Wasser aus einem Brunnen mit Namen Byrgir. Ihr Wassergefäß hieß Sägr und die Stange, die sie auf den Schultern trugen, Simul. Die Menschen nannten sie fortan "die Kinder des Mondes" und es heißt, dass man sie in klaren Vollmondnächten zuweilen noch sehen kann.
Den alten verbreiteten Volksglauben, dass bei einer Mondfinsternis das Gestirn von einem Untier verschlungen wird, finden wir in der Gestalt des Managarm- Wolfes, der auch Hati (Hasser) oder Mondhund gerufen wird. Die Riesin Gyge hat ihn einst im Jarnwidr (Eisenwald) mit Fenrir gezeugt, damit er und seinesgleichen am Weltenende die Gestirne verschlingen und ewige Finsternis über die Erde bringen sollten.
In älteren Märchen erscheint der Mondgott zuweilen als geheimnisvoller und unsichtbarer Geliebter einer verheirateten Frau, die sich von ihrem Mann ungeliebt und allein gelassen fühlt. Öfters taucht er allerdings als "der Mann im Mond" in Kindermärchen auf, wo er, je nach Positionierung, einen guten oder einen schlechten Charakter aufweist.
Sol lautet der Name der germanischen Sonnengöttin, die auf ihrem feurigen Wagen Tag um Tag ihre Bahn um Midgard zieht, um mit ihrem strahlenden Antlitz die Welt zu erhellen und allen Pflanzen und Lebewesen gleichsam Wärme zu spenden. An ihrem linken Arm trägt sie den Schutzschild Svalinn (Sänftiger), den sie zuweilen vor sich hält, damit ihre heißen Strahlen nicht Berge und Wälder versengen. Ihr Gespann besteht aus zwei leuchtenden Pferden, deren Namen Arwakr (der Frühwache) und Alswidr (der Allgeschwinde) lauten. Unter dem Bug des Wagens sind zwei Blasebälge befestigt, die Irsankol (Erzkühle) genannt werden und den beiden Rossen die notwendige Kühle verschaffen. Auch Sols Wagen wird von einem grimmigen Wolf namens Sköll (Bosheit) verfolgt, der danach trachtet, das leuchtende Gestirn zu verschlingen, sobald es seine Fahrt verlangsamt. In den Ragnarök wird die Sonnengöttin schließlich von ihrem Verfolger gefangen und verschluckt. Doch gebiert sie kurz zuvor noch eine Tochter, welche fortan die Aufgaben ihrer Mutter übernimmt. Sols Name lautet in unseren Breitengraden "Sunna" und der ihr geweihte Tag ist der Sonntag.
Verschiedene Beschreibungen ihrer Gestalt mit Attributen wie einem Gesicht, einem Feuerrad, Wagen oder Schild zu versehen, zeigen die klassischen Spuren prosaischer Vermenschlichung dieses lebenswichtigen Gestirns. Einmal wird Sol von Snorri als Göttin genannt und unter den Asinnen aufgezählt, während die Prosa- Edda folgendes berichtet: Ein Mann Namens Mundilfari hatte zwei Kinder, die waren so hübsch und schön anzusehen, dass er seinen Sohn Mani (Mond) und seine Tochter Sol (Sonne) nach ihnen benannte. Diese verheiratete er mit einem Mann. Der Glen (der Glänzende) hieß. Doch die Götter wurden zornig über die Anmaßung dieser Namensgebung, raubten die beiden Geschwister und versetzten sie an den Himmel. Sol musste fortan die Rosse lenken, die den Wagen jener feurigen Scheibe zogen, welche die Götter aus einem fliegendem Funken aus Muspellheim geschaffen hatten. Seitdem zieht Sol unablässig ihre Bahn, ständig auf der Flucht vor ihrem wölfischen Verfolger. Wenn dieser sie erreicht, ist das Ende der Welt gekommen.
In den verschiedensten Mythen findet sich immer wieder der Glaube an ein finsteres fliegendes Ungeheuer, dessen Verlangen, das Licht zu verschlucken, es unaufhörlich vorwärts treibt. Kaum etwas fürchteten die Germanen so sehr wie eine nahende Sonnenfinsternis, da man dieses Ereignis immer als böses Omen für Zerstörung und mit dem drohenden Weltuntergang in Verbindung brachte. Es ist überliefert, dass ganze Volksstämme in lautes Lärmen und Geschrei ausbrachen, um das Ungeheuer welches die Sonne nun schon im Maul hatte, zu erschrecken, damit es wieder von ihr ablasse und sie freigebe.
Der alte Volksmund pflegte die beiden Gestirne gerne als "Frau Sonne" und "Herr Mond" zu benennen. Sunnas Wesen wird verständlicherweise als froh, liebevoll und gnädig beschrieben, da sie auf alle Wesen gleichermaßen scheint und keine Unterschiede zwischen gut und böse macht. Noch heute werden mancher Orts zur Sommersonnenwende brennende Feuerräder die Berge hinunter gerollt, um diesen alten Brauch zu erhalten. Die Swastiska, das Hakenkreuz, ist das wohl am meisten missverstandene Symbol, zeigt es durch zwei verbunden Sig- Runen doch lediglich den Lauf der Sonnenenergien, deren Darstellung sich auf Tempel- und Kultgegenständen vieler alter Kulturen findet.
Hödur, auch Hod genannt, dessen Name übersetzt soviel wie "Kampf" bedeutet, ist ein Sohn Odins und der Frigg. Seine traurige Berühmtheit erlangt er durch jene unheilvolle Tatsache, dass er im Verlauf eines Wettschießens unbeabsichtigt seinen eigenen Bruder Baldur tötet. Hödurs auffälligstes Merkmal ist seine Blindheit, wodurch er zu einem Leben in ewiger Dunkelheit verdammt ist. Zwar ist ein blinder Kämpfer nur schwer vorstellbar, da sich aber weder etwas über eine erfolgte Blendung noch eine Verwundung findet, welche zum Verlust seines Augenlichtes geführt haben könnte, lässt vermuten, dass Hödurs Behinderung erst nachträglich durch christliche Einflüsse hinzukam, um seine Tat, die eher einer "Verblendung" gleicht, ein wenig zu entlasten, wodurch die Schuld des eigentlichen Drahtziehers umso größer erscheint.
Die Edda berichtet über den Verlauf dieses Dramas. Balder wird von unheildrohenden Träumen geplagt, worauf seine Mutter Frigg allen Dingen den Eid abnimmt, fortan ihrem Sohn keinen Schaden mehr zuzufügen. Die Götter, erfreut darüber, dass ihr strahlender Held nun unverwundbar ist, versammeln sich darauf und beginnen, mit Waffen nach Balder zu werfen. Nur Loki missfällt dieses Spiel, und so begibt er sich in der Gestalt eines alten Weibes zum Palast der Frigg. Dort findet er heraus, dass die Göttin bei ihrem Anliegen, den Sohn zu schützen, vergessen hatte, die noch zu junge Mistel einen Eid schwören zu lassen. Darauf geht Loki zum Kampfplatz zurück, reißt eine Mistel heraus und flechtet aus ihr einen Speer. Während die Götter mit ihrem Spiel fortfahren, gesellt er sich zu dem im Hintergrund stehenden Hödur und fragt diesen, warum er denn nicht nach Baldur werfe. Jener antwortet, er hätte weder Waffe noch Augenlicht, um diesen zu treffen, worauf ihn Loki ermutigt und anbietet, ihm die Wurfhand führen zu wollen. So fliegt der aus Misteln geflochtene Speer aus Hödurs Hand und durchbohrt Balder, der darauf tot zu Boden fällt. Alle Anwesenden erstarren vor Entsetzen und allgemeines Wehklagen bricht aus. Da die Mordtat auf heiligem Boden geschehen ist, können sie aber zunächst nichts unternehmen.
Schließlich wird Hermod, ein weiterer Odinssohn, auf Sleipnir zur Hel ins Totenreich geschickt, um dort auf Friggs Geheiß Balders Rückkehr zu erflehen. Doch als alle Versuche scheitern, tritt schließlich ein weiterer Odinssohn mit Namen Vali auf den Plan, der den Mord rächt und Hödur erschlägt. In einer Sage des Schreibers Saxo, wird Balder von einem Mann Namens Hötherus mit dem Schwert erschlagen.
Da es mit der Tötungsart des Lichtgottes eine eigenartige Bewandtnis hat, wurden schon verschiedene Versuche unternommen, den Mythos zu deuten. Die gängigste ist das Drama als Allegorie auf die zur Sommerwende dahinsterbende Sonne, die ihren Zenit überschritten hat und nun langsam der wiederaufkommenden Dunkelheit und Kälte weichen muss, die durch Hödur verkörpert wird. Im goldenen Zeitalter jedoch, sollen Balder und Hödur von den Toten wieder auferstanden und gemeinsam mit ihren Brüdern Vali und Widar versöhnt im Himmelspalast Gimle die Herrschaft über die neue Welt antreten.
Sif ist eine der Asinnen und die Gemahlin des Donnergottes Thor, mit dem sie die zwei Kinder Thrud und Lorride hat. Sie lebt mit ihrem Mann in Thrudheim (Kraftheim) und wird wie die Göttermutter Frigg mit einem friedlichen und glücklichen Familienleben assoziiert. Ihre wundervolle Haarpracht hat ihr auch den Beinamen "schönhaarige Göttin" eingebracht. Ihr Haar soll so golden glänzen, wie das im Wind wogende Korn eines reifen Getreidefeldes im Spätsommer, weshalb eines der zahlreichen Kenningar für Gold auch "Sifjar haddr" (Sifs Haar) lautet. Der Name der Göttin wird ebenfalls mit "Sippe" umschrieben, die nach nordischem Sprachgebrauch für Blutsverwandtschaft und Verschwägerung stand. Als Schützer dieser Bande gilt Thor, der die geschlossenen Ehen mit dem Hammer weiht und dem hierdurch die als personifiziert gedachte Sippe zur Frau gegeben wird. Ein mythisches Bild malt uns Thor als den Herrn des Gewitters, welcher sich durch Blitz und Regen mit dem Gelb des Getreidefeldes vermählt und dieses zu voller Pracht reifen lässt. Die der Göttin geweihten Kornblumen, deren Blütenzeit von Mai bis September andauert, sind allerdings immer seltener anzutreffen, da sie durch chemische Unkrautbekämpfung am Zurückgehen sind.
In der Edda schneidet Loki der Göttin eines Tages aus Bosheit im Schlaf die schönen Haare ab. Als sie erwacht, ist das Entsetzen darüber groß, doch schon kurz darauf kehrt ihr Gatte Thor zurück, dessen Verdacht sogleich auf Loki fällt. Er ergreift den Bösewicht, schüttelt ihn fürchterlich und droht, ihm jeden Knochen einzeln zu zerschlagen, wenn dieser sein Werk nicht ungeschehen mache. Darauf eilt der zu Tode geängstigte Loki unverzüglich nach Swartalfheim, um dort Iwaldis Söhne aufzusuchen. Diese Zwerge sind große Meister der Schmiedekunst und schulden dem Feuergott noch einen Gefallen. Sie fertigen schließlich eine Haarpracht aus reinem Gold, so fein wie menschliches Haar, das die magische Gabe besitzt, seinem neuen Besitzer unverzüglich anzuwachsen.
Naturmythologisch wird Lokis Bosheit in diesem Lied als unberechenbares Feuer interpretiert, dessen Flammen während der sommerlichen Trockenheit in kürzester Zeit ein ganzes Getreidefeld vernichten können. Von der römischen Göttin Ceres, welche man für das pflanzliche Wachstum anrief, weiß man, dass man ihr zu Ehren die ersten Ähren als Weihegabe abschnitt (ähnlich dem letzten Bündel für den Wodan), damit das Getreide künftig umso voller und goldiger wachse. Von Sifs Haar lassen sich auch jene Märchen ableiten, bei denen es darum geht, Stroh zu Gold zu spinnen.
In den alten Volkssagen begegnen einem Sifs Aspekte in Namen wie Kornmutter, Rogenmuhe oder Frau Gode, Frau Freke usw. Allgemein gilt Sif als ein Aspekt der Erdgöttin, da ihr Name in der jüngeren Edda ebenfalls unter den verschiedenen Namen der Fjörgyn aufgezählt wird.
Gefion wird unter den jungfräulichen Asinnen aufgezählt, und es heißt, an ihrer Seite gehen all jene Frauen, die als Jungfrauen sterben. Die Sage malt sie gewöhnlich in der Tracht des fahrenden Volkes, wie sie fröhlich lachend eine Peitsche schwingt, mit der sie vier gewaltige Ochsen antreibt, die vor einen schweren Pflug gespannt sind. Über diese Göttin ist nur wenig bekannt, doch weisen einige Vermutungen darauf hin, dass sich hinter Gefion keine andere als Freyja selbst verbirgt, die an einer anderen Stelle mal den Namen "Gefn" führt. Jacob Grimm wies darauf hin, dass "gefn" mit "geofon", angelsächsisch: "geban" (Meer) zusammenhänge und auch Gefion hierher gehöre, es sich somit als um eine Art Seegöttin aus dem alten Geschlecht der Wanen handelte. Ebenso ist überliefert, dass im Namen der Göttin Eide abgelegt wurden.
In "Lokis Zankreden" wird die Gefion von Loki beschuldigt, ihre Schenkel um einen blonden Jüngling geschlungen zu haben, der sie zur Lust verlockt und ihr Schmuck dafür geboten hätte. Daraufhin erwidert Odin, wie dumm es von Loki sei, den Zorn von Gefion zu erregen, da sie, gleich ihm, um alle Weltgeschicke wisse. Eine Eigenschaft, welche sonst nur den Nornen und der Göttermutter Frigg ansteht, von der Gefion ebenfalls abgezweigt sein könnte. Der Verfasser der "Zankreden" führt sie allerdings als eigenständige Göttin auf, obwohl er sonst nichts weiter von ihr berichtet.
Die bekannteste Sage um die Gefion wird von einem Skalden Namens Bragi erzählt: Der an der Küste lebende König Gylfi herrscht über Schweden, als eines Tages ein fahrendes Weib an seinen Hof kommt. Aus Dankbarkeit für das genossene Vergnügen ihrer Künste, gesteht er der schönen Frau so viel Ackerland zu, wie vier Ochsen an einem Tage und einer Nacht umzupflügen vermögen. Die Frau aber ist vom Geschlecht der Asen und ruft ihre vier Söhne (?!) herbei, die sie fernab in Jötunheim mit einem Riesen gezeugt hat und verwandelt sie in vier kräftige Ochsen. Diese spannt sie vor den Pflug, der sich darauf so scharf und tief in die Erde gräbt, dass sich unter ihm der Boden teilt. Das von Festland abgetrennte Stück schleppen die Tiere gen Westen aufs offene Meer hinaus, bis sie schließlich, nach Ablauf der Frist, am Ende eines gewaltigen Sundes stehen bleibt. Hier festigt Gefion das Land und gab ihm den Namen Selund (Seeland). Der in der Früh erwachte König staunt nicht schlecht, als er mit großen Augen sehen muss, was sich zugetragen hat. Dort aber, wo das Land herausgerissen ward, entstand ein See, der jetzt in Schweden Log (der Mälarsee) genannt wird.
In der Ynglingasaga verbindet sich der Mythos von Gefions Landgewinnung mit der Einwanderung der Asen aus Sachsen über Dänemark nach Südschweden. Dort ist es Odin selbst, der die Göttin aussendet, um Land zu suchen. Später heißt es, dass Gefion dort in Selund ihren Wohnsitz nahm. Skjold, ein angeblicher Sohn Odins, der Ahnherr des dänischen Königsstammes der Skjoldungen, freite um sie, und sie wohnten zu Hleidra.
Eine andere Sichtweise sieht in dem besagten Mythos vom Landpflügen eine alte Erinnerung an eine furchtbare Sturmflut, die in früher Vorzeit von Norden hereinbrechend, Seeland von der skandinavischen Halbinsel losgerissen haben soll.
Widar ist ein Sohn Odins und der Riesin Grid und gehört mit seinem Halbbruder Vali und den beiden Thorsöhnen Modi und Magni zu jenen Göttern der nächsten Generation, welche die Ragnarök überleben. Widars Mutter Grid ist jene Riesin, bei der Thor auf der Fahrt zum Riesen Geirröd freundschaftlich einkehrt und dem Donnergott ihre eigenen magischen Waffen leiht, um gegen den starken Riesen bestehen zu können.
Snorri macht folgende Angaben über ihn: "Man nennt ihn auch den schweigsamen Asen und er ist fast so stark wie sein Halbbruder Thor. Er besitzt einen dicken Eisenschuh, zu dem das Leder allezeit zuvor gesammelt ist und zwar aus den Flicken, welche die Menschen vor den Zehen und an der Ferse aus ihren Schuhen schneiden, und darum soll ein jeder, der gewillt ist, den Asen zu Hilfe zu kommen, diese Flicken fortwerfen. In allen Gefahren setzen die Götter großes Vertrauen auf ihn."
Weiter wird die besonnene Schweigsamkeit Widars hervorgehoben und als sein Wohnsitz das wild wuchernde Waldland und die mit hohem Gras bewachsene Heide angegeben. In dem Lied von "Lokis Zankreden" sitzen die Götter zum Festgelage in Ägirs glänzender Meereshalle beisammen. Als Loki nun unerwünscht auftaucht, bittet Odin seinen Sohn, sich zu erheben, um dem Neuankömmling seinen Platz abzutreten. Ohne ein Wort des Widerspruchs kommt Widar dieser Aufforderung nach, bedient Loki mit einem Humpen Met und wird in Folge von dessen Schmähungen verschont, die sonst keinen der Anwesenden auslassen.
Als es schließlich zu den Ragnarök kommt und der Göttervater im Rachen des Fenrirwolfes enden muss, eilt Widar herbei und tritt mit seinem gewaltigen Eisenschuh dem Tier ins Maul. Dann fasst er den Oberkiefer des Wolfes und reißt ihm den Rachen entzwei, worauf dieser verendet. An anderer Stelle wird berichtet, dass er dem Tier zusätzlich sein Schwert ins Herz stößt. So wird Widar zum Rächer des Göttervaters.
Eir ist die Ärztin unter den Asen, was sie zu einer Heilerin und Göttin der Krankenpflege werden lässt. In frühen Zeiten war die Heilkunst vor allem den Priester(inne)n und Schaman(inn)en vorbehalten, die ihr Heilwissen direkt aus den Beobachtungen der Natur gewannen und sich dieses gelegentlich unter der Einnahme bewusstseinserweiternder Pflanzen erwarb. Da die Weitergabe und Erhaltung dieses Wissens lange Zeit vor allem den Frauen vorbehalten war, kann Eirs Ursprung mit großer Wahrscheinlichkeit bei den Wanen gesucht werden, die in ihrer Lebensweise der Natur aufs engste verbunden waren.
In der Edda wird Eir im Laufe einer Aufzählung von Jungfrauen genannt, deren Namen meist einsilbig lauten und die alle zu Füßen der Göttin Menglöd sitzen, die wiederum einem Aspekt der Göttermutter Frigg entspricht. So handelt es sich bei Eir um eine ihrer Dienerinnen, die über eine ihr zugeteilte Aufgabe gebietet. Eirs Wesen wird wie das der anderen Jungfrauen als freundlich, schützend und hilfreich umschrieben. Ihr Wohnsitz ist der Berg der Heilmittel und Heilpflanzen (Lyfiaberg), von dem es heißt, er sei von der Waberlohe und einem Lehmwall umgeben, außerdem wache am Fuße des Berges der Riese Fjölswinn – Hinweise auf die erschwerte Unzugänglichkeit dieses geheimen Ortes, der nur von eingeweihten betreten werden konnte. Dieser heilige Berg ist der Menglöd und ihren Dienerinnen geweiht, steht aber allen Kranken und Verletzten offen, die der Göttin ihr Vertrauen schenken. Jene, die ihn erklimmen, werden auf wundersame Weise wieder genesen, selbst wenn ihre Krankheit schon längere Zeit andauert.
Schon früh wurde den Heilkräften einer Jungfrau große Macht zugeschrieben, welche die Mädchen, die sich aufs Heilen spezialisierten, durch das Erlernen umfassender Arzneikunde oft noch zu vergrößern wussten. Bei vielen weisen Frauen des Altertums wurden Berge oder Heilfelsen als Behausung und Wohnorte aufgeführt. Dies deckt sich mit den Überlieferungen von Bergbauern, Hirten und Schäfern, die ihr Kräuterwissen meist in den einsamen Höhen der Gebirge erwarben.
Frösche und Kröten galten seit jeher als Sinnbild weiblicher Fruchtbarkeit und der Gebärmutter, so dass sich Hebammen und Hexen gerne ihres Anblicks erfreuten. In ihrer Nähe fanden sich oftmals Kräuter, die sich für weibliche Leiden und schwangere als nützlich erwiesen. Kröten leben vorzugsweise in der Nähe von Gewässern und abgelegenen Sümpfen, wo die weisen Frauen ungestört ihrer suchenden Tätigkeit nachgehen konnten. Aus diesen Gründen fanden geheimnisvolle und verbotene Feste oftmals an diesen Orten statt, damit sich die Teilnehmer auf ihren geheimen "Krötenpfaden" unverzüglich dem Zugriff ihrer Verfolger entziehen konnten. Die Geheimnisumwobene Heilkunst und Arzneikunde dieser Frauen musste nach christlicher Anschauung demnach direkt mit dem Teufel in Verbindung stehen. Einige Mönche, die gerne dieses Wissen der Kräuter- Frauen übernahmen, begannen hinter den Mauern ihrer Klöster selbst damit, Kräuter anzubauen. Meist jedoch wurden die Frauen zum Sündenbock für alle Unglücke und Krankheiten erklärt, die nur durch beschworene böse Geister unter Mensch und Vieh gekommen sein konnten. So ging mit den durch Irrsinn der kirchlichen Inquisition ermordeten Frauen ein Jahrtausende altes Heilwissen verloren, welches wir uns heute durch mühsames Erforschen erst wieder zurückgewinnen müssen.
Vali ist ein Sohn Odins und der Riesin Rind(a). Man sagt von ihm, er sei tapfer im Streit, kühn in Schlachten und ein vorzüglicher Schütze. Neben seinem Halbbruder Widar ist Vali der einzige Ase, der die Ragnarök überlebt, um mit diesem später gemeinsam im Himmelspalast Gimle die Herrschaft über das neue goldene Zeitalter anzutreten. Bedeutung erlangt der Göttersohn dadurch, dass er schon einen (!) Tag nach seiner Geburt die Verfolgung jenes Mannes aufnimmt, der zuvor seinen Halbbruder Balder tötete, um diesen nun zu rächen. Es heißt, er kämme nicht sein Haar noch wasche er die Hände, bis er den Mörder seines Bruders zur Strecke gebracht habe. Solcherlei Beschreibungen findet man ebenfalls bei den Berserkern, wonach Männer gelobten, solange ihre Haare nicht zu schneiden, bis sie eine besondere Tat vollbracht oder Pflicht erfüllt hatten. In Valis Fall ist dies die nach altem Recht zu vollziehende Blutrache für ein Familienmitglied.
Die Geschichte beginnt, als Odin die bereits seit langem verstorbene Völva Wala durch einen Beschwörungszauber aus ihrem Grab hervorzwingt, um von ihr die Zukunft zu erfragen. Darauf wird dem Göttervater der Tod seines geliebten Sohnes Balder prophezeit. Weiter erfährt Odin, dass dieser Mord lediglich durch einen anderen Sohn gerächt werden könne, den er zunächst noch mit der Riesin Rind zeugen müsse. Darauf macht sich der Göttervater auf die Suche nach der genannten Riesin. Da diese sich jedoch sämtlichen Annäherungsversuchen widersetzt, greift Odin schließlich zu einem Zauber, wodurch es ihm gelingt die Riesin zu schwängern.
Nach einer ausführlicheren Version des Schreibers Saxo erfährt Odin die zukünftigen Ereignisse von einem finnischen Wahrsager. Auch dort macht Odin sich auf, Rinda, die spröde Tochter eines Königs, zu umwerben. Als sie ihn abweist, verkleidet er sich der Reihe nach als Kriegsherr, als Goldschmied und schließlich als Kriegsheld. Als auch diese Bemühungen scheitern, schlüpft Odin in Frauenkleider und gibt sich als Heilkundige aus, wodurch es ihm schließlich gelingt, die durch Runenzauber gefügig Gemachte zu schwängern. Die Schändlichkeit über dieses Vorgehen zieht darauf Odins Verbannung nach sich, worauf der Bogengott Ullr dessen Platz einnimmt. In Saxos Bericht trägt Vali den Namen Bous und muss selbst fallen, nachdem er den Mörder seines Bruders erschlagen hat.
Lofn ist nach Freyja eine Göttin der Liebe und Eintracht und wird von Snorri als eine der Asinnen aufgeführt. Von ihr wird erzählt, dass sie unendlich gütig und milde sei und darum gerne die Wünsche und Anrufungen verzweifelter Menschen erhöre, über die sie verständnisvoll lächelnd ihre gesegneten Hände halte, um zu verhindern, dass keine fremde Macht sie wieder entzweie. Sie bekam einst von Frigg und Allvater Odin die besondere Erlaubnis, Zusammenkünfte zwischen Verliebten herbeizuführen, grade wenn diese Hindernisse durch verschiedene Stände oder andere Nöte im Wege ständen. Nach ihrem Namen heißt die Erlaubnis "Lof" und wir erfahren, dass sie von den Menschen oft gelobt wurde, wenn sich zuvor entzweite und verloren gegangene Partner wieder gefunden und versöhnt hatten.
Neben Lofn muss unweigerlich der Göttin Sif gedacht werden, einer weiteren Asin, von der es heißt, sie sei eifrig darum bemüht, die Menschenkinder zur Liebe und geschlechtlichen Lust zu entflammen oder deren Sinne darauf zu lenken (vergleichbar dem Liebespfeile verschießenden Amor in der Antike). Nach ihrem Namen wurde die Liebe auch "Sjofni" genannt, als jene sich zur Geschlechtsreife entfaltende Kraft, welche das Streben zweier Menschen nach Vereinigung herbeiführt.
In Snorris Auflistung der Asinnen leitete er Lofn und Sjöfn vermutlich aus den Kenningar ihrer mythischen Namen ab und folgerte daraus deren Tätigkeiten, die wohl ebenso gut als verkörperte Emanationen der Göttinnen Frigg und Freyja betrachtet werden können. Ansonsten tauchen Lofn und Sjöfn, neben einer kurzen Auflistung in den Merkversreihen der Thulur, in keinen weiteren Überlieferungen auf, und es ist recht unwahrscheinlich, dass jemals eine größere kultische Verehrung stattfand.
Snotra wird in der Edda als dreizehnte unter den Asinnen aufgezählt, wo sie als weise und von feinem Benimm geschildert wird. Hier erscheint sie im weißen Gewand einer jungfräulichen Priesterin, zurückgezogen vor der Welt hinter den dicken Mauern eines Schutz verheißenden Turmes. Ihre Hände umfassen eine weiße Lilie, Symbol der Reinheit und Keuschheit, jener Tugenden, welche sie sich verschrieben hat. Ein weißer Schwan, sehnsüchtiges Sinnbild der idealisierten Liebe, zieht einsam seine Bahnen in einem Teich unter ihrem Fenster.
Nach ihrem Namen sollen kluge Männer wie Frauen, denen die Mäßigkeit zu eigen ist, "snotr" gerufen werden. Neben der Tatsache, dass sie als eine der dienenden Jungfrauen der Göttin Frigg erscheint, ist nicht viel mehr über Snotra bekannt, die ihrer Genügsamkeit entsprechend, an keiner weiteren stelle von sich reden macht. Snorri, der als Verfasser der Prosaedda selbst nur über unvollständige Informationen verfügte, suchte die Eigenschaften jener unbedeutsameren Göttinnen wie Hlin, Syn, Saga, Vör oder War aus deren Namen abzuleiten. So dürfen die aufgezählten Göttinnen allenfalls als weibliche Schutzgottheiten gesehen werden, denen bestimmte Teilbereiche des häuslichen und privaten Lebens zugeordnet wurden, ähnlich der Verehrung, die lange Zeit dem Matronenkult zuteil wurden.
Snotras relativ junges Auftreten und Wesen ist offensichtlich schon durch die Etikette des höfischen Lebens geprägt, in welchem die aufkommenden christlichen Tugenden in zunehmendem Maße eine wichtigere Rolle spielten. Von den vier klassischen Kardinaltugenden: Tapferkeit, Gerechtigkeit, Klugheit und Mäßigkeit, werden ihr zumindest zwei zugeschrieben. Dass Jungfrauen gegenüber verheirateten Frauen eine überlegene macht zugesprochen wurde (und teilweise noch immer wird), findet sich in Glauben zahlreicher Völker. Die vielgepriesene und hochgehaltene Keuschheit der Kirche, die zum Sinnbild eines sittsamen und gottesfürchtigen Lebens wurde, findet ihre Wurzeln in uralten Tempelkulten, wo die Initiantinnen und künftigen Priesterinnen ihr leben und ihren Körper der großen Göttin weihten und, stellenweise als heilige Prostituierte zu deren ehrfürchtigen Vertreterinnen geworden, ihr Amt ausübten. Die traditionelle christliche Denkweise hingegen stützte sich vor allem auf die unbefleckte Empfängnis der Jungfrau Maria, die angeblich ohne "fleischliche Begierden" den heiligen Geist in sich empfangen hatte. Diese körperfeindliche Geisteshaltung stand der sinnlich betonteren Lebensweise des Heidentums stark ambivalent bis feindlich gegenüber. Verstärkt wurde das Idealbild des sittsamen und braven Burgfräuleins im späten Mittelalter durch das auftreten der fahrenden Minnesänger und Troubadoure, die mit ihrer schmachtenden Liebeslyrik die von der Welt weggesperrten Frauen noch bis ins Unerträgliche zu erhöhen wussten. So erzog man über Jahrhunderte hinweg junge Frauen zu gelangweilten Schoßhündchen, die sich ihrem zukünftigen, meist völlig unbekanntem Gatten, in Demut hinzugeben und unterzuordnen hatten.
Hangatyr, der gehängte Gott, ist ein Name Odins, den dieser durch sein Opfer an der Weltenesche Yggdrasill erhält. Neun Tage und Nächte lang hängt er freiwillig hungernd und durstend zwischen den Welten am windigen Weltenbaum, sich selbst geweiht. Nach Ablauf dieser Zeit offenbart sich ihm das Geheimnis der Runen. An Odins Seite baumelt der Speer Gungnir herab, den sich der Gott zuvor selbst in den Körper gestoßen hat. Die Wunde und das herausfließende Blut schwächen ihn einerseits, öffnen auf anderer Ebene aber seinen physischen und mentalen Leib, um ihn empfänglich zu machen für die Visionen aus der Quelle allen Seins. Mit einem Aufschrei stürzt er schließlich herab und nimmt ächzend die Runen auf. In der Edda erfolgt im Anschluss daran eine Aufzählung von Zaubersprüchen, die sich auf die zuvor erschauten Stäbe beziehen. Dieser Mythos ist neben der Sage von Mimirs Brunnen und der Gewinnung des Dichtermets Odrörir, Odins wichtigste Handlung zur Erlangung von Wissen und Weisheit.
Odins Hängeopfer ist ein Weg, wie ihn Schamanen, Initianten und eigenwillige Suchende seit Jahrtausenden begehen. Wie bei vielen Germanen Opferhandlungen als Ausdruck ihres tiefsten Glaubens. Je größer und wertvoller das hingegebene Opfer, desto wohlgewogener die Gottheit. Entsprachen die folgenden Ereignisse nicht den Erwartungen, galten die Gaben als minderwertig oder nicht angenommen. Des Göttervaters Hängeopfer erlangt somit in vielfacher Hinsicht Bedeutung, da es zum Einen von ihm selbst gewählt und inszeniert wird, zum Anderen, weil es zum Vorbild für die gängigste Odinsverehrung wurde. Das Darbringen von Weiheopfern durch Erhängen und Aufspießen mit einem Speer, ist durch verschiedentliche Berichte traditionell belegt. Dabei wurden vorwiegend Kriegsgefangene oder auch Sklaven geopfert, welche die jeweiligen Sieger in sogenannte "Fleischbäume" hängten und diese zu Ehren Odins mit dem Speer erstachen. Selbst von alten, gebrechlichen Leuten wird berichtet, dass man sie auf eigenen Wunsch mit den Speer tötete, auf dass Odin sie nach Walhall holen möge.
Odin, der auch den Namen "Hangi", "Hangagud" oder "Gälga Valdr" trägt, galt somit lange Zeit als Gott der Toten und Gehängten. Für das Aufhängen am Galgen wurde gerne das Kenning "reiten auf dem Rosse" verwendet, wodurch im Mythos die Weltenesche gleichzeitig zu Odins "Reittier" wurde. Die Alraune (Mandragora), eine knollenartige Pflanze, trug den Beinamen "Galgenmännlein", da sie dem Volksglauben nach unter Galgenbäumen an jener Stelle entstand, wo der letzte Samenerguss des Verurteilten auf den Boden getropft war. Die Pflanze, die manchmal Ähnlichkeit mit dem Körper eines Menschen hatte, galt als wertvolles Heilmittel, da ihr ein großer Teil der konzentrierten Lebenskräfte des Verurteilten zugesprochen wurden.
In einem heiligen Hain im schwedischen Uppsala, sollen im ersten Jahrtausend angeblich alle neun Jahre innerhalb von neun Tagen insgesamt zweiundsiebzig Tiere und Menschen den Göttern geopfert und aufgehängt worden sein.
Mimir ist ein alter weiser Riese, der unter den Wurzeln der Weltenesche Yggdrasil lebt. Er ist der Wächter und Hüter über einen Brunnen, dessen Wasser einem Erkenntnisse in die Geheimnisse des ewigen Seins beschert. Jeden Morgen nimmt der Riese aus einem Horn einen tiefen Schluck von dem Wasser, das direkt aus der Urquelle des Weltenbaumes fließt, weshalb manche Forscher schon die Vermutung äußerten, dass Mimirs Quell mit dem Brunnen der Urd, einer der drei Nornen, identisch ist.
Einst sucht Odin den Riesen auf, da ihm Kunde ereilt hat von dessen großer Weisheit. Als er diesen nun um einen Schluck aus der Quelle bittet, verlangt Mimir einen Gegenwert für das zu erhaltende Wissen. Darauf gibt der Gott eines seiner beiden Augen hin und tauscht damit einen Teil seiner äußeren Sichtweise gegen den Erhalt der inneren Sicht. Mit diesem Wissen ausgestattet, zieht Odin daraufhin wieder von dannen, während sein Auge von nun an als Pfand auf dem Grund der Quelle ruht.
Eine weitere Begebenheit berichtet von Mimir, wie dieser nach Beendigung des großen Krieges zwischen Asen und Wanen als Friedensgeisel ausgetauscht wird. Die Asen entsenden Mimir und Hönir zu den Wanen und erhalten von diesen dafür im Gegenzug Njörd und Freyr. Die Wanen sehen sich jedoch durch Hönirs Entscheidungsunfähigkeit betrogen und schlagen aus Rache Mimir den Kopf ab und senden ihn an die Asen zurück. Darauf salbt Odin des Riesen Haupt mit zauberkräftigen Kräutern ein und spricht magische Formeln darüber, so dass es fortan vor Verwesung geschützt und somit als weiser Ratgeber erhalten bleibt.
In einer Strophe der älteren Edda wird erzählt, wie auf einer Ratsversammlung Mimirs Kopf die Ehre zuteil wird, das Thing (Ratsversammlung) zu eröffnen: "So sprach Mimirs Haupt weise und wahr." Als schließlich die Ereignisse der bevorstehenden Ragnarök ihre dunklen Schatten vorauswerfen, heißt es in der Völuspa: "Odin murmelt mit Mimirs Haupt". Diese Methode der Befragung weist auf ein sehr altes Orakel aus Asien hin, bei dem der Schamane versucht, durch die rituelle Verwendung des Schädels seines Vorgängers, Kontakt zu den Ahnen und deren zu Lebzeiten erworbenem Wissen aufzunehmen. Die Geschichten und Mythen von abgetrennten, sprechenden Köpfen sind ein Hinweis auf die sich immer wieder regenerierenden und erneuernden Kräfte der Natur, die aufzuzeigen, dass nichts Wirkliches verloren geht.
Laut Snorri wurde bei gemeinschaftlichen Opfermahlen an die Götter, ein sogenannter "Minnitrank" (Andenken, Erinnerungstrunk) umhergereicht, mit dessen Genuss den Taten der Ahnen gedacht und gedankt wurde. Im Mittelalter entwickelte sich hieraus vermutlich der Minnetrank, der später gänzlich in der Liebeslyrik aufging.
Swafnir nennt sich der Göttervater, als er sich nach Jötunheim begibt, um dort einem Riesen den Ekstasemet Odrörir zu entwenden. Dieser Zaubermet war zuvor von zwei Zwergen gebraut worden und später in den Besitz des zaubermächtigen Riesen Suttung gelangt, der ihn von beiden Zwergen als Wergeld (Entschädigung) für seinen ermordeten Vater erzwang. Besorgt darüber, dass der mystischen Trunk auch ihm gestohlen werden könne, schüttet der Riese den Met in drei Gefäße und verbirgt diese tief im inneren eines Berges mit Namen Hnitbjörg (Stoßfelsen). Als Wächterin setzt er seine Tochter Gunnlöd daneben. Da die Grundsubstanz des Mets einst aus dem Speichel der Götter gewonnen ward, macht sich der Göttervater Odin, nachdem die Kunde über den Verbleib des Getränkes nach Asgard gelangt ist, sogleich auf den Weg, um diesen für die Göttergemeinschaft Zurückzugewinnen. Zunächst verkleidet sich Odin als einfacher Handlanger und nennt sich Bolverkr (Unheilwirker). Nachdem er neun riesische Feldarbeiter dazu gebracht hat, sich gegenseitig umzubringen, tritt er für einen Sommer in die Dienste des Riesen Baugi (der Krumme), der ein Bruder des Suttung ist. Als Lohn für seine neunfach zu leistende Arbeit bedingt sich Odin lediglich einen Schluck vom besagten Dichtermet aus, den Baugi ihm auch zugesteht.
Als das Jahr jedoch um und die Arbeit getan ist, verweigert Suttung seinem Bruder, den Met auch nur anzurühren. Stattdessen beschließt er, den Berg noch weiter zu verstärken. Während der Riese nun damit beschäftigt ist, gewaltige Felsbrocken vor den Eingang zu rollen, bohrt Odin mit einem Bohrer ein tiefes loch ins Gestein und nimmt die Gestalt einer Schlange an, wodurch es ihm gelingt, bis zu Suttungs Tochter vorzudringen. Dieser stellt er sich als Swafnir vor. Die vereinsamte Gunnlöd, hocherfreut über den seltenen Besuch, nimmt den stattlichen Recken freundlich auf. Nachdem Swafnir drei Nächte unbemerkt bei der Riesin gelegen hat, gewährt sie ihm, drei Schlucke vom Skaldenmet zu nehmen. Doch stattdessen leert der Göttervater alle drei Gefäße auf einen Zug, entflieht zur Spitze des Berges und verwandelt sich in einen Adler, um darauf mit dem geraubten Met gen Asgard zu fliegen. Als Suttung den Raub bemerkt, verwandelt er sich ebenfalls in einen riesigen Adler, und jagt dem Göttervater wütend hinterher, während die betrogene Gunnlöd traurig zurückbleibt. Schließlich gelangt Odin nach Asgard, wo er vom Himmel aus den Met in bereitstehende Kessel speit. Der Riese hingegen kann seinen raschen Flug nicht mehr abbremsen und stürzt mitten in die Festung der Götter hinein, wo er von diesen sofort erschlagen wird.
Odin als Gott der Inspiration und Dichtgunst gilt seitdem als Verwalter des Mets. Die verschütteten Tropfen, die bei seiner Flucht auf die Erde fielen, nennt man daher "Teil der Dichterlinge". Eine Umschreibung für das Finden der Muse, Poesie und Inspiration, welche jenen zugänglich wird, die auf die verlorenen Mettropfen stoßen.
Grimnir ist einer der vielen Decknamen, den Odin/ Wotan führt, wenn er auf Midgard, der Welt der Menschen, umherwandert. Der Göttervater, der Gestalt und aussehen nach Belieben zu wechseln vermag und in einem Augenblick in ferne Lande, in die Gestalt eines Menschen oder Tieres fährt, ist nicht nur Schamane, Skalde und Kriegerfürst, er gilt auch als unbestechlicher Prüfer, der erscheint, um seine Anhänger und Günstlinge auf ihre Standfestigkeit und Grundsätze hin zu erproben. Unbarmherzig ist er jenen gegenüber, die ihn zu hintergehen versuchen oder sich durch Dummheit, Feigheit, Geiz und Ignoranz sein Wohlbefinden verspielen.
Die Geschichte beginnt, als die Göttin Frigg vor ihrem Gatten Odin behauptet, dessen Günstling, König Geirröd, sei ein schmutziger Geizhals, der seine Gäste beleidige und quäle, wenn ihm deren zu viele kommen. Das sei arge Lüge, versetzt Odin daraufhin. Darüber gehen sie eine Wette ein und Odin begibt sich in Gestalt eines einfachen Wanderers unter dem Namen Grimnir an König Geirröds Hof, um diesen auf seine Gastfreundlichkeit hin zu prüfen. Zuvor aber schickt Frigg eine Botin zu Geirröd und lässt diesem die Nachricht überbringen, ein böser Zauberer werde ihn aufsuchen. Als Grimnir nun auftaucht, lässt der König ihn ergreifen und von seinen Wachen zwischen zwei Feuer setzen. Acht Tage und Nächte sitzt Grimnir darauf ohne jegliche Bewirtung grimmig schweigend da, während ihm Gerröd mit gezücktem Schwerte gegenübersitzt, um den Fremden so ein Geständnis über seine wahren Absichten abzubringen. Doch erst am neunten tage erhebt Grimnir die Stimme und gewährt dem argwöhnischen König durch seine Reden einen Einblick in die Welt der Götter. Geschickt lenkt der Allvater seine Worte so, das Geirröd ihn gegen Ende der Erzählung erkennen muss. Als der König darauf erschrocken aufspringt, um seinen Gast vom versengenden Feuer wegzuziehen, stolpert er jedoch über sein eigenes Schwert und stürzt sich zu Tode. Geirröds Sohn Agnar, der als einziger dem Gast einen Becher Met während dessen Folter reichte, herrscht von nun an und erlangt die Gunst des Gottes, die sich der Vater zuvor verspielt hat.
Zahlreich sind die Fabeln und Geschichten um den auf Erden wandernden Göttervater, der unter falschem Namen und allerlei Verkleidungen, in mannigfaltiger Weise zum Erprober und Verderber irdischer Könige und Helden wird. Als Reisender kehrt er in mancher Fürstenhalle ein und lohnt Gastfreundschaft mit dem reichen Schatz seiner Lebensweisheit, die er am Feuer in Form von Versreimen und Liedern zum besten gibt. Unter anderen Namen erscheint er auch niedrig gestellteren Menschen als Retter in der Not, die zuvor seine Hilfe erfleht haben. Diese Eigenschaften finden sich noch in der etwas abgewandelten Gestalt des Rübezahls, dem wilden schlesischen Berggeist, der für seine Strenge gefürchtet und für seine Gaben gepriesen wurde.
Gungnir, der Götterger, ist die Hauptwaffe des Allvaters. Er wurde einst von den Zwergen geschmiedet und gilt seitdem als Odins zentrales Machtsymbol. Von Gungnir heißt es, er halte nie im Stoße inne und verfehle niemals sein Ziel. Gungnir ist jener Ger, den Odin zu Beginn einer Schlacht mit dem Ruf: "Odin hat euch alle" über das Gegnerherr wirft, wodurch alle Feinde, über deren Köpfe er fliegt, dem Tode geweiht sind. Daraufhin erscheinen des Walvaters Töchter, die Walküren, um die Toten zu kiesen (auszuwählen), welche der Gott zuvor bestimmt hat. Auf ihren Himmelsrossen reiten sie über die Walstatt und schleudern ihre Speere auf die Erwählten. So lautet ein bekanntes Kenning für die Schlacht "Gewebe des Speers". Odin, der Führer der in der Schlacht gefallenen, wird damit zum Kriegsgott, der über Sieg und Niederlage entscheidet. Deshalb nennt man ihn Sigvadr (Siegvater) und Siggautr (Sieggott).
Da Odin sich selbst einst bei seinem Hängeopfer mit dem Speer verwundete, erachtete man den Speertod als Odins persönliches Blutopfer. Es gibt Hinweise darauf, dass mancherorts eine regelrechte Speerreligion existiert haben muss. Krieger fügten sich mit dem Speer selber blutige Wunden zu, um sich durch ihren geopferten Lebenssaft der Hilfe des Gottes zu versichern. Mit dieser Weihemarkierung galten sie fortan als Eigentum Odins, dem sie sich bedingungslos ergeben hatten. Fortan brauchten sie den Tod nicht länger zu fürchten, da sie danach in das phantastische Kriegerparadies Walhall aufstiegen.
Wenn Odin als Siegvater auftritt, erscheint er meist unwillkürlich und ist zumeist mit Hut und blauem Mantel ausgestattet. So in der Wölsungensage, wo er plötzlich mitten im Kampfgewimmel seinem Günstling Siegmund gegenübersteht. Dessen Schwert Gram (Sigurd/ Siegfrieds spätere Waffe) zersplittert an der Lanze des fremden und wendet so das Schlachtengeschick. Siegmund stirbt, worauf Odin ihn nach Walhall heimholt. In der Helgakvithsaga opfert ein Mann namens Dag dem Odin, um Rache für seinen Vater zu erlangen, darauf leiht Odin ihm seinen Speer. Im Walde trifft Dag auf seinen Gegner Helgi und durchbohrt ihn mit der Waffe, wodurch dieser zu Odins Sälen aufsteigt. Auch Richard Wagner griff den Speer als Schicksalswirkendes Symbol auf, der für Odins/ Wotans Herrscherkräfte stand und zerspringen musste, wenn alte Eide brachen.
Draupnir, der kostbare goldene Götterring, wurde von den beiden in der Schmiedekunst bewanderten Zwergen Sindri und Brokk gefertigt. Aufgrund einer Wette mit Loki erhält ihn der Göttervater als Geschenk. Die besondere Eigenschaft des Ringes ist das Abtropfen von acht ebenso schweren Ringen in jeder neunten Nacht, was Draupnir zum Inbegriff des sich aus sich selbst mehrenden Reichtums macht. Ob es sich bei dem zaubermächtigen Kleinod um einen Finger- oder Armring handelt, konnte bis heute allerdings nicht geklärt werden. Zwei weitere Qualitäten werden dem Ring nachgesagt. Zum Einen soll er als Wunschring fungieren, zum anderen soll er seinem Besitzer Unsichtbarkeit verleihen. In der Edda, aber auf auf Gotländischen Bildsteinen finden sich verschiedene Hinweise auf den Ring, der zuweilen auch schon mal seinen Besitzer wechselt. So lautet beispielsweise ein Kenning des Gottes Balder "Draupnir eigandi", seit ihm der Göttervater den Ring aufs Sterbebett legte.
Auch das ablegen von Ringeiden ist bei den Germanen nachweislich überliefert und zeigt, wie sich manche alte Traditionen bis in die Gegenwart erhalten haben. In erster Linie galt der Ring als Beweis für Eigentum und Zugehörigkeit. Ein Siegelring wurde zumeist weitervererbt und rechtfertigte so die Besitzansprüche seines Inhabers. Viellerorts werden Tiere nach wie vor beringt, um sie auf diese Weise zu kennzeichnen. Sklaven legte man Hals- oder Armreifen an, um sie an Ketten in Gewahrsam zu halten und sie als "unfreie" sofort erkennen zu können. Laut Tacitus wurden beim Volk der Chatten einzelne Männer mit eisernen Fingerringen versehen, um sie rituell an Odin zu binden, wenn sie sich in Berserker verwandelten.
Im Skirnirlied reitet Skirnir, der Freund und Bote des wanischen Gottes Freyr, für diesen auf Brautschau ins Riesenland. Neben einer Reihe anderer Dinge bietet er dort Draupnir der Riesentochter Gerda als Hochzeitsgeschenk an, falls diese dem Antrag seines Herrn zustimme. Allerdings lehnt das Mädchen mit der Begründung ab, selbst schon genug Gold zu besitzen.
An anderer Stelle wird berichtet, wie man die Leiche des Gottes Balder nach dessen Ermordung auf einen Holzstoß legt, den man auf dem Schiff Hringhorni errichtet. Bevor das Schiff angezündet und der See übergeben wird, übergibt Odin seinem toten Sohn den besagten Ring. Mit dieser Machtlegitimation ausgestattet, fährt Balder hinab zu Hel ins Totenreich, wo er seinem Rang entsprechend aufgenommen wird. Später wird Hermod, ein anderer Sohn Odins, damit beauftragt, in die Hel hinabzureiten, um dort um Balders Rückkehr zu verhandeln. Hermod trifft auf den Verstorbenen, der ihm daraufhin Draupnir für seinen Vater mitgibt, wodurch der Ring wieder zu Odin gelangt.
Auch in vielen Märchen und Geschichten sind die Erinnerungen an verwunschene Ringe bis heute bewahrt, wo sie gewöhnlich eine enge Verbindung zu den Kräften ihrer Schöpfer und/ oder der eigenen Seele besitzen.
Walküren (nordisch Valkyria) sind die "Wählerinnen der Toten" und werden allgemein als Odins Töchter und/ oder Helferinnen bezeichnet. Sie erfüllen des Göttervaters Wünsche, führen seine Befehle aus und entscheiden über Sieg und Niederlage von ganzen Kriegsheeren. Als Wohnsitz der Frauen wird Wingolf, die Halle der Freundschaft, angeführt. Das Wort "Valkyria" entstand im Norden und wurde später allgemein übernommen. Die Wal bzw. Walstatt bezeichnet das Schlachtfeld, manchmal auch die Anzahl der Gefallenen. Wenn die Kämpferinnen nach der Schlacht die "Wal kiesen", erküren sie die toten Helden, die sie alsdann nach Asgard ins Kriegerparadies Walhall (Totenhalle) geleiten. Dort, in der Halle der Gefallenen, begrüßt der Göttervater die toten Krieger als Einherjer (Einzelkämfer), um sie für den großen Endkampf, die Ragnarök um sich zu scharen.
Ursprünglich waren die Walküren gefürchtete Disen (auch Geister oder Feen), die als dunkle Totendämonen in blutigen Gewändern und von Raben begleitet auf dem Schlachtfeld umherstreiften, um sich am brutalen Gemetzel der Krieger zu erfreuen, von deren Blut sie sich Vampiren gleich ernährten. Im Laufe der Jahrhunderte wandelten sie sich jedoch zu jenen Schutzengeln, die einen beim Überschreiten der Todesschwelle in Empfang nehmen. Die blutige Walstatt wurde in der Vorstellung vieler Kämpfer zu einer Art Wettkampfarena, die somit ein angenehmes Leben nach dem Tod in Aussicht stellte. Dieses Walhall soll mit unzähligen Schilden und Speeren ausgestattet sein und 540 Tore besitzen, durch die am Weltenende je 800 Einherjar ziehen werden. Die Kämpfer trinken den nie versiegenden Met der Ziege Heidrun, der ihnen von den Walküren gereicht wird. Der Koch Andhrimnir sorgt durch seine magischen Kochkünste für das leibliche Wohl der Männer. Diese poetische Beschreibung der Kriegerhalle vermittelt ein farbenprächtiges Bild davon, wie sich die von ständigem Kampf dominierten Menschen ihr Paradies vorstellten.
In zahlreichen Sagen und Liedern wird von den Speer und Schild schwingenden Mädchen berichtet, die auf ihren fliegenden Rössern durch den Himmel reiten, um Schicksalsgewebe zu wirken. In dieser Funktion gleichen sie den Nornen, doch während diese meist sitzend das Schicksal weben, reiten die Walküren in den Krieg, dessen Ausgang nicht selten über das Schicksal ganzer Stämme und Völker entschied.
Im Lied von Wieland, dem Schmied (Wölundlied), tauchen drei Walküren als Schwanenmädchen auf. Beim baden entledigen sich die Jungfrauen ihrer Kleider aus Schwanenfedern, die sie zum fliegen benötigen. Einige Männer, die es nach ihnen gelüstet, rauben diese Gewänder, was zur Folge hat, dass die drei Mädchen sieben Jahre festsitzen und so ihren Aufgaben nicht nachgehen können, was später zu einem blutigen Ausgang der Geschichte führt. Die Männer versuchen, ihr eigenes Schicksal zu verändern, was aber letztlich scheitern muss. In der Sigurdsage ist es die Walküre Sigdrifa, die im Verlauf eines Liebesaktes den Helden Sigurd (Siegfried) in die Mysterien der Runen einweiht.
Wuotans wilde Jagd beschreibt den nächtlichen Jäger, der an der Spitze seines dämonischen Heeres in stürmischen Nächten durch die Lüfte galoppiert. Dieses Geisterheer besteht aus wilden Tieren, vornehmlich schwarzen Hunden oder Wölfen. Ihre Beute ist gewöhnlich der Hirsch oder der Eber, welcher die Fruchtbarkeit der Erde versinnbildlicht, die nun den lebensverneinenden, dunklen Kräften weichen muss.
Vielerorts war es üblich, nach der Ernte ein Ehrenbüschel für den Gott und sein Pferd stehen zu lassen. Durch diese Korngabe wurde seine Gunst und Fruchtbarkeit für das kommende Jahr erbeten. Es heißt, wer nichts stehen ließ, über dessen Felder ging der gespenstige Kornverderber. Auch Wuotans Pferd, der "Waudlgaul" (Sleipnir), trug den Keim des Lebens mit sich. Es stürmte Windgleich durch die Wolken und verteilte die Samen und Pollen der Pflanzen und Bäume über das ganze Land. Am Wodenstag (Mittwoch) sollte man keinen Lein jäten, damit des Gottes Pferd den Samen nicht zertrete.
In den vielerorts entstandenen Sagen über die wilde Jagd verbinden sich mehrere Vorstellungen. In erster Linie die Angst vor den vernichtenden Kräften der Natur, die vor allem in der dunklen Jahreszeit in Form heftiger Unwetter losbrechen und dadurch die Seelen der Toten und Verdammten zu entfesseln wissen, deren Stimmen während der heulenden Winterstürme "deutlich zu vernehmen waren". Hinzu kamen das reale gewalttätige Vorgehen kriegerischen Männerbünde, die durch ihre Rüge- und Starfaktionen, Angst und Schrecken verbreiteten. Was ihnen auf ihren nächtlichen Streifzügen begegnete (Ackergerät, Wägen usw.), wurde zerstört oder sturmartig mitgerissen und fand sich am nächsten Tag in den luftigen Höhen von Baumkronen oder auf Dächern wieder.
Wenn Wuotans wütendes Heer oder er selbst auftauchten, geschah es fast immer, das kurz darauf größere Ereignisse, wie zum Beispiel eine Schlacht eintraten. In einer Geschichte wird von einem Schmied berichtet, der des Nachts von einem Reiter aufgesucht wurde, welcher ihn bat, sein Pferd zu beschlagen. Der Schmied, ein einfacher Mann, staunte nicht schlecht, als sich sein Auftraggeber nach getaner Arbeit zu erkennen gab, indem er sich mit einem Satz in die Lüfte erhob.
Es gibt noch einige bekannte Wodansberge in Deutschland, die zum Einen als Kultstätte, zum Anderen als unterirdischer Wohnsitz für das gespenstige Geisterheer gedient haben sollen. Der alte Volksmund besagt, dass in diese Bergen die Seelen einstiger Heere darauf warten, bis sie von ihrem Herren (dem Alten vom Berg) gerufen werden, um mit ihm gemeinsam in die letzte große Schlacht, den Ragnarök zu ziehen. Die Volkssage bewahrte das Bild der wilden Jagd in so bekannten Sagen und Erzählungen wie dem ewigen Jäger vom Winendael, der Sage vom verfluchten Jäger Hackelberg, dem Schimmelreiter oder dem schweizerischen Dürstengejeg.
Oski ist einer der zahlreichen Namen, die den Göttervater in vielen Aspekten beschreibt. "Osk" bezeichnet den "Wunsch" und weist Odin als den "Erfüller der Wünsche" aus, der hier in seinem ausnehmend freundlichen Aspekt als Spender von Segen und Fruchtbarkeit auftritt. Jacob Grimm war der Ansicht, dass sich hierin die Überreste altheidnischen Glaubens wieder finden, den die Skalden damaliger Zeit als den "reinen Wunsch" personifizierten, um ihn als ein freundliches aber auch gewaltiges Wesen darzustellen. Die Kirche ersetzte Oski später durch die Gestalt des heiligen St. Nikolaus, dessen Fest bis heute am 6. Dezember begangen wird. In Holland tritt diese Überlagerung noch am auffälligsten zu Tage. Dort reitet Santa Claus mit Stab, Hut und Mantel bekleidet auf seinem Schimmel einher. Begleitet wird er von zwei Dienern, zwei Mohren, die ihm helfen, die Geschenke für die Kinder in den Kamin zu werfen. Odin/ Wotan auf seinem Götterpferd Sleipnir durch die Lüfte stürmend, flankiert von seinen beiden Raben Hugin und Munin, ausgestattet mit Speer, Mantel und Schlapphut machen offensichtlich, wer hier als Vorbild diente.
Odins Speer Gungnir, der sich als Oski, je nach Anlass, zum Stab oder zur Rute wandelt, ist ein weiteres wichtiges Symbol. Das Frisch- und Gesundschlagen mit der Lebensrute, die zumeist aus Haselstrauchzweigen oder Birkenreisern bestand, galt als besonders heilkräftig, da hierdurch die verdrießlichen und "bös zwackenden" Geister der dunklen Jahreszeit verjagt werden sollten. Das Christentum wandelte den einstigen Brauch jedoch vielerorts zur Strafaktion für ungehorsame Sünder um. Schon früh wird diese zaubermächtige Rute/ Stab erwähnt, durch deren Anschlagen nicht nur Gesundheit, sondern auch Reichtümer und Vollkommenheit auf einen übergehen sollten. Heute finden wir Überreste dieses Glaubens in der Bezeichnung der "Wünschelrute".
Odins Ring Draupnir besitz durch seine Eigenschaft des Vermehrens ebenso die Qualitäten eines Wunschringes, der ihm ewigen Reichtum sichert. Weiter ist der Name "Oskmaeyar" eine Bezeichnung für die Walküren, die als sogenannte "Wunschmädchen" die gefallenen Helden ins Kriegerparadies Walhall geleiten.
In der Edda taucht der Name Oski im Grimnirlied und ebenso in der Thulur, einer Aufzählung verschiedener Namen und Begebenheiten, auf. Vor allem im Volksglauben lassen sich bis heute eine ganze Reihe von Hinweisen auf Odin/ Wotan in seinem Aspekt als Oski finden, der in der Zeit vor der Wintersonnenwende zu den Menschen hinabsteigt, um den Brauch des gegenseitigen Beschenkens zu pflegen, da ein solcher Austausch starke Bande innerhalb der Gemeinschaft sichert. Das gemeinsame Zusammenkommen unterm Weihnachtsbaum zu Ehren der Geburt Christi, wurde gleichfalls auf das heidnische Julfest gelegt. Der immergrüne Tannenbaum, Symbol des ewigen Lebensbaumes Yggdrasill wird beschmückt und erleuchtet und erinnert so bis heute an eines der ältesten Rituale der Welt, in dem die Menschen das erhaltene Lichtgeschenk der Götter feiern, das ab diesem Tag wieder voller wird.
Gullweig, die Goldreiche, lautet der Name einer mächtigen Zauberin und Seherin, deren Auftauchen in der Völuspa schon zu vielen Spekulationen führte. Ganze zwei Versreime liegen über Gullweig vor, dennoch geben diese einigen Aufschluss über ihr Wesen. Im Mythos erscheint die Göttin bei den Asen und erweckt durch ihr "goldreiches" Auftreten deren Neid und Gier nach dem glänzenden Metall. Da sie wähnen, dieses nur durch den Tod der vermeintlichen Zauberin bekommen zu können, stoßen sie Gullweig mit ihren Speeren und versuchen dreimal, sie zu verbrennen, was aber jedes mal misslingt. All das geschieht in Odins Halle und es stellt sich heraus, dass als Folge dieser tat der erste Krieg zwischen Asen und Wanen in die Welt kommt. Odin, der hier als Heervater betitelt wird, kann deutlich als Aggressor identifiziert werden, da er kurz darauf seinen Speer Gungnir über das feindliche Heer schleudert, welches die ruchlose tat an ihrer schönen Priesterin zu rächen gewillt ist. Beide Völker richten untereinander großen Schaden an und man handelt schließlich einen Vertrag aus, bei dem Friedensgeiseln getauscht werden. Die Wanen schicken Njörd und seinen Sohn Freyr, während die Asen Hönir und den Riesen Mimir senden. Die Wanen halten dies aber für einen schlechten Handel und es kommt erneut zum Kampf, infolgedessen die Burg der Asen komplett zerstört wird. Ein zweiter Vertrag bringt den weisen Menschen Kwasir hervor und fortan herrscht Friede.
In Gullweig wird heute allgemein die Liebesgöttin Freyja vermutet, die von den Asen zunächst misshandelt. Erst später, nachdem Friede herrscht, sind die Götter bereit, Kult und Wissen der Wanen anzuerkennen und teilweise in ihre eigene, neue Weltordnung zu integrieren. Weiter ist zu erfahren, dass Gullweig in der Gestalt von "Heidh" zu Odins magischer Gefährtin wird, indem sie ihn in die Geheimnisse des Seidr einführt. Seidr ist eine schamanische Hexenkunst, die auch Teile von Sexualmagie beinhaltet, wo mit speziellen Praktiken altes Wissen von den Meister/ innen auf ihre Initianten weitergegeben wird. Diese Form von weiblicher Macht, mit all ihren dunklen und geheimnisvollen Kräften, war möglicherweise der ausschlaggebende Grund dafür, dass die Asen die Göttin zunächst als Bedrohung erachteten und ihren Tod beschlossen. Das vollständige Vernichten einer angeblichen Hexe durch Feuer erhielt sich bekanntlich bis in die jüngere Vergangenheit.
Wala lautet der Name einer alten Völva, die von Odin nach der Zukunft befragt wird. Auffallend dabei ist, dass die Seherin bereits Tot ist und nun, durch einen Totenzauber des Göttervaters erweckt, aus ihrem Grab hervorkommt. Wort um Wort muss Odin der widerwilligen Seherin ihr Zukunftswissen entreißen. Was er erfährt, gereicht ihm jedoch nicht zu Freude, da Wala ihm seine eigenen Befürchtungen über den bevorstehenden Tod seines geliebten Sohnes Balder und den darauf folgenden Weltuntergang durch die Ragnarök prophezeit.
Zahlreich sind die Erzählungen um Odin, der rastlos durch die Welten streift, stets davon getrieben, sich immer neues Wissen anzueignen. In der Erzählung von "Balders Träumen" berufen die Götter eine Versammlung ein, da Balder von dunklen Vorahnungen über sein bevorstehendes Ende geplagt wird. Während seine Mutter Frigg auf ihre Weise handelt, sattelt der Göttervater sein Pferd Sleipnir und reitet ins Totenreich Hel hinab. Am östlichen Eingang weiß er das Grab einer Völva. Er singt einen Leichenzauber, der die tote Seherin aus der Erde hervorzwingt, Daraufhin beantwortet sie unwillig die gestellten Fragen, erkennt Odin aber gegen Ende des Liedes, der sich ihr zuvor unter dem Namen Wegtam (der Weggewohnte) vorstellte. Sie fordert ihn auf, Heimzureiten und sie bis zum Weltenende ruhen zu lassen. Dann zieht sie sich wieder in die kalte Starre ihres Gräberdaseins zurück.
Die Erweckung der Wala schließt sich stilistisch an die Erzählung der Völuspa an, in der eine alte Seherin die wichtigsten Ereignisse und Namen des Weltgeschehens wiedergibt. Während dieses visionären Monologs erfährt der Zuhörer, dass diese ihr Wissen auf Odins Geheiß mitteilt, der ihr dafür Schmuck zukommen ließ. In dem Lied "Grogaldr" (Groas Erweckung) ist es der Held Swipdag, der seine tote Mutter erweckt und sie auffordert, ihm ein heilkräftiges Lied zu singen, um ihm Rat für bevorstehende Ereignisse mitzugeben.
Der Volksglaube, dass grade die Toten über zukünftige Dinge Bescheid wissen, war früher weit verbreitet und hat sich zum Teil bis heute erhalten. Die Völvas oder Volvas, die als mediale Vermittlerinnen zum Reich der Toten galten, wurden auch Seherinnen und Stabträgerinnen genannt (Volr= Stab), da sie stets einen Stab mit sich führten und die Kunst des "Stäbe Werfens" (Runenorakel) beherrschten. "Volva" hingegen bezeichnete die Gebärmutter einer Sau, aus deren Innereien man gerne die Zukunft las. Den Überlieferungen nach spielten die Seherinnen innerhalb der germanischen Gesellschaft eine gewichtige Rolle. Ihre Prophezeiungen und Ratschläge hatten selbst in der Politik großen Einfluss, da sie auf gewisse Weise die Absichten der Götter voraussahen.
In der grönländischen "Eiriksaga", die etwa im 10. Jh. Entstand, wird der Auftritt und die Befragung einer umherziehenden Völva sehr detailliert beschrieben. Nachdem eine ansässige Frau durch ihren Gesang (vardlokkur) die Geister herbeiruft, verfällt die geladene Völva in Trance und gibt den Anwesenden Einblicke in die Zukunft. Eine Art Zaubergerüst (Zauberstuhl) spielte vor allem bei der Totenbeschwörung eine Rolle. Tote wurden darauf aufgebahrt oder die Seherin selbst saß in dieser erhöhten Position, um darauf ihre Weissagungen zu treffen, während andere Frauen gelegentlich einen Schutzkreis um sie bildeten. Daher mag auch der spätere Name "hagazussa" bzw. "tunridur" (Zaunreiterin) entstanden sein, der die Frauen als auf einem Gerüst oder einer Hecke reitend schilderte, von wo aus sie "zwischen die Welten" blickten. Die ausgeübte Magie der Völvas umfasste Zaubereien aller Art, vom Segens-, Schad-, Liebes-, bis hin zum Totenzauber.
Sindri (Funkensprüher) und Brokk (Schmied) sind zwei Zwergenbrüder, die wegen ihrer einzigartigen Kunstfertigkeit große Berühmtheit erlangen. In der Edda machen die beiden Brüder dadurch von sich reden, dass sie drei wunderbare Gegenstände erschaffen. Sie gehören zu den wenigen, die sich von dem hinterlistigen Loki nicht hereinlegen lassen.
Als Loki der Göttin Sif das Haar abgeschnitten hat, fällt er kurz darauf ihrem wütenden Gatten Thor in die Hände. Um von diesem nicht erschlagen zu werden, erklärt sich der Bösewicht bereit, unverzüglich nach Swartalfheim zu reisen, um dort von Iwaldis Söhnen, einer Schar Zwerge, die ihm noch etwas schuldet, Ersatz für Sifs eingebüsstes Haar zu beschaffen. Daraufhin fertigten die Alben für die entstellte Göttin feinstes Goldhaar an, des Weiteren das Faltschiff Skidblatnir für Freyr, sowie den Speer Gungnir für Odin. Loki, nun bester Laune, prahlt daraufhin vor Sindri und Brokk über die Unübertrefflichkeit seiner erstandenen Schätze. Die gekränkten Brüder schlagen ihm nun eine Wette vor, dass es ihnen gelänge, drei ebenso wunderbare Kunstgegenstände anzufertigen, welche die seinen sogar noch übertreffen würden. Wenn sie dieses fertig brächten, würde Loki jedoch mit seinem Kopf dafür bezahlen müssen. Selbstsicher geht Loki auf die Wette ein, und die beiden Zwerge machen sich sogleich an die Arbeit. Loki zieht sich indessen unbemerkt in eine Ecke der Schmiede zurück und verwandelt sich in eine Pferdebremse. Mit seinem Stachel malträtiert er den am Blasebalg arbeitenden Brokk so sehr, dass dieser die zu erstellenden Arbeiten beinahe verderben lässt. Doch trotz dieser Ablenkungen entstehen in der Esse der goldene Eber Gullinbursti für Freyr, der goldene Ring Draupnir für Odin, der die Eigenschaft besitzt, dass in jeder neunten Nacht acht gleiche Ringe von ihm abtropfen, und zuletzt der mächtige Hammer Mjölnir, der Thor erhält, dessen Stiel durch Lokis Verschulden allerdings etwas zu kurz gerät. Nach der Fertigstellung dieser Schätze machen sich Loki und Brokk auf den Weg nach Asgard, wo Odin, Thor und Freyr entscheiden sollen, wer nun die Wette gewonnen habe. Diese bestimmten schließlich Sindri und Brokk zum Sieger, da der Hammer fortan die wertvollste Waffe im Kampf gegen die Riesen darstellt. Loki soll daraufhin sein Wort einlösen, versteht es aber, sich durch eine Reihe von Ausflüchten seiner Enthauptung zu entziehen. Am Ende näht der gekränkte Brokk dem Lästermaul schließlich den Mund mit einem Faden zu.
Die Sagen über Zwerge fanden ihre Entstehung meist in Gebirgsgegenden, wo die Menschen von Bergbau oder der Bewirtschaftung der Almen lebten. Zwerge galten als Symbolträger geheimer Kräfte, wundersamer Kunstfertigkeit und der Kenntnis verborgener Schätze. Im Allgemeinen Volksglauben wird ihr Wesen gerne mit Hinterlist, Gerissenheit und Habgier, aber auch mit Fleiß und Geschick in Zusammenhang gebracht, das einem hilfreich zur Seite steht, wenn man sich ihnen gegenüber mildtätig zeigt. Für menschliches Empfinden sind sie zumeist missgestaltet, großköpfig, bärtig, und ihr Gesicht ist von unzähligen Runzeln übersät. Nach alten Überlieferungen haben sie die Größe eines drei- bis vierjährigen Kindes und erhielten darum oft den Namen Wichtelmännchen oder Däumlinge. Einige von ihnen sollen Kapuzen oder Tarnkappen besessen haben, die sie unsichtbar machten.
Skirnir ist der vertraute Freund und Diener des wanischen Fruchtbarkeitsgottes Freyr, die einander schon aus Kindheitstagen kennen. Als zuverlässiger Vasall wird Skirnir von den Göttern mit Aufträgen und Botschaften in andere Welten geschickt. So sendet ihn Odin bspw. Nach Swartalfheim, um dort von den Zwergen die magische Kette Gleipnir anfertigen zu lassen, die endlich den furchtbaren Fenrirwolf zu fesseln vermag. Besondere Bedeutung aber erlangt Skirnir in dem nach ihm benannten "Skirnismal" (das Lied von Skirnirs Ritt).
Als Freyr von Odins Hochsitz aus die schöne Riesentochter Gerda erblickt, ist er für diese fortan in leidenschaftlicher Liebe entflammt. In seinem Liebeskummer vergisst er darauf, all seinen Pflichten als Naturgottheit nachzukommen, worauf die besorgten Götter Skirnir bitten, seinem Herrn und Freund aufzusuchen, um den Grund für dessen Kummer und Nachlässigkeit zu erfahren. Nach drängendem Appellieren an ihre lange bestehende Freundschaft, gesteht ihm Freyr seine hoffnungslose Liebe zu Gerda ein, die dem feindlich gesinnten Riesengeschlecht angehört. So erbittet sich Skirnir nach Riesenheim zu reiten, um dort für Freyr zu werben. Ausgestattet mit Ross und Schwert seines Herren, einem geheimnisvollen Zauberzweig und Geschenken für die zukünftige Braut, gelangt er schließlich bis zu Gymirs Gehöft, dem Vater der Gerda. Dort trifft er zunächst auf einen riesischen Wächter, den Bruder von Gerda, der ihm den Durchgang versperrt und ihn von bissigen Hunden bedrohen lässt. Doch Skirnir überwindet alle Hindernisse und springt mit lautem Getöse über den Gatterzaun von Gymirs Gehöft. Als die neugierig gewordenen Gerda erscheint, beginnt Skirnir seine Werbung vorzutragen. Zunächst bietet er elf goldene Äpfel aus Idunas Garten an, dann den Ring Draupnir, was die Riesin jedoch beides ablehnt. Darauf beginnt der mutige Recke sie mit dem Schwert zu bedrohen und stößt eine ganze Reihe von Flüchen und Beschimpfungen aus, welche ihr widerfahren würden, wenn sie es wagen sollte, den Antrag abzulehnen. Endlich gibt die Umworbene nach, verlangt aber im Gegenzug Freyrs Schwert für ihre Sippe.
In diesem Lied finden sich sehr alte mythische Motive, welche die Schwierigkeiten der aufkeimenden Naturkräfte versinnbildlichen, denen sich die lebensfeindlichen Elemente entgegenstemmen. Skirnir, den man auch als den "ersten Sonnenstrahl" bezeichnet, bahnt sich unaufhaltsam seinen Weg, um die "Tochter der noch Hartgefrorenen Erde" aus der Gewalt der grimmigen Riesen auszulösen. Manche Forscher vertreten die Meinung, Skirnir sei lediglich eine Emanation des Fruchtbarkeitsgottes selbst. Lange Zeit bestand der Brauch, dass Boten mit der Brautwerbung für ihre einflussreichen Herren beauftragt wurden und hierdurch als Vermittler auftraten, welche die Bedingungen für eine mögliche Heirat aushandelten. Dass der Brautwerber ein Verwandter, Freund oder enger Vertrauter war, lag nahe, da dieser die Interessen der Sippe oder Familie am besten kannte.
Berserker, die Bärenfellträger, sind Krieger, die sich im Kampf durch besondere Wildheit und Tapferkeit auszeichnen. Diese suchen sie zu erlangen, indem sie sich die Felle getöteter Tiere überwerfen, um so eine Verbindung mit dem Tiergeist herzustellen, dessen Instinkte und Kräfte hierdurch auf sie übergehen sollen. Damit einher geht oftmals die Einnahme berauschender Pflanzen, die man zerkaut oder in Form von Kräutersuden zu sich nimmt. Die Berserker gelten als Krieger Odins, ihm weihen sie ihr Leben, denn er ist der Kriegs- und Totengott, gleichzeitig der Beherrscher kultischer Ekstase. Wenn sie ihr Leben im Kampf verlieren, fahren sie zu ihm nach Walhall. Durch die Einnahme der psilocybinen Pflanzen, die sie in eine Art "überwachte Trance" versetzen, geraten sie in eine Form der Kampfeswut, die auch als heilige Raserei bezeichnet wird. Dabei verfallen sie zumeist in eine Art Blutrausch, der zugleich mit einer hohen Schmerzunempfindlichkeit einhergeht. Wird der Krieger später durch einen Goden (Priester/ Druide) aus seiner Besessenheit zurückgeholt, fällt er häufig in einen tagelangen Schlaf, um seine Kräfte zu regenerieren.
Es ist unumstritten, dass die Bärenhäuter ebenso wie ihre "Kollegen", die Ulfhednar (Wolfshäuter), im Krieg ihren Stämmen wertvolle Dienste leisteten, in Friedenszeiten aber wusste niemand so recht, etwas mit ihnen anzufangen. Die Kämpfer legten sich dann auf ihre sprichwörtlich faule Bärenhaut und verprassten das Hab und Gut ihrer Stammesgenossen. Da sie kein Interesse an Haus und Hof besaßen, war es oft unmöglich, sie in die normale Sippengemeinschaft einzugliedern. Manche Männer verwilderten derart, dass man sie verstieß oder sie das Dorf freiwillig verließen, um fortan ganz in der Wildnis zu leben. Von den Chatten ( einem Stamm, der im heutigen Hessen siedelte) ist überliefert, dass die jungen Männer mit dem Eintritt ins Erwachsenenalter ihre Kopf- und Barthaare solange wachsen lassen mussten, bis sie im Kampf ihren ersten Feind getötet hatten. In dem Märchen vom Bärenhäuter finden sich noch einige Hinweise auf diesen sogenannten "Berserkergang", der an einen langjährigen Einweihungsweg zum Krieger erinnert. In Heldensagen tauchen Berserker meist zu zweit oder zu zwölft auf und fungieren gerne als Leibwache eines Fürsten.
Der römische Geschichtsschreiber Tacitus berichtet zur Zeit der Feldzüge Cäsars, dass viele römische Soldaten der Mut verließ, als sie den Germanen die ersten Male in der Schlacht gegenüberstanden. Der ohrenbetäubende Kriegslärm, bestehend aus wilden Gesängen, Hörnern, Trompeten und lautem Schlachtengebrüll, wurde durch das Schlagen der Schwerter und Speere auf die Schilde noch gesteigert. Doch was die Legionäre in totale Panik versetzte, waren die wilden, dreckverkrusteten Hünen, die in Todesverachtender Kampfeswut ihrem Heer vorausstürmten und laut brüllend alles niedermetzelten, was sich ihnen entgegenstellte. Dabei bissen sie in ihre Schilde und ließen sich weder von Pfeilen, Schwerthieben noch Feuer aufhalten. Mit unzähligen Wunden übersät kämpften sie weiter, angeblich ohne an Kraft und Wildheit nachzulassen.
Andhrimnir (der dem Ruß ausgesetzte) tut seinen Dienst in Asgard. Dort, in der Kriegerhalle Walhall, ist er zuständig für die Verpflegung der Einherjer (Einzelkämpfer), jene im Kampf gefallenen Helden, welche Odins und Freyjas Heerscharen bilden, die in den Ragnarök gemeinsam mit den Göttern in die Endschlacht ziehen. Ihre Zahl soll endlos sein, und wann immer auf Midgard kämpfe stattfinden und Helden ihr Leben lassen müssen, werden sie in Walhall schon erwartet. Um eine derartige Anzahl von hungrigen Männern satt zu kriegen, bedarf es einer besonderen Art der Kochkunst. Der Küchenmeister löst dieses Problem, indem er den Eber Saehhrimnir (der Rußschwarze) in dem Kessel Eidhrimnir (der durch Feuer berußte) zubereitet, dessen Fleisch so lange nicht ausgeht, bis alle Kämpfer satt sind. Am darauf folgenden Tag setzt sich der Eber wieder erneut zusammen und das bizarre Ritual beginnt von neuem.
Diese Form der Tierhaften Wiederbelebung findet sich ebenfalls in einer Sage von Thor, der am Abend seine beiden Böcke schlachtet, um sie am nächsten Tag mit Hilfe seines Hammers wieder zusammenzusetzen und so zu neuem Leben erweckt. Wie der Koch Andhrimnir dieses Kunststück fertig bringt, verschweigt der Dichter dieser Verse, doch dürfte derartige Zauberei an einem Ort, an dem lebende Tote und Götter gemeinsam zum Gelage sitzen, nicht weiter verwundern. Zum gesottenen Fleisch des Ebers kommt der honigsüße Met aus den Eutern der Ziege Heidrun, der den kampfmüden Kämpen von den für die Bewirtung zuständigen Walküren gereicht wird. Der Name der Ziege lautet übersetzt etwa: "die ein herrliches Geheimnis besitzt". Da sich das Tier von den Blättern des Götterbaumes Laerad (Yggdrasill) ernährt, fermentiert sie sozusagen dessen Blattwerk und liefert so den nie versiegenden Lebenstrunk. In einer Zeit, wo Nahrungsknappheit und schlechte Ernten zum harten Alltagsgeschehen gehörten, spiegeln Snorris Ausschmückungen auf gelungene Weise wieder, wie Kämpfer und Dichter sich das Götter- und Kriegerparadies einst ausmalten.
Der mit einer unversiegbaren Nahrungsmittelfülle ausgestattete Kessel gilt in vielen Kulturen als Symbol von Wohlstand und Sorgenfreier Glückseeligkeit. Am deutlichsten finden sich derartige Schilderungen im berühmten Schlaraffenland, wo einem die gebratenen Hähnchen in den Mund fliegen und Flüsse aus honigsüßem Wein bestehen.
Odrörir ist der bekannte Dichter- oder Zaubermet, dessen Genuss Inspiration und die Kraft der Sprachekstase hervorsprießen lassen. Seine Entstehung wird in der Snorri- Edda überliefert, wo der Meerriese Ägir als Gast bei den Asen weilt. Angeregt unterhält dieser sich mit Bragi, dem Dichtergott, von dem er gerne erfahren möchte, wie die Götter zu ihrer Poesie und Dichtkunst gelangt sind. Darauf beginnt Bragi über den großen Krieg zwischen Asen und Wanen zu berichten, nach dessen Beendigung beide Parteien ihren Friedensvertrag durch einen Geiselaustausch besiegelten. Beglaubigt uns rechtskräftig wurde der Friedenspakt dadurch, dass alle beteiligten in ein Gefäß spuckten. Aus diesem gemeinsamen Speichel schufen die Götter einen Mann Namens Kvasir, der von nun an als der weiseste unter den Menschen galt, da es keine Frage gab, die er nicht zu beantworten wusste.
Später kam Kvasir auf einer seiner Wanderungen zu den beiden Zwergen Fjalarr (Verberger) und Galarr (Brüller). Als diese zwei habgierigen Gesellen erfuhren, wen sie bewirteten, erschlugen sie kurzerhand ihren Gast und ließen sein Blut in drei Krüge rinnen. Darunter mischten sie Honig und einige Früchte, woraus der wundersame Skaldenmet entstand, durch dessen Genuss jeder zum Dichter oder Weisen wird. Die beiden Zwerge füllten das Getränk in drei Gefäße, deren Namen Bodn, Sön und Odrörir lauteten, nach letztem benannten sie den Met. Auf Kvasirs Verbleib hin befragt, behaupteten die Zwerge lediglich, dieser wäre an seinen eigenen Witzen erstickt.
Einige Zeit später gelangt der Met nun zu einem Riesen Namens Suttung, der diesen von den beiden Zwergen als Entschädigung für seinen erschlagenen Vater nimmt. Suttung bringt die Gefäße darauf zu seinem Wohnsitz ins Gebirge, wo er den Trank seiner Tochter Gunnlöd anvertraut, damit diese fortan über ihn wache. Bragis Erzählung endet mit der Schilderung vom Raub des göttlichen Ekstasemets durch Odin, wodurch der inspirierende Trank zu seinen Schöpfern zurückkehrt.
Da das Blut neben seiner Körpererhaltenden Tätigkeit gleichzeitig auch den Geist und die Persönlichkeitsstruktur seines Trägers beinhaltet, sprich, das Wissen der Ahnenkräfte fortwirkt, wird ersichtlich, warum ein Kenning des Göttermets "Kvasirs Blut" lautet. "Kvase" ist die norwegische Bezeichnung für einen Saft, der aus gegorenen Beeren gewonnen wird und zeigt somit, dass die von Snorri beschriebene Sage sich auf eine alte Prozedur beruft, in der Menschen zusammenkamen, um Beeren zu kauen und diese in ein Behältnis zu spucken. Der Speichel bewirkte, das die Früchte schneller vergoren und stellte die Grundlage für Rauschbewirkende Getränke. Weiter ist das Mischen gemeinschaftlichen Speichels bis heute ein fester Bestandteil von Vertragsabschlüssen, wie z.B. das in die eigene Hand spucken, bevor man diese seinem Gegenüber reicht, um etwas zu besiegeln.
Thjalfi und Röskwa sind die beiden Kinder des Bauern Egil, auf dessen Hof Loki und der Donnergott Thor während einer ihrer gemeinsamen Fahrten rasten und Herberge finden. Als Gastgeschenk lädt Thor den Egil und seine Familie ein, gemeinsam mit ihnen zu speisen. Dazu geht der Gott in den Stall und schlachtet seine beiden Böcke, die stets seinen Wagen ziehen. Zu Beginn des reichlichen Abendmahls bitter er die Anwesenden, alle abgenagten Gebeine zurück auf die Felle der beiden Tiere zu legen. Am nächsten Tag geht Thor nun in den Stall und vollzieht mit seinem Hammer eine magische Weihe über den Knochen, worauf sich diese zusammensetzen und die Tiere wieder munter vor ihm stehen. Doch einer der beiden Böcke lahmt und der Donnergott gerät darüber in solch furchtbaren Zorn, dass die Familie in Todesfurcht gerät. Zitternd gesteht der Knabe Thjalfi, dass er einen Knochen gespalten habe, um an dessen saftiges Mark zu gelangen. Als Wiedergutmachung für diese Tat gibt Egil darauf seine beiden Kinder dem Thor als Dienstleute zur Seite, bis die Schuld für das lahme Bein getilgt ist.
Im weiteren Verlauf der Geschichte gelangen die beiden Götter mit den Kindern zu dem Riesen Utgardloki, der ein großer Zauberer ist und seinen Gästen einen Wettkampf vorschlägt. Dabei muss Thjalfi dreimal gegen einen Burschen Namens Hugi im Laufen antreten. Dreimal verliert der Knabe und erst am Schluß klärt sich auf, dass er gegen einen personifizierten Gedanken des Riesen antrat, der Thor und seine Gefährten mit einem Zauberbann belegt hatte.
Als Thor gegen den Riesen Hrungnir kämpft, ist Thjalfi mutig an seiner Seite. Wie sich die beiden Gegner gegenüberstehen, schleicht sich der Junge zu dem Riesen und flüstert diesem zu, dass Thor ihn von unten, aus der Erde heraus, angreifen wolle, worauf sich Hrungnir auf seinen steinernen Schild stellt. Hierdurch kann Thor den Riesen bezwingen, während Thjalfi siegreich gegen einen Lehmriesen antritt, den Hrungnirs Männer ihrem Herrn zur Seite stellten. Im Harbardlied wird der Knabe ebenfalls erwähnt, wie er von Berserkerweibern die Flucht ergriffen haben soll. Thjalfis Namen hat man schon als "den Arbeiter" zu deuten versucht, welcher als Art Hypostase den Blitz des Donnergottes symbolisieren sollte. Andere sehen in ihm den möglichen "Thielvar", den Entdecker und Besiedler Gutlands. In Röskwa dagegen wird eine alte Fruchtbarkeitsgöttin vermutet, was sich jedoch nicht nachweisen lässt. Einleuchtender scheint die Annahme, dass es sich bei den beiden Kindern um jugendliche Initianten handelt, die Thor auf seinen Fahrten gegen Riesen begleiten und somit die Möglichkeit erhalten, nötige Erfahrungen mit den Hindernissen des Lebens zu sammeln. Unterstützt wird diese These in der Deutung des altnordischen Namens "röskvast", was soviel wie "reifen" oder "wachsen" bedeutet und auf die entscheidende Phase der Pubertät verweisen könnte. Dass die Aufgabe der Röskwa lediglich darin besteht, ihren tatkräftigen Bruder zu begleiten, verwundert nicht weiter, wenn man bedenkt, dass vorwiegend männliche Heldentaten aufgezeichnet wurden. Dass sich die Jugend vor allem durch Neugier und Unvoreingenommenheit hervortut, zeigen schon die Vielzahl von Märchen und Sagen, worin für gewöhnlich der/ die Jüngste ans Ziel gelangt.
Gylfi lautet der Name eines mythischen Schwedenkönigs, der angeblich den Asen einst die Herrschaft über Skandinavien übergeben haben soll. In den Sagen der Thulur, der Gylfaginning und der Ynglingasaga tritt Gylfi in verschiedenen Rollen auf. Einmal wird er als herrschender König von der Göttin Gefion überlistet, die ihm ein gewaltiges Stück Land entwendet. An anderer Stelle wird Gylfi als Seekönig bezeichnet, was etymologisch zu seinem Namen passt, der altnordisch "gjálfr" lautet, was "Meer" oder "Woge" bedeutet. So gibt es Vermutungen, es könnte sich hierbei ursprünglich auch um einen alten Meerriesen aus dem Geschlecht der Wanen gehandelt haben, der später von den Asen abgelöst wurde. Snorri setzt den König in der Edda schließlich als Hauptdarsteller für die Rahmenhandlung seiner Darlegung der nordischen Götterhierarchie ein, die er folgendermaßen schildert:
König Gylfi ist ein weiser Mann und zauberkundig. Als er von den Asen vernimmt, wundert er sich sehr darüber, dass deren Volk so vielwissend ist und das alles nach ihrem Willen geschieht. Er gerät in Überlegungen, ob dies aus deren eigener Kraft komme oder ob da wohl die Macht der Götter walte, welchen dementsprechend geopfert werde. Er beschließt, seine Herrschaft abzugeben und eine Reise in das mythische Land Asgard zu unternehmen. Viele, viele Jahre dauert seine Suche an, bis er irgendwann, durch endloses Wandern alt und müde geworden, im Gebirge an eine goldene Halle kommt, Diese ist so hoch, dass er kaum darüber hinwegzusehen vermag. Ein Mann begrüßt ihn, führt ihn herein und bietet ihm Speis und Trank. Gylfi erblickt drei Hochsitze, auf denen drei Männer sitzen. Von diesen drei nach seinem Namen befragt, nennt der Gast sich Gangleri (der vom gehen müde gewordene), und stellt seinerseits Fragen an die drei Hochkönige. Im Verlauf erfährt der Wanderer nun manch wundersame Dinge über die Götter und die Entstehung der Welt. Als die drei Männer endlich alle seine Fragen beantwortet haben, erkennt Gylfi, wohin er gelangt ist, denn diese drei, mit Namen Har, Jafnhar und Thridi sind niemand anderes als Odin selbst, der sich auf diese Weise seinerseits vor Gylfi verborgen gehalten hat. Da bricht ein gewaltiges Getöse aus, und als Gylfi sich umblickt, findet er sich alleine wieder. Von der Halle und den Götter aber bleibt keine Spur zurück. Darauf kehrt Gylfi in sein Reich zurück, um zu berichten, was er vernommen hat und begründet damit den erhalt des Götterglaubens.
Jacob Grimm deutete diese Geschichte als eine Nachahmung eddischer Lieder, welche Odin unter dem Namen Gangleri oder Gangrad zu den Riesen wandern lassen, um sich dort mit ihnen zu bereden und sich im Weisheitswettkampf zu messen. Ähnliche Strukturen weist auch Ägirs Reise nach Asgard und die dort erfolgende Unterredungen mit dem Skalden Bragi auf. Das Erscheinen und Verschwinden verzauberter Hallen, Höhlen oder Erdspalten findet sich hingegen in manch alter Mär. So in der Artussage, wo der Ritter Gawain auf dem Tisch der endlich gefundenen Gralshalle einschläft und am nächsten Morgen im Moosbett eines Waldes erwacht.
Ob Gylfi jemals existiert hat, lässt sich heute nicht mehr nachweisen, doch gilt seine Gestalt als Leitbild für den fragenden Menschen, der sich irgendwann aufmacht, um den Göttern das Geheimnis ihres (bzw. seines eigenen) Daseins zu entreißen.
Hyndla ist eine zauberkundige Riesin, die in dem nach ihr benannten "Hyndluljod" (Lied der Hyndla) auftritt. Dieses Lied entstand angeblich erst im 14. Jh., so dass eine Zuordnung zu älteren Schriften nicht ohne weiteres erfolgen kann. Die Geschichte erzählt von der Liebesgöttin Freyja, welche die Riesin aufsucht und sie bittet, gemeinsam mit ihr nach Walhall zu reiten. Dort soll Hyndla, die über vorzügliche genealogische Kenntnisse verfügt, ihr helfen, eine Wissenswette zu gewinnen. Freyja reitet auf einem Eber, in dem die kluge Riesin jedoch sogleich einen männlichen Anhänger Freyjas vermutet, der für diese Fahrt von der Göttin in ein Schwein verwandelt wurde. Dieser Mann Namens Ottar hat zuvor mit einem anderen Mann darum gewettet, wer von ihnen beiden die besseren Kenntnisse über die Namen ihrer Ahnenreihe besäße. Um sich eines Siegreichen Ausgangs der Wette zu versichern, hatte Ottar sich zuvor durch Opferung Freyjas Gunst erfleht.
Widerstrebend folgt die auf einem Wolf dahinfahrende Hyndla der Göttin durch die Nacht. Im Laufe des gemeinsamen Rittes zählt nun die Riesin eine ganze Liste von Namen und einstigen Geschlechtern auf, von denen Ottar abstamme, allerdings nicht ohne ihn am Ende jeder Strophe als Schwachkopf zu beschimpfen. Nachdem der in Tiergestalt wandelnde Ottar den gesamten Namenskatalog, vernommen hat, fordert Freyja die Riesin auf, ihrem Schützling noch einen Gedächtnistrank zu reichen, auf das er das erfahrene Wissen für den Wettstreit auch behalte. Darauf gerät Hyndla in Zorn und beschimpft die Göttin mit Schmähungen. Einen Fluch, den sie dem Ottar anhängen will, entkräftet die Liebesgöttin unmittelbar und versichert diesen auch weiterhin ihres Schutzes.
Hyndla verfügt über ein beachtliches Alter, da sie vorgibt, einige der von ihr aufgezählten Personen noch selbst gekannt zu haben. So ist das Vorbild der Riesin in all jenen weisen Frauen zu suchen, die nicht selten als Einzelgänger lebten und sich durch Wissen und ihre Zauberei zu behaupten wussten. Hyndlas Reittier ist ein Warg (Wolf), über dessen Herkunft eine andere Stelle der Edda Auskunft gibt. Viele sollen von dem Riesenweibe Angrboda (Sorgenbringerin) abstammen, die schon mit Loki den Fenrirwolf zeugte. Östlich von Midgard im Walde Jarnwidr (Eisenholz) sitzt ebenfalls die Riesin Gyge und gebiert dort wolfsgestaltige Riesen und Ungeheuer. In diesem Eisenwalde sollen sich all die Zauberweiber, "Jarnwidir" genannt, aufhalten. Dass Riesinnen eine Vorliebe für wölfische Reittiere besitzen, schildert ebenfalls eine Begebenheit während der Totenfeier für Balder. Als keiner der Anwesenden vermag, das Schiff ins Wasser zu bringen, schicken die Asen nach der Riesin Hyrrokkin, die kurz darauf auf einem großen Wolf reitend daherkommt, dem Schlangen als Zaumzeug dienen.
Freyja, die oberste aller zauberkundigen Frauen, nennt die Hyndla gar Schwester und ihr gemeinsamer nächtlicher Ausritt, erinnert schon stark an die Besenausfahrten der Hexen im Mittelalter. Die Riesin mit dem Namen "Hyndla" (Hündchen) zu belegen, schmälert jedoch nicht die Tatsache, dass es sich bei dem Lied wohl um eine funktionale Kultdichtung handelt, deren Inhalt dazu diente, altes Wissen weiterzugeben und zu erhalten. Es wurde auch schon die Ansicht vertreten, dass Hyndla nur eine Verdopplung der (hier schon von der Kirche dämonisierten) Freyja sei, die man häufig mit dem Schmähnamen "Hündin" belegte. Eine Anspielung auf ihre "geile Lüsternheit", die Freyja auch von der Riesin vorgehalten bekommt.
Ymir ist der Ahnherr aller Riesen und das erste Lebewesen überhaupt, welches sich im Kosmos regte. Einst stieg er aus dem nebelverhangenden Abgrund des Ginnungagap als gewaltiger Gletscher auf, der sich unaufhaltsam ausdehnte. Daraus ward das Geschlecht der Reifthursen, auch Frostriesen genannt, geboren. Ihre bildhafte Verkörperung spiegelt die menschliche Ohnmacht vor der Kälte und den Gewalten des ewigen Eises. Ihr Sitz ist die nördliche Polarwelt Niflheim, von wo aus sie die Welt mit ihrer lebensfeindlichen Eiszeit überziehen.
"Am Anfang war das Chaos und der Riese", erfahren wir aus der Liederedda über den Ursprung der Schöpfung. Als die kalten Fluten des Ureisstromes Eliwagar aus Niflheim auf den heißen Lavastrom aus Muspellheim trafen, entstand Ymir, der Stammvater aller Riesen. Die Frost- und Reifriesen nannten ihn Aurgelmir, den "aus Sand und Schotter geborenen Brüller". Sein Name als Örgelmir umschreibt hingegen das rauschende und tosende Gewässer des Urmeeres, aus dessen Substanz sich sein riesenhafter Leib einst geformt haben soll. Kurz nach Ymir entstand die kosmische Urkuh Audhumla, die ihn mit den vier Milchströmen ihres Euters nährte. Als er sich zum schlafen niederlegte, begann Ymir zu schwitzen. Daraufhin wuchsen ihm unter der Achsel des linken Armes eine Tochter und ein Sohn, der sich Thrudgelmir (das Sein) nannte. Dessen Sohn wiederum, Ymirs Enkel, hieß Bergelmir (das Da- Sein). Dieser wurde schließlich der Begründer des jüngeren Geschlechts der Reifriesen, nachdem die Alten in der großen Flut umgekommen waren.
Die Kuh Audhumla ernährte sich durch das Ablecken der salzigen Reifsteine, aus denen sie in drei Tagen einen Mann hervorbrachte. Dessen Name ward Buri, das erste menschliche Wesen und zugleich der spätere Stammvater der Götter. Buri zeugte aus sich selbst heraus einen Sohn Namens Bor, der mit der Riesin Bestla, der Tochter des Riesen Bölthorn, die drei ältesten Götter Odin, Wili und Ve zeugte. Diese drei Götter trotzen als erste den Urelementen, indem sie Ymir zurück ins Ginnungagap schafften, ihn dort töteten und seinen gewaltigen Körper zerteilten. Aus seinem Blut entstanden die Seen und Meere, in denen, bis auf eine kleine Schar, alle Reifriesen ertrinken mussten. Aus Ymirs Fleisch formten die Götter die Erde, aus seinen Knochen die Berge, aus seinen Haaren die Bäume und seine Hirnschale bildete den Himmel. Midgard, die Behausung der Menschen, ward aus seinen Wimpern erschaffen, die gleichzeitig eine schützende Umzäunung gegen die Riesen darstellten.
Dies war der Anfang aller Streitigkeiten und Kriege zwischen den Riesen und Göttern bzw. den unbeherrschbaren, wilden Kräften der Natur und den sich ständig weiter ausbreitenden Menschen, die sich anschickten, sich die Welt zum Untertan zu machen. Die riesenwüchsigen Nachkommen Ymirs waren vielgestaltig und reich an Zahl, doch sie alle waren dem Untergang geweiht- durch die Götter, durch das Schicksal und durch die Menschen. Somit begann ein Kampf, der in der nordischen Sage zum großen Teil das Walten und Wirken der Götter- und Heldensage bestimmte.
Ran ist eine alte Meerriesin und die Gemahlin des gewaltigen Ägir. Das düstere Seeweib weist viele typische Merkmale jener finsteren Wassergeister auf, die stets darauf bedacht sind, die Menschen in ihr dunkles Reich hinabzuziehen. Ran liebt vor allem das Gold, welches sie den ertrunkenen abnimmt und in großen Kisten in ihren Sälen hortet. Während gefallene Krieger nach Walhall und sonstig gestorbene nach Hel gelangen, ist Ran für jene Unglücklichen zuständig, die ertrinken müssen. Sie besitzt ein riesenhaftes Netz, das sie über die schwimmenden ausbreitet, um sie damit gnadenlos in die Tiefe zu ziehen. Dieses Netz leiht sie einmal an Loki aus, damit dieser darin den Zwerg Andwari fangen kann. Ein anderes Bild schildert sie als gigantisches Seeungeheuer, das seine Krallen nach den im Sturm treibenden Schiffen ausstreckt.
Der Name "ran" bedeutet "Raub", wohl in Anspielung auf ihre unersättliche Gier, mit der sie ganze Schiffsbesatzungen in den Tod zog. Um die Meerriesin zu besänftigen, brachten ihr die Seeleute zuweilen auch Menschenopfer dar. Kam man von einem Raubzug, wurden vor Fahrtantritt oftmals gefangene ins Meer gestoßen. Vor einem zu erwartenden Sturm teilte man zuweilen etwas Gold oder andere wertvolle Kleinode an die Besatzung aus, um damit die Riesin friedlich zu stimmen, falls man sich doch einmal unverhofft vor ihrer unterirdischen Höhle wiederfand. Durch solche freiwilligen Geschenke erhoffte man sich die Gastfreundschaft in ihrer reichen Halle zu erkaufen, in der man großzügig bewirtet werden sollte. Denn so düster die Geschichten um das Treiben und die Mordlust der Meerriesin auch sind, wird doch der Aufenthalt in ihren Sälen als äußerst angenehm geschildert, worin sich die Betörungen der Sirenen wieder finden, die mit ihren Reizen lebensmüde gewordene Seemänner in die Tiefe locken. Wer im Kampf auf den Schiffsplanken dem Tod erlag, wurde zu den Hallen der Seegötter geladen und dort ebenso geehrt, wie jeder andere Krieger.
Die zerstörenden Sturmwellen oder Meereswogen wurden verbildlicht in Rans neun Töchtern, die sie gemeinsam mit Ägir hervorgebracht hat. Kreischend wühlen die Töchter die See auf, danach trachtend, die Schiffe der Menschen umzustürzen, damit diese der immer hungrigen Mutter ins Netz gehen. Die Namen der neun Töchter sind in der Edda aufgeführt und lauten: Gjalp (die Brausende), Greip (die Umkrallende), Eistla (die rasch Dahinstürmende), Eyrgjafa (die Sandspenderin), Ulfrun (die flüsternde Wölfin), Angeyja (die Bedrängerin), Imd (die Dunstige), Atla (die Furchtbare) und Jarnsaxa (die schneidende Kälte).
Es gibt einige Volkssagen und Geschichten, in denen die Geister der ertrunkenen als sogenannte Draugen (Untote) in stürmischen Nächten am Strand umherwandelten. Diese gespenstigen Erscheinungen waren in den kleinen Küstenansiedlungen gefürchtet, da ihr Auftauchen fast immer zur Folge hatte, dass die ran bzw. die See sich ein neues Opfer geholt hatte oder schon bald zu sich rufen würde.
Ägir ist der Name des Gestaltgewordenen Ozeans, den sich die Menschen als gewaltigen Meeresriesen vorstellten. Ägirs Gattin ist Ran, welche die tosende, bedrohliche und verschlingende Seite des Meeres verkörpert. Mit ihr zeugt der Riese neun Töchter, die mit den rollenden Wogen gleichgesetzt werden und den Namen "Ägirs Töchter" tragen. Im Gegensatz zur eher lebensfeindlichen und täuschenden Gesinnung seiner Frau und Töchter, ist Ägir den Menschen wohlgesonnen und hält, wann immer er zugegen ist, schützend seine Hände über diese. Als seine Wohnstätte wird die Insel Hlésey angegeben, das heutige Läsö im Kattegat (Dänemark). Seine Diener sind Firmafeng, der Behende, welcher bei einem Gastmahl von Loki erschlagen wird, und Eldir, der möglicherweise das Meeresleuchten verkörpert. Als Vater wird der Urzeitriese Rornjotr angesehen, hinter dem sich wohl Ymir selbst verbirgt. Ägirs Brüder sind Logi (oder Lohe), das Feuer, und Kari, der Wind.
Ägir ist einer der wenigen Riesen, der friedlich und freundschaftlich mit den Göttern verkehrt. Seine riesige Halle wird zum Schauplatz für "Lokis Zankreden", wo sich die Asen, von Ägir zum Festgelage eingeladen, versammelt haben. Dort tragen sich Speisen und Trank ganz von selbst auf. Seine unter Wasser liegende Wohnstätte wird erhellt durch schimmerndes Gold, welches es dort in großen Mengen hortet. So lautet ein Kenning für Gold auch "Ägirs Feuer", jenes kostbare Metall, das in der Tiefe des Meeres wohl als einzige Lichtquelle gedeutet wurde.
Ägirs altgermanischer Name "ahwo" verweist auf das Element Wasser, "ägi" war das Wort für Meer. Der Riese galt also als der "Wassermann" schlechthin und sein Wesen wird als "heiter wie ein Kind, das mit den Augen blitzt" (barnteitr) beschrieben, möglicherweise in Anlehnung an das sich dem Menschen im Wasser reflektierende Spiegelbild.
In dem Lied "Oegisdrecka" tritt besonders der Skalden- und Dichtergott Bragi hervor, der dem Meeresriesen (hier als zauberkundiger Mann beschrieben) im vertrauten Gespräche Göttersagen vorträgt und ihm mancherlei Fragen beantwortet. Ägirs Hauptattribut ist ein gewaltiger Kessel, das Gefäß für "feuchten" Inhalt, welcher wahrscheinlich das Meer selbst bezeichnet, das "wie ein Kessel zwischen den Küsten hängt" (nach R.M. Meyer). Einen ebenbürtigen Kessel müssen in einer Geschichte auch die beiden Götter Tyr und Thor beschaffen, um darin Bier für die Asen brauen zu können.
In der bekannten Wölsungensage ist von einem sogenannten "Oegirshelm" die Rede. Einem goldenen Schreckenshelm, dessen Träger seinen Feinden Angst und Grauen einzuflößen vermag. Dieser Helm scheint zwar namentlich mit Oegiur/ Ägir verwandt, taucht aber nirgends als Eigentum des Meeresriesen auf. Das Wort "Oegisdyr" hingegen verwies auf die "Pforte ins Meer", wohin alle großen Flüsse schließlich hinausströmen.
Gerda ist die jungfräuliche Tochter des Riesen Gymir und dessen Gattin Aurboda, die beide aus dem Geschlecht der Bergriesen stammen. Gerda, von der es heißt, sie sei so schön, dass von ihr Luft und Gewässer wiederleuchteten, spielt eine tragende Rolle in dem bekannten Skirnirlied.
Als Freyr, der Gott der Vegetation und Fruchtbarkeit, sich mit seiner Familie in Asgard aufhällt, besteigt er in Hlidskjalf heimlich Odins Hochsitz, von welchem man auf jeden Ort in der Welt herabsehen kann. Dort erblickt Freyr im Norden ein Gehöft, vor dem ein wunderschönes Mädchen spazieren geht. Als sie die Arme hebt, geht von ihr ein solch strahlendes Leuchten aus, dass der junge Gott sich augenblicklich unsterblich in die schöne Riesentochter verliebt. Nun rächt sich die Überheblichkeit des Wanengottes, auf Odins Thron verbotenerweise Platz genommen zu haben, denn fortan befällt ihn fürchterlicher Liebeskummer. Dieser Zustand hat gravierende Folgen für die Natur, die langsam abzusterben beginnt. Fortan vernachlässigt Freyr all seine Pflichten und findet an nichts mehr gefallen.
Die Götter geraten darüber in große Sorge und auf Njörds Geheiß begibt sich Skirnir, Freyrs vertrauter Diener, zu ihm und fragt nach dem Grund seiner Verzweiflung. Als der Gott ihm von seiner kummervollen Liebe erzählt, erbietet sich Skirnir, nach Jötunheim zu reiten, um für seinen Herrn um die Hand Gerdas anzuhalten. Alsbald reitet der mutige Diener auf Freyrs Pferd zu Gymirs Gehöft. Dort wird er von einem Wächter, Gerdas Bruder, aufgehalten, bezwingt eine Rotte bissiger Hunde und setzt schließlich mit lautem Getöse über die Umzäunung. Gerda, durch den Aufruhr neugierig geworden, geht in den Hof und erblickt den fremden Reiter, der sich ihr vorstellt und sogleich seine Werbung vorträgt. Zunächst bietet er ihr elf goldene Äpfel aus dem Garten der Iduna, darauf den kostbaren Ring Draupnir, was die spröde Riesentochter jedoch beides ablehnt. Darauf versucht Skirnir, sie mit schlimmen Flüchen und Verwünschungen zu bedrohen, was der schönen einen Schrecken versetzt. Schließlich willigt sie unter der Bedingung ein, dass ihre Sippe Freyrs Schwert als Brautgeschenk erhalte. Betrübt geht der verzweifelte Skirnir auf diesen Handel ein, worauf Gerda ihm eine Botschaft für seinen schmachtenden Herren mitgibt, in der sie verspricht, ihren zukünftigen in neun Nächten in einem versteckten Wäldchen zu treffen. Mit dieser Nachricht reitet Skirnir zu dem ungeduldig ausharrenden Freyr zurück, der über diese Kunde überglücklich ist.
Freyr, der den männlichen und befruchtenden Aspekt der Natur verkörpert, verleiht am Ende des Liedes seiner Sehnsucht Ausdruck, sich mit der geliebten endlich vereinen zu wollen. Gerda hingegen steht für die aus den Riesen entstandene Erde selbst. Es geht um die Vereinigung des männlichen und weiblichen Elements, das seinen Höhepunkt im Walpurgis, Kürfest, Beltane oder Hohen Maien hat. Die von Gerda verlangten neun Nächte der Besinnung und des Ausharrens entsprechen den neun Walpurgisnächten vor dem 1. Mai- Wonnemond in welchen die "befruchtenden Säfte" gesammelt und somit gesteigert werden. Schließlich wird der große Fruchtbarkeitsritus vollzogen und der Frühling eingeläutet. Durch die Heirat mit Freyr wird Gerda bei den Asen aufgenommen und somit zu Njörds Schwiegertochter.
Hrungnir lautet der Name eines gewaltigen Bergriesen, dessen Kopf und Herz aus Stein bestehen und dessen Schicksal von Snorri recht ausführlich geschildert wird. Die Geschichte beginnt damit, dass Odin auf seinem Pferd Sleipnir nach Jötunheim, ins Land der Riesen reitet. Dort trifft er auf Hrungnir, der dem Göttervater anerkennend zugesteht, er habe ein gutes Ross. Stolz erwidert Odin, es sei das vortrefflichste von allen Pferden und es würde sich nirgends ein gleichwertiges oder besseres finden lassen. Zornig besteigt der Riese daraufhin sein eigenes Pferd, das den Namen Gullfaxi (Goldmähne) trägt, um darauf Odin hinterherzujagen und diesen zu fangen. Als sie mit rascher Fahrt eine lange Strecke durch die Lüfte geritten sind, kommen sie schließlich bis nach Asgard. So groß ist ihre Geschwindigkeit, dass Hrungnir, als er sein Pferd endlich zu stehen bringt, feststellen muss, direkt in der Festung der feindlichen Götter gelandet zu sein. Doch zu seiner großen Überraschung laden ihn diese freundlich zum Trinkgelage ein. Er erhält die Trinkschalen, aus denen sonst gewöhnlich Thor zu trinken pflegt und leert bald ein Fass Met nach dem anderen. Alsbald stockbetrunken verfällt er in laute Prahlerei und verkündigt mutig, er wolle Odins Kämpferhalle Walhall alleine nach Jötunheim tragen und sämtliche Götter erschlagen. Alle bis auf die beiden Göttinnen Freyja und Sif, die wolle er für sich behalten. Als die Asen seiner Prahlerei endlich überdrüssig werden, rufen sie nach Thor, der darauf auch sofort erscheint. Nach einigem Hin und Her verabredet man sich zum Zweikampf auf der Länderscheide Grjotunagard (Steingehege).
Als es soweit ist, flüstert Thjalfi, der Diener Thors, dem Hrungnir zu, dass der Donnergott ihn von unten aus der Erde heraus angreifen würde, was den Riesen dazu veranlasst, sich auf seinen gewaltigen Schild zu stellen, statt diesen zum Schutze vor sich zu halten. Schließlich schleudern die beiden Gegner ihre Waffen gegeneinander. Thors Hammer zerschlägt die Waffe des Riesen, einen gewaltigen Wetzstein, in tausend Stücke und tötet diesen. Dabei dringt jedoch ein Steinsplitter in Thors Kopf. Dieser soll heute noch sitzen, weshalb man keine Wetzsteine werfen oder über den Boden rollen soll, da sonst der Donnergott Kopfschmerzen davon bekommt und grollt.
Das Lied um Hrungnir ist eine der humorvollsten Sagen der Edda, denn es charakterisiert diesen vor allem als Vertreter des riesischen Übermuts, der wie ein Doppelgänger Thors, mit Trinkkraft und Stärke prahlt, dafür aber mit seinem Leben bezahlen muss. Zahlreiche Versuche wurden bereits unternommen, diesen Mythos naturmythologisch zu deuten. Den Kampf zwischen dem Donnergott und den Gebirgsriesen interpretierte man als ein mit Blitzen zuckendes Sturmgewitter, welches sich an Felsenwänden entlud, wobei gewaltige Steinlawinen ins Tal geschleudert wurden.
Der Name Hrungnir kommt von "rungla" = lärmen und bezieht sich gelungenermaßen auf die vorlauten Angebereien, aber auch auf das Getöse eines polternden Steinschlages. Ein weiteres Motiv ist das steinerne Herz des Riesen, dessen Symbol, eine dreizackige Swastiska, sich auf verschiedenen Runensteinen in Skandinavien findet, genauere Deutungen bisher jedoch nicht zuließ.
Grid ist eine Riesin, mit der Odin seinen starken und schweigsamen Sohn Widar zeugt, der den Göttervater schließlich in den Ragnarök rächen wird, wenn dieser sein Leben im Rachen des grausigen Fenrirwolfes beenden muss. Grid ist eine der wenigen Vertreterinnen ihres Geschlechtes, die den Göttern wohlgesonnen sind. Sie spielt eine entscheidende Rolle, als Thor sich mit Loki auf dessen Geheiß auf den Weg zu dem Riesen Geirröd (nicht zu verwechseln mit König Geirröd aus dem Grimnirlied!) macht.
Thor tritt diese Reise ohne seine Waffen an, da dies eine Bedingung ist, unter der Geirröd zuvor dem gefangenen Loki die Freiheit schenkte, damit dieser den Donnergott unbewaffnet zu ihm locke. Unterwegs nehmen die beiden Götter nun Herberge bei der Riesin Grid. Sie warnt die Weggefährten vor der üblen Falschheit des Riesen und seiner beiden Töchter. Da Thor Grids Stiefsohn ist, leiht sie dem Donnergott darauf ihre eigenen Handschuhe, Kraftgürtel und den zauberwirksamen Stab Gridavölr. Mit diesen neuen Waffen ausgestattet wandern die Götter weiter, bis sie an einen breiten Sund geraten. Als sie diesen durchwaten, schwillt der Fluss plötzlich gewaltig an, so dass Loki sich ängstlich an Thors geliehenen Gürtel klammert. Weiter stromaufwärts erblicken die beiden die Riesin Gialp, eine von Geirröds Töchtern, die breitbeinig zwischen den beiden Ufern steht und sie mit ihrem gewaltigen Harnstrom zu ertränken sucht. Da erwächst Thor "zornige Asenkraft". Er nimmt einen gewaltigen Stein, den er nach der Riesin wirft, worauf die ihr unterfangen abbricht. Gleichzeitig ergreift Thor den Ast eines Sperberbaumstrauchs und steigt aus dem Wasser. Seitdem heißt es "der Sperberbaum sei Thors Rettung".
Als die Götter zu Geirröd kommen, weist man ihnen zunächst ein paar Stühle zu, auf denen sie sich müde niederlassen. Doch plötzlich erhebt sich Thors Stuhl, um den Gott oben gegen das Dach zu schmettern. Da stößt Thor den mitgeführten Stab gegen das Sparrwerk und drückt sich auf den Stuhl zurück, worauf ein lautes Krachen und Geschrei ertönt. Unter dem Stuhl liegen die beiden Riesentöchter Gialp und Greip, die versuchten ihren Gast zu zerdrücken und nun selbst mit gebrochenem Rückrat am Boden liegen. Schließlich gelangt der Gott vor Geirröd, den er mit Hilfe von Grids Handschuhen besiegen kann, da er hierdurch ein glühendes Eisen auffangen und auf den Riesen zurückschleudern kann.
Der besagte Zauberstab (Völr) tritt allgemein als ein Attribut von Seherinnen und Zauberinnen auf, wovon deren Namen sich ableiten lassen: Völva= Stabträgerin. Einige Riesen galten als zauberkundig und ihre Künste wurden nicht selten in verderblicher Weise gegen Götter und Menschen gerichtet, die sich stets den Launen der Naturelemente ausgeliefert sahen. Diese konnten zeitweise jedoch ebenso genutzt werden, wenn ihre Gesetzmäßigkeiten erkannt oder man "in der Gunst der Götter" stand. Hilfsbereite und wohlgesinnte Riesen waren demnach Naturerscheinungen, die den Menschen beim Kampf gegen die lebensbedrohliche Seite der Natur unterstützten.
Thökk lautet der Name einer alten, verbitterten Riesin, deren Entscheid ein weiteres wichtiges Glied in einer Kette von Ereignissen ist, an deren Ende schließlich die Ragnarök steht. Nachdem Balder, der strahlende Lieblingssohn Odins, durch Lokis Beihilfe sein Leben lassen musste, senden die Götter den Hermod zur Totengöttin Hel, um mit dieser über Balders Rückkehr in die Welt der lebenden zu verhandeln. Hel stellt die Bedingung, dass alle Welt um den toten Gott trauern müsse, nur so könne er aus Helheim "geweint" werden, doch wenn nur ein Wesen seine Tränen versage, müsse Balder für immer bei ihr bleiben. Darauf senden die Asen Boten in alle vier Himmelsrichtungen, auf das ein jeder diesem Erlass folge leiste. Menschen und Tiere, Pflanzen und Steine, sowie das Holz und alles Metall fallen alsbald in große Trauer, gleich wie diese Dinge weinen, wenn sie aus der Kälte in die Wärme kommen. Als die Beauftragten heimkehren, um schon den Erfolg ihrer Arbeit zu vermelden, finden sie bei einer Berghöhle eine alte Riesin sitzen. Als die Boten sie auffordern, ein paar ihrer Tränen für den toten Balder zu spenden, verneint sie dieses mit der Begründung, der Gott hat ihr zu Lebzeiten ebenso wenig einen Gefallen getan. Damit scheitern die Bemühungen der Götter und Baldermuss bis nach die Ragnarök im Totenreich verweilen. Das Riesenweib aber soll Loki gewesen sein, der das meiste Böse unter den Asen vollbrachte.
Snorris Bericht um Thökk basiert vermutlich auf poetischer Darstellung. Prof. W. Golther wies seinerzeit auf die Gewähr der Echtheit dieser Erzählung hin, bis auf jenen Umstand, dass alle Wesen um den toten Gott weinen müssen, der sich wohl erst in einer Überlieferung des christlichen Bischof Bjarni finden lasse. Der Name "Thökk" (altnord. Pökk) wird mit "Dank" oder sogar "Freude" übersetzt!? Snorri, der ihr diesen namen gab, mag dies möglicherweise auf den rachsüchtigen Loki bezogen haben, der sich im Stillen über seine gelungene Tat freute, die eine Rückkehr des Asengottes verhindern. Schon mit der Riesin Angrboda (Sorgenbringerin) zeugt Loki die drei größten Verderber der Götter. Die Riesin sitzt im düsteren Eisenwald, dort, wo die Sonne untergeht, und wartet auf das Ende der Welt. Ähnlich präsentiert sich die in einer Felsenhöhle hausende Thökk. Durch ihre hartherzige tat wird sie zum Archetyp der bösen alten Hexe, die in zurückgezogener Einsamkeit verbittert darauf sinnt, Übles zu vollbringen. Das wieder einmal Loki hinter der Maske der Riesin stecken soll, mag wenig verwundern, bedenkt man all seine anderen böswilligen Taten, für die ihm bereits zahlreiche Drohungen Seitens der Götter widerfahren sind. In seinen Zankreden gesteht er der Frigg höhnisch ein, dass nur er alleine die Schuld daran trage, dass sie ihren geliebten Sohn nie mehr Heimreiten sehe.
Die Gestalt der bösen hexe taucht in zahlreichen Märchen auf, wo sie gewöhnlich die bedrohliche und zerstörerische Seite des Weiblichen verkörpert. Dieses Bild, welches vor allem im Mittelalter entstand, sitzt noch tief im menschlichen Unterbewusstsein verborgen und wird heute psychologisch vor allem als negativ besetztes Muttersymbol gedeutet.
Surt ist ein gewaltiger Feuerriese, der über Muspellheim, das Reich der Lava und fliegenden Feuerfunken, wacht und gleichzeitig herrscht. Dieses Land des ewigen Feuers ist für jegliche Wesenheiten unzugänglich, die nicht dort geboren sind. Als Surts Gemahlin wird die Feuerriesin Sinmara (die fahle Mahr) genannt. Ihre gemeinsamen Kinder (Muspells Söhne) sind all die Feuerteufen und Flammenriesen, die Surt am Weltende gegen die Götter führt. Zuvor vereinigen sie sich mit den Reif- und Bergriesen, um mit diesen gemeinsam über die Bifröstbrücke nach Asgard zu ziehen. Dort treffen sie auf der weiten Ebene Wigrid, auch Oskopnir genannt, mit den Göttern zu den alles entscheidenden Ragnarök zusammen. Dabei kämpft Surt mit dem versengenden Flammenschwert gegen den wanischen Fruchtbarkeitsgott Freyr, der sein eigenes Schwert entbehren muss, das er einst dem Riesen Gymir für die Hand seiner Tochter Gerda überließ. Nachdem Freyr unterlegen ist und der Kampf sich dem Ende zuneigt, schleudert der entfesselte Surt schließlich sein Feuer (Surtalogi) über die ganze Welt und verbrennt sie. Dampf und Funken sprühen auf und heiße Lohe bedeckt den gesamten Himmel. Die Sonne verschwindet hinter den aufsteigenden schwarzen Wolken, die Sterne fallen nieder und die Erde versinkt im Meer.
Manche Forscher sehen in "muspell" selbst das Weltenende, andere vermuten darin eher einen mächtigen Feuerriesen, der wiederum mit Surt identisch scheint. Das Kenning "Surts Lohe" hingegen, bezeichnet den alles verschlingenden Weltenbrand. In dieser Funktion erkennen wir den Zusammenhang mit Lodur, dem Feuerbringer, welcher wiederum Loki und somit dem alles verderbenden Feuer entsprechen soll, das durch seine Zerstörung erst die Vorraussetzung für einen Neubeginn schafft. Surt führt den Beinamen "der Schwarze", was seine spätere Gleichstellung mit einem Racheengel oder dem "Teufel des Fegefeuers" erklärt. Im beschriebenen Weltenbrand der Edda finden sich zudem einige Übereinstimmungen mit der biblischen Vorstellung vom jüngsten Gericht und dem erscheinen des Antichrists. Nach Mittelalterlicher Interpretation wartet der schwarzrußige Gehörnte seit seinem Fall aus den himmlischen Gefilden darauf, die Seelen der Verdammten in sein nach Schwefel stinkendes Reich hinabzuziehen, um die armseligen Sünder auf lodernder Flamme zu rösten. In einem geistlichen Gedicht des 9. Jh. Aus Bayern schildert der Schreiber den Weltenbrand am jüngsten Tag und bezeichnet den Sühnetag Gottes als "muspilli".
Noch heute nennt man im Norden Skandinaviens harzige und verkohlte Erde "surtabrand", vulkanische Felshöhlen auf Island werden "Surtshellir" geheißen. Dass sich dort die Vorstellung an dieses belebte Feuerwesen bis heute erhalten hat, zeigt die Namengebung einer neuentstandenen Vulkaninsel im Jahre 1963, die man "Surtsey" (Insel des Surt) taufte.
Hagen von Tronje spielt eine tragende Rolle in der deutschen Nibelungensage, wo sich seine Erscheinung am deutlichsten von dem strahlenden Siegfried abhebt, als dessen dunkler Gegenspieler er agiert. Er kommt als einsamer und grimmig dreinschauender Ritter daher, versehen mit einer Augenklappe und sich in dunkle Rüstung hüllend. Es heißt, sein Vater sei ein Alb gewesen, eines jener finsteren Wesen, die den Menschen noch nie wohlgesonnen waren, weswegen Hagens Haut "bleich und fahl erscheint, gleich Bast und Asche". Er ist König Gunthers treuer Berater, rechter Arm und Waffenmeister (In der Wölsungensage ist sein Name Högni und er ist der direkte Bruder von König Gunnar). Hagen genießt des Königs uneingeschränktes Vertrauen und seine Worte und Entscheidungen haben Gewicht.
Als nun Siegfried nach Worms gelangt, um dieses zu erobern, bieten ihm die Burgunder Freundschaft an. Als der Drachentöter darauf die schöne Kriemhild (Gudrun) erblickt, willigt er ein. Nachdem er König Gunther durch eine List dazu verhilft, die isländische Königin Brünhild zu ehelichen, darf er selbst Kriemhild heiraten. Doch Brünhild gönnt den beiden ihr Glück nicht und beginnt Nachforschungen anzustellen. Schließlich kommt der Betrug heraus, und die schändlich hintergangene Königin sprüht vor Hass und Zorn. Sie klagt vor ihrem Gatten, sie wolle lieber sterben, wenn dieser nicht umgehend Siegfried erschlagen lasse. Darüber fällt der König in tiefe Verzweiflung. Trotz seiner tiefen Verbundenheit zu Siegfried, beratschlagt er sich mit Hagen, und gemeinsam machen sie den Plan, wie sie den nun lästig gewordenen Störenfried aus dem Weg schaffen können. Hagen, den außerdem die Aussicht auf Siegfrieds Rheingold lockt, geht zu Kriemhild und bittet sie scheinheilig, ihm doch die verwundbare Stelle auf Siegfrieds Rücken preiszugeben, damit er diesen im Kampfe besser schützen könne. Als der König eine Jagd abhält und sich Siegfried abseits der Gesellschaft an einer Quelle befindet, trifft ihn Hagens Speer tödlich in den Rücken.
Darauf begehrt die unglückliche Kriemhild zu erfahren, wer ihren Gatten so feige mordete, doch die Verräter schweigen. Sie verlangt nun von allen Anwesenden, daß jeder noch einmal an dem aufgebahrten Leichnam Vorüberschreiten müsse. Als Hagen an der Reihe ist, brechen die Wunden des Toten auf wundersame Weise wieder auf und offenbaren so den Mörder. Es heißt, nach diesen Geschehnissen hätte Hagen den sagenhaften Nibelungenschatz im Rhein versenkt, andere wollen wissen, er hätte den Hort nach Lochheim, einer unterirdischen Höhle geschafft, um später über ihn zu verfügen. Das Geheimnis nahm er allerdings mit in den Tod, den er später durch Kriemhilds Schwerthand am Hofe des Hunnenkönigs Attila findet.
Hagens rätselhafte Gestalt, die schon im Waltharilied des 9. Jh. auftaucht, widersetzt sich hartnäckig der Herleitung einer stoffgeschichtlichen Herkunft und scheint es seinem Wesen entsprechend vorzuziehen, im Dunkel der Vergangenheit zu verbleiben. Sein Mord an Siegfried mag jedoch nicht ganz zufällig an den rituellen Speertod gemahnen, mit dem gefallene Helden Odins Walhall zugeführt wurden.
Sigdrifa ist eine Walküre und findet sich in der "älteren Edda" unter den Heldenliedern, von denen eines nach ihr benannt ist. Dieses "Lied von Sigdrifa" (Sigrdrifomal) fügt sich in eine Reihe anderer Erzählungen um das Leben des Recken Sigurd (Siegfried) ein, in dessen Verlauf er der Walküre begegnet und von dieser wertvollen Rat erhält.
Nachdem Sigurd den Drachen bezwungen hat, reitet er Richtung Frankenland. Unterwegs bemerkt er einen Berg, auf dem ein ungewöhnlich helles Licht erstrahlt. Als er sich nähert, erblickt er ein gewaltiges Feuer, das zum Himmel emporlodert und den Berg wie ein Ring aus Flammen umgibt. Sigurd durchquert die Waberlohe und findet eine schlafende Gestalt in voller Rüstung auf dem Boden liegend. Er löst ihr die Brünne und nimmt ihr den Helm vom Haupte. Darauf wallt ihm eine lange Haarpracht entgegen und er blickt in das Antlitz einer wunderschönen Frau. Als diese erwacht, erkundigt sie sich, wer ihren Zauber gebrochen habe. Sie stellen einander vor und die Walküre berichtet, daß Odin sie zur Strafe für ein Vergehen mit einem Schlafdorn gestochen und ihr befohlen habe, keine Kämpfe und Siege mehr auszufechten, sondern sich mit einem sterblichen zu vermählen. Da habe sie ein Gelübde getan, daß sie sich nur einem Mann hingeben wolle, der sich vor nichts fürchte und den Flammenring durchschreite. Als sie in Sigurd diesen Mann erkennt, reicht sie ihrem Befreier ein Horn voll Met und gibt ihm Minnetrank. Darauf bittet Sigurd die Walküre, ihn Weisheit zu lehren, und so weiht sie ihn während eines rituellen Aktes in die Geheimnisse der Runen ein und lehrt ihn noch manch andere Lebensregel. Sie versprechen einander die Treue und besiegeln dies mit Eiden, wobei Sigurd ihr den Ring Andwaranaut aus dem Rheingoldschatz überlässt.
Über den weiteren Verlauf dieser Version, die mit der "Erweckung der Walküre" als Krönung aller Heldenlieder gilt, gehen die Meinungen der Fachleute auseinander. Einige sind der Ansicht, daß es sich bei der Gestalt der Brynhild (Brünhild) sehr wohl um die Fortsetzung des Lebens der Sigdrifa handelt, aus deren Zusammenkunft mit Sigurd später eine Tochter mit Namen Aslaug hervorgeht.
Überliefert ist weiter, daß Sigurd nach dieser Begegnung von der Burgunderkönigin Grimhild (Uote) einen Vergessenheitstrunk gereicht bekommt (vermutlich nachträglich eingefügt, um den Makel der Untreue zu beseitigen), worauf sich dieser augenblicklich in Gudrun (Kriemhild) verliebt. Er wird der Blutsbruder der Burgunder und verhilft König Gunnar (Gunther) dazu, die Walküre Brynhild zu ehelichen.
Im Nibelungenlied ist es Brünhild, der Siegfried die Treue verspricht und sein Wort bricht, als er Kriemhild heiratet und Gunther hilft, Brünhild zu bezwingen und zu ehelichen. So entsteht ein furchtbares Sippendrama, das mit dem Tod aller Beteiligten endet.
Die Erzählung um die Walküre, deren poetische Ausschmückung im Mittelalter vor allem die Kirche zum Anlass nahm, die himmliche Vereinigung "hiros gamos", die Hoch- Zeit des Menschen, zu verklären, dürfte auf weit älteren Einweihungsriten wie dem keltischen Beltane- Fest beruhen. Es gibt einige Hinweise darauf, daß manche weise Frauen als Priesterinnen der Göttin darauf spezialisiert waren, Männer durch sexualmagische Techniken (Seidr) Weisheit und Wissen zu lehren.
Andwari, ein Zwerg, ist der ursprüngliche Hüter des Nibelungenschatzes der Rheingolds. Er gehört zum Geschlecht der Schwarzalben, hat dieses Gold zuvor den Rheintöchtern entwendet und besitzt die Gabe des Gestaltenwandels. Sein zu Hause wird als "Fors", ein Wasserstrudel, angegeben, den ihm eine böse Norne zugewiesen haben soll. Gleich einem Drachen wacht er mit akribischer Vorsicht darüber, dass keines der kostbaren Kleinode abhanden kommt. Der berühmte Ring Andwaranaut ist der wesentlichste Teil dieses Schatzes, da ihm golderzeugende Kräfte nachgesagt werden, ähnlich dem Draupnir- Ring.
In einigen deutschen Sagen trat an die Stelle des Ringes gelegentlich die Wünschelrute, die ihrem Eigner zum Schatz hinführte. Wer das Glück besaß, den Wächter eines Hortes zu überlisten oder zu besiegen, hatte jedoch nur dann Freude an seiner Beute, wenn der Schatz nicht verflucht war.
Ein Kenning für das Rheingold lautet "Otterbuße" und die dazugehörige Sage lautet folgendermaßen: Die drei Asen Odin, Hönir und Loki wandern durch die Welt. Als sie Hunger verspürten, entdeckten sie an einem Fluss einen Otter, der einen Lachs erbeutet hat. Loki tötet das Tier mit einem Steinwurf, wodurch er dieses und dessen Fang auf einmal erbeutet. Bald darauf kommen die drei an den Hof des König Hreidmar, der in dem abgezogenen Otterfell, welches Loki bei sich führt, als seinen ermordeten Sohn erkennt. Der König befiehlt die drei Fremden einzusperren, worauf Odin dem Hreidmar Lösegeld für seinen erschlagenen Sohn anbietet. Der König nimmt das Fell und verlangt, das Balg gänzlich mit Gold auszufüllen, worauf Odin nun Loki nach Swartalheim schickt, um dort das Rheingold zu bergen. Zuvor besorgt sich Loki von der Meeresriesin Ran deren Netz, um damit Andwari zu fangen, der dir Gestalt eines Hechtes angenommen hat. Als Loki dies gelungen ist und der Zwerg im Netz zappelt, droht er, ihn nur gegen Herausgabe des Goldes wieder freizugeben. Da schleppt Andwari den gewaltigen Schatz hervor, nur einen kleinen Ring schiebt er in seinen Ärmel. Das aber sieht Loki und verlangt auch diesen. Obwohl Andwari flehentlich bittet, ihm diesen Ring doch zu lassen, da er sich mit diesem wieder mehren könne, besteht Loki auf den Ring. Darauf fängt der Zwerg fürchterlich an zu toben an und verflucht den Schatz über mehrere Generationen, dann fällt er tot zu Boden. Loki erwidert zuletzt, der Spruch werde sich dadurch erfüllen, dass er ihn jenem zu Gehör bringen wolle, der den Ring als nächstes empfange. So geschieht es auch und der verfluchte Andwaranaut bringt all seinen nachfolgenden Eignern Unheil und Verderben. Zunächst der Sippe Hreidmars, dann Siegfried und Brünhild, die ihr Verlöbnis mit dem Ring besiegeln, später Kriemhild, die den Ring als Morgengabe erhält und schließlich das gesamte Burgundergeschlecht.
Der Mythos von der Verderblichkeit des Goldes, die alle Völker heimsucht, sobald sie erst einmal ins Zeitalter das Materialismus eintreten, ist aktuell wie nie zuvor. Schon Tacitus bezeugte eine instinktive Scheu vieler Germanen vor zuviel gleißendem Golde, da es im Menschen Gelüste wecke, die ihn völlig von sich entfremden. So heißt es in einem altnorwegischen Runengedicht: "Gold führt in der Sippe zu Zwietracht und Hader".
Rheingold lautet die Bezeichnung für den sagenumwobenen Hort, der im Nibelungenlied von dem Zwerg Alberich gehütet wird. Ursprünglich soll dieses Gold auf das Geschlecht der Alben zurückgehen, die im Laufe der Jahrhunderte die kostbarsten Reichtümer herstellten und zusammentrugen. Die Edda berichtet, dass der Zwerg Andwari, welcher in Gestalt eines Fisches den Schatz verwaltet, eines Tages von dem Gott Loki gefangen und zur Herausgabe des Schatzes genötigt wird. Darauf verhängt der Zwerg einen furchtbaren Fluch über das Gold, das im Verlauf der Sage mehrmals den Besitzer wechselt und jedem folgenden Eigner Unglück beschert.
Im Zusammenhang mit der Verderblichkeit des Goldes steht vor allem die Gestalt Fafnirs, der als Erstgeborener König Hreidmars den Vater tötet, als dieser sich weigert, das Gold mit seinen Söhnen zu teilen. Fafnir flieht mit dem Schatz und verjagt seinen jüngeren Bruder Regin, der fortan auf Rache sinnt. Darauf schafft Fafnir den Schatz in eine Höhle, legt sich zu seinem Golde und verwandelt sich schließlich in einen Drachen, der später von Siegfried bezwungen wird.
In einer leicht abgeänderten Version besiegt Siegfried zunächst die Brüder Schilbung und Nibelung, die ihn zuvor baten, das Gold zwischen ihnen beiden gerecht aufzuteilen. Er wird zum König des Nibelungenreiches und setzt den Zwergen Alberich als Schatzwächter ein. Später wird der Hort auch Siegfried zum Verhängnis.
Dass an den Besitz kostbarer Dinge nicht selten Unheil und Verderben geknüpft sind, wissen viele Fabeln zu berichten. Ebenso häufig werden diese Reichtümer von Drachen oder Schlangen bewacht, die mit Vorliebe auf dem Golde liegen und es zuweilen nach draußen schaffen, um darin ein Bad zu nehmen und es mit Sonnenkraft "aufzutanken". Daher stammt das Kenning "Wurmbett", auf dem der Drachen leuchtend liegt. Die Faszination unermesslicher Schätze wurde von den schon christlich beeinflussten Sängern geschickt mit den teuflischen Absichten der Schlange verbunden, deren dunkle Sinne einen beseelten, wenn man der Gier des Goldes erlag. Drachen und Schlangen werden jedoch noch weitere Eigenarten nachgesagt. Wie manche Riesen sind sie oft weise und hochbetagt. Der Genuss ihres Herzens vermag einem auf wunderbare Weise die Sprache der Tiere zu vermitteln und das Bad in ihrem Blute beschert die berühmte Unverwundbarkeit. Ihre zwingende Sucht nach Gold ist jedoch sprichwörtlich und sie geraten in fürchterlichen Zorn, sobald man ihnen auch nur ein einziges Kleinod raubt.
Bis zuletzt versuchen die verschiedensten Personen in den Besitz des Rheingoldes zu gelangen, bis schließlich Hagen von Tronje dem ein Ende setzt. Er versenkt den ganzen Schatz an einer tiefen Stelle des Rheins, wo er auch heute noch, von den Rheintöchtern bewacht, liegen soll.
Siegfried oder Sigurd, der glorreiche Drachentöter, findet sich in den Epen und Liedern verschiedener europäischer Länder und gilt bis heute zweifelsohne als der strahlende Held schlechthin, der mutig, tapfer und unbesiegbar in die Welt hinauszieht, um große Taten zu vollbringen und sich Ruhm und Reichtum zu verschaffen. Seine Kraft entspricht seinem übergroßen Wuchse, und dementsprechend mächtig sind seine Utensilien. Sein Schwert Gram oder Balmung wurde einst von den Göttern geschaffen, und sein Pferd Grani ist ein Nachkomme des achtbeinigen Götterpferdes Sleipnir, seine bekannteste Heldentat ist die Überwindung des Drachen Fafnir. Durch ein Bad im Blut des erschlagenen Lindwurms verhornt seine Haut, so das keine Waffe ihn fortan mehr zu ritzen vermag. Er verzehrt das gebratene Herz des Drachen und versteht darauf die Sprache der Vögel, die ihn sogleich vor seinem Ziehvater, dem habgierigen Schmiedemeister Regin warnen. Nur an einer Stelle auf Siegfrieds Rücken, wo sich zur Zeit des Blutbades ein Lindenblatt befand, ist er noch, gleich der Verse des Achilles, verwundbar. Dieser Fleck unter seinem Schulterblatt wird ihm später zum Verhängnis, als ihn an einer Wasserquelle von hinten der Speer des verräterischen Hagen durchbohrt (bei den Wölsungen das Schwert des Gutthorm).
Im dritten Sigurd- Lied der Edda ist nachzulesen, dass an seinem Leben weder Tadel noch Fehl zu finden seien, "doch inmitten gingen grimmige Nornen", was auf die Boshaftigkeit dunkler Schicksalsmächte verweist, die schließlich einen Weg finden, den ahnungslosen Jüngling dahinzuraffen. Im Nibelungenepos hingegen erscheint Siegfrieds natur nicht ganz so selbstlos und frei von Fehl. Um an Kriemhild heranzukommen, ist er bereit, König Gunther bei der Werbung um Brünhild beizustehen, derer er sich selbst zuvor verlobt hat und somit sein Versprechen bricht. In der nordischen Version wird dieser Makel durch einen Vergessenheitstrunk geschmälert, den Sigurd von der ränkischen Königsmutter erhält.
Ob Siegfried als Person jemals gelebt hat, lässt sich bis heute nicht nachweisen, so das weiterhin Unstimmigkeit über Ursprung und geschichtlichen Hintergrund bestehen. Manche Forscher wollen in ihm den germanischen Heerführer Arminius erkennen, der die römischen Legionen im Teutoburger Wald besiegte, die zuweilen Drachenbilder auf ihren Bannern trugen. Allgemein gilt der Held jedoch als reine Erfindung frühmittelalterlicher Dichtkunst, die verschiedene Höfe und Länder für sich entdeckten und je nach Gesinnung ummodifizierten. Die Faszination dieses alten Erzählstoffes inspirierte zu Beginn des 20- Hj. Maßgeblich die neu aufkommende deutsche Nationalromantik und hat auch bis heute nichts an ihrer Faszination verloren. Vor allem Richard Wagners opulenter Ring- Zyklus trug dazu bei, die sagenumwobene Gestalt des blonden germanischen Hünen zum Idealtypus deutscher Mannhaftigkeit zu erheben.
Brünhild ist im deutschen Nibelungenlied die Herrscherin von Island. Als große, kluge und starke Kämpferin und Walküre hat sie das Gebot erlassen, nur denjenigen zu ehelichen, der sie zuvor im fairen Kampf besiegt hat. Als Gunther, König der Burgunder, davon hört, macht er sich gemeinsam mit Siegfried und Hagen auf den Weg, um die Hand der schönen Walküre zu gewinnen. Mit Hilfe einer List von Siegfried gewinnt Gunther den zu bestehenden Zweikampf und führt die nun bezwungene als Braut an seinen Hof. Der sich ihr darauf im Schlafgemach nähernde Ehemann wird jedoch rasch als Schwächling entlarvt und kurzerhand an seinem Gürtel an einen Haken bis zum Morgen aufgehängt. Einige Jahre darauf deckt die misstrauische Isländerin den Betrug auf. Tief gekränkt und in ihrer enttäuschten Liebe von Zorn und Hass auf die Intriganten erfüllt, gibt sie solange keine Ruhe, bis Hagen sich schließlich bereit erklärt, Siegfried zu töten.
Im nordischen Wölsungenepos ist die Walküre eine Tochter Atlis (Etzel oder Attila) und galt als grimmig und streitbesessen, die zur Strafe, weil sie allzu viele Krieger in der Schlacht gefällt und somit gegen Odins Willen aufbegehrte, von diesem in einen tiefen Schlaf versetzt wird. In einer von einem Flammenring (Waberlohe) umgebenen Schildburg, gelobt sie, lediglich jenen Mann zu heiraten, der den Mut besitzt, durch die Feuerwand zu reiten. Dies ist später Sigurd (Siegfried), allerdings in Gunnars (Gunthers) Gestalt. Als die Täuschung herauskommt, stiftet Brynhild die Brüder Gudruns (entspricht Kriemhild) zum Mord an Sigurd an. Als dies geschehen ist, tötet sie außerdem Sigurds dreijährigen Sohn Sigmund (nach dessen Großvater benannt), um sich danach selbst das Leben zu nehmen. Am Ende wird eine Begräbnisstätte errichtet, wo man sie gemeinsam verbrennt.
Manches spricht dafür, dass die nordische Brynhild mit der Walküre Sigdrifa identisch sei, die zuvor Sigurd in die Geheimnisse der Runen einweihte und ihm auch sonst noch manch nützlichen rat mit auf den Lebensweg gab. In Brynhilds Gestalt vereint sich auf besondere Art und Weise das in späteren Zeiten entstandene Bild der klugen, anmutigen Schwanenjungfrau und der streitstiftenden, unbeugsamen Schildmaid, die Männer in den Kampf hetzt, um sie Odin zuzuführen. Nicht erst seit Richard Wagner zählt die Walküre zu den bekanntesten Gestalten des Altertums, so dass man kräftigen Frauen noch bis vor kurzem eine "brünhildenhafte" Gestalt zuschrieb.
Als historisches Vorbild hat mit größter Wahrscheinlichkeit jene Brünhild gedient, die um das Jahr 550 in Spanien, als Tochter des Westgotenkönigs Athanagild geboren wurde. Später ehelichte sie König Sigibert, den 1. Herrscher des merowingischen Ostgebietes Austrien. Das sie schließlich nach Island gelangte, liegt wohl darin begründet, dass das Lied vom Drachentöter durch unzählige Varianten erweitert und umgedichtet wurde und sich Sagen in Island lange Zeit fernab des Christentums erhalten konnten. In der Vulkanlandschaft dieser Insel dürfte der Ursprung der vielbedeutenden "Waberlohe" auch am ehesten zu suchen sein.
Kriemhild ist im Nibelungenlied die Tochter von Königin Ute und König Dancrat, dem Herrscher über Burgund. Ihre Brüder sind Gunther, Giselher und Gernot. Behütet wächst sie am Königshofe auf, wo sie sich in anmutiger Schönheit und Tugend von allen anderen Frauen abhebt. Ein böser Traum prophezeit ihr jedoch ein schweres Schicksal, das schon bald darauf seinen Lauf nimmt, als Siegfried, der ruhmreiche Drachentöter, nach Worms geritten kommt. Beide verlieben sich aufs heftigste ineinander und nach manchen Begebenheiten kommt es endlich zur Heirat. Doch die glückliche Zeit währt nicht lange. Siegfried, der aufstrebende Held, der sich zunehmend Macht und Ansehen erwirbt, ist den Burgundern schon bald ein Dorn im Auge. Ein Gemisch aus Intrigen, Eifersucht und ungeklärten Machtverhältnissen führen schließlich zum Tod des Drachentöters, der von Hagen auf einer fingierten Jagd hinterrückst gemeuchelt wird. Seinen leblosen Körper legt man Kriemhild vor die Türe ihrer Kemenate. Wie versteinert kniet die junge Frau am nächsten Morgen vor der Leiche ihres Mannes. Keine Träne vermag sich zu lösen, bis die Mägde ihr den Rat geben, den Gatten noch einmal zu umarmen, worauf sich aller Schmerz, Ohnmacht und Verzweiflung entladen. Ihr weiterer Lebensweg ist von Trauer und zwanghaften Rachegedanken auf Hagen und ihre Brüder erfüllt, die schließlich den blutigen Untergang des gesamten Nibelungengeschlechtes am Hofe des Hunnenkönigs Attilas zur Folge haben.
Die dramatische Gestalt Kriemhilds wandelt sich im Verlauf der Geschichte von der holden Jungfer zum grimmigen Todesengel. Diese drastische Entwicklung ist vor allem dem Dichter des Liedes zu verdanken, der in Kriemhild die Charaktere von zwei verschiedenen Frauen zusammenfasste, welche ihm als literarische Vorlagen dienten. In der Rolle der sittsamen Königstochter findet sich eine schier gänzliche Übereinstimmung mit der Gudrun aus der nordischen Wölsungensage. Doch während Kriemhild rachsüchtig die Initiative ergreift, fügt Gudrun sich in ihr Schicksal und versucht auch weiterhin, ihre Brüder vor der Goldgier ihres Gatten Attilas zu schützen. Als sie scheitert und ihre Sippe den Tod am Hofe des hunnischen Herrschers erleidet, wartet Gudrun geduldig die Siegesfeierlichkeiten ab, um die erschöpften Zecher bei Nacht in Atlis Halle niederzubrennen.
Chronisten sehen Kriemhild/ Gudrun als dichterische Nachfolgerin der germanischen Hildico (Hildchen), die um 453. n.u.Zt. den Hunnenfürsten Attila heiratete und in dessen Todesnacht an seiner Seite war. Trotz dieser offensichtlichen Parallele hat sich der Dichter noch von einer ganz anderen Frau inspirieren lassen. Ihr Name: Gisela, die später als Äbtissin heilig gesprochen wurde, war schon frühes Opfer gefälschter Chroniken, die versuchten, aus ihr eine hinterhältige Mörderin zu machen.
Regin ist einer der drei Söhne des König Hreidmar und übt das Handwerk des Schmiedens aus. Die Wölsungensage berichtet folgendes über ihn: Nach dem die drei Asengötter Odin, Hönir und Loki dem Hreidmar das Rheingold als Wergild für dessen erschlagenen Sohn Ottur (Otter) ausgehändigt haben, verfallen der König und seine beiden Söhne Regin und Fafnir gänzlich der dunklen Anziehungskraft des Goldes. Es kommt zum Streit, in dessen folge die Söhne ihren Vater töten. Sie raffen de Hort zusammen und fliehen. Fafnir, der Stärkere der beiden, jagt Regin fort und legt sich von da ab auf das verfluchte Gold, worauf er im Laufe der Jahre zu einem Drachen regrediert. Niedergeschlagen, ohnmächtig und voller Zorn auf seinen Bruder, geht Regin darauf in die Fremde. Er begegnet einem Zwerg namens Windhalf, der ihn unter der Erde in die vollständige Schmiedekunst der Schwarzalben einführt.
Schließlich gelangt Regin zu König Hialprek, dem Ziehvater des jungen Sigurd (Siegfried). Als er an dessen Hof zu schmieden beginnt, bittet der König Regin, den kräftigen Regin in die Lehre zu nehmen. So reift in dem alten Schmied ein heimtückischer Plan heran, wie er den Jüngling für seine Zwecken nutzen kann. Immer wieder erzählt er Sigurd von Fafnir, dem riesenhaften Lindwurm und reizt ihn damit, dass es wohl keine größere Heldentat auf Erden für einen Kämpfer gebe, als einen Drachen zu erschlagen. Zuvor muss er noch drei Schwerter für Sigurd fertigen, denn erst das letzte hält der gewaltigen Kraft des Jünglings stand. Mit dieser Waffe ausgerüstet macht sich Sigurd auf, den Drachen zu bezwingen, während Regin den Kampf aus sicherer Entfernung beobachtet. Als Fafnir besiegt in seinem Blute liegt, schneidet Regin dem Drachen das Herz aus dem Leib mit der Bitte an Sigurd, es ihm zu braten, während er selbst etwas schlafen wolle. Der Jüngling tut wie ihm geheißen, kostet dabei aber versehentlich selbst von dem Herzen und versteht plötzlich die Sprachen der Vögel, die ihm vor dem Verrat seines Lehrherren warnen. Da nimmt Sigurd sein Schwert, trennt Regin den Kopf vom Rumpf und isst selbst das Drachenherz. So finden die beiden unrühmlichen Brüder nach vielen Jahren am selben tage den Tod.
Im Nibelungenlied spielt Regin keine erachtenswerte Rolle. Nachdem er von seinem Bruder fortgejagt wird, fristet er ein erbärmliches Dasein im Unterholz und degeneriert über die Jahre zu einem verschrumpelten Gnom, der hasserfüllt auf eine Gelegenheit wartet, es seinem Bruder heimzuzahlen. Als sich diese durch Siegfried ergibt, wiederholt sich das eben geschilderte Szenario. Der Schmiedemeister, bei dem Siegfried sich zuvor sein Schwert anfertigt, ist hier ein verräterischer Zwerg Namens Mime.
Das Wort "regin" (auch rigndomr), ist im Nordischen und Sächsischen bezeugt und bezeichnete eine ratende und richtende Versammlung der Götter, ähnlich dem Thing. "Ragin" im Altgotischen bedeutet "Rat", so dass "regin" die Götter als Rater und Richter umschreibt, deren einmal gefälltes Urteil das menschliche Schicksal bestimmte. Den Ziehvater Sigurds durch seinen Namen als (falschen) Ratgeber und das daraus für Sigurd entstehende Schicksal zu deuten, wäre somit zwar nahe liegend, bleibt jedoch nur moderne Spekulation.
Gunther, König der Burgunder, herrscht im Nibelungenlied gemeinsam mit seinen beiden jüngeren Brüdern Giselher und Gernot über Worms. Sein treuer Waffenmeister und Berater ist der grimmige Hagen, der ihm bis zum Tod zur Seite steht. Obwohl König Gunther gemeinhin als großer Kämpfer und Herrscher aufgeführt wird, ist doch nicht zu übersehen, dass er bei wesentlichen Entscheidungen und Taten auf menschlicher Ebene versagt. In einer eher unrühmlichen Begebenheit des Walthariliedes aus dem 9. Jh. erliegt Gunther der Gier nach Gold, welches er in den Satteltaschen des Ritters Walther vermutet, der sich mit seiner Verlobten Hildegund auf der Flucht vor den Hunnen befindet. Um an das Gold zu gelangen, hetzt Gunther viele seiner Getreuen in den Tod und die Geschichte endet damit, dass alle Beteiligten schwere Wunden davontragen.
Im Nibelungenlied zieht der König aus, um die Walküre Brünhild zu freien. Zuvor aber muss er sich mit dieser in drei Wettkämpfen messen. Ohne die heimliche und tatkräftige Hilfe Siegfrieds scheint ihm der Tod sicher, doch Dank einer unsichtbar machenden Tarnkappe, streitet dieser erfolgreich anstelle des Königs. Später verhilft Siegfried Gunther erneut zum Triumph, als sich diesem die kräftige Brünhild im Schlafgemach verweigert und den schwächlichen Gatten kurzerhand mit ihrem Gürtel an einen Haken hängt. Als Brünhild den Betrug durchschaut, stachelt sie Hagen und Gunther dazu auf, Siegfried ermorden zu lassen. Gunther, der in seiner Rolle als König stets hoch hinaus will, findet sich schließlich mit den eigens entfesselten Schicksalskräften überfordert. Am Ende der Sage sterben er, seine Brüder, Hagen und sämtliche burgundischen Kämpfer am Hofe Attilas, wo Kriemhild an ihnen allen grausame Rache nimmt.
Gunnar lautet sein Name im nordischen Wölsungenepos. Dort ist er der Sohn der Grimhild (Uote) und des Königs Gjuki (Dancrat). Högni (Hagen) ist sein Bruder und beide stiften den gemeinsamen Halbbruder Guthorm zum Mord an Sigurd (Siegfried) an. Später werden sie von Atli (Attila/ Etzel), dem Bruder der Brynhild, an dessen Hof gelockt, da der Hunnenherrscher das Rheingold in seinen Besitz bringen möchte. Högni wird das Herz herausgeschnitten, während Gunnar sein Leben in einer Grube voller giftiger Schlangen aushaucht.
Geschichtlichen Quellen zufolge handelt es sich um jenen König Gunther, der im Jahre 411 einen Vertrag mit den Römern schloss und das Volk der Burgunder über den Rhein brachte.
In viele Kulturen galt der König als sichtbarer Ausdruck des schaffenden Schicksals und Glück seines Landes. Als oberster Repräsentant seines Volkes musste er sich stets im Vollbesitz seiner Vitalität befinden, die er zuweilen öffentlich unter Beweis zu stellen hatte. Traten Mängel, Versagen oder Altersschwäche auf, wurde er abgesetzt oder rituell getötet.
Slepnir, der schnelle Läufer, ist der achtbeinige graue Schimmel des Göttervaters und das schnellste aller Asenpferde. Gezeugt wurde das Tier von dem kräftigen Arbeitshengst Swadifari, den Loki in der Gestalt einer Stute von seinem Vorhaben ablenkte, die Burg der Asen fristgerecht zu vollenden. Das Ergebnis dieses gelungenen Ablenkungsmanövers ist schließlich Sleipnir, das als Schamanenpferd schlechthin gilt, da es seine Reiter rasch in alle Welten trägt. Auf seinen Zähnen sollen gar Runen eingeritzt sein. In einem Lied übergibt Odin das Pferd an seinen Sohn Hermod, damit dieser auf seinen Rücken zur Hel gelangen kann, um dort für Balders Freilassung zu verhandeln. Ein andermal wettet Odin mit dem Riesen Hrungnir, das dessen Pferd Gullfaxi es nicht mit Sleipnir aufnehmen könne. Sie reiten um die Wette, und es ist der Allvater, der zu erst in Asgard eintrifft. Zu den Ragnarök, dem letzten großen Gefecht zwischen Göttern und Riesen reitet der einäugige Gott ebenfalls auf seinem treuen Grautier, das wie er im Rachen des Fenrirwolfes endet.
Odin in reitender Gestalt findet sich auf einigen skandinavischen Bildsteinen aus dem 8. Jh. Manche dieser Abbildungen zeigen sein Ross mit acht Beinen, andere hingegen nicht. Dies führte zu Spekulationen, dass die Darstellung der achtfachen Hufe damaligen Steinmetzen lediglich zum Zwecke der Veranschaulichung von Sleipnirs Geschwindigkeit gedient haben könnte, diese Steinritzungen somit erst zum Enstehungsmythos vom achtbeinigen Reittier geführt hätten. Odin selbst hingegen führte einige Namen, die deutlich seine Beziehung zu Pferden aufzeigen. Als da wären zu nennen: Hrossharsgrani (Rosshaarsgrauer), Jalkr (Wallach) oder Atridi (der Zureitende).
Über viele Jahrhunderte waren Pferde die wichtigsten und vertrautesten Begleiter der Menschen, und in der nordischen Mythologie wird manchem Gott oder Helden ein mit besonderen Fähigkeiten ausgestattetetes Tier zur Seite gestellt, um Größe und Ansehen seines Besitzers noch zu unterstreichen. So soll z. B. Grani (der Graue), das Pferd des Siegfried, direkt von Sleipnir abstammen. Starb ein Krieger oder Häuptling, begrub oder verbrannte man mit ihm sein bestes Ross, damit dieses ihn in die Anderswelt trug, um ihm dort ebenfalls treu zur Seite zu stehen.
Die kultische Verehrung des Pferdes reicht bei den Germanen bis weit in die Bronzezeit zurück. Man hielt sich die Tiere in heiligen Haien, um durch ihr Verhalten kommende Ereignisse deuten zu können. Neben ihrem großen Nutzen für Krieg und Ackerbau besaßen sie ebenfalls hohen Wert als Opfertiere für die Götter. Der beeindruckende Penis des Hengstes (Völsi) galt vielfach als Fruchtbarkeitssymbol und man grub ihn auf Plätzen ein, von wo man sich entsprechendes Wachstum erhoffte.
In Nordisland existierte eine hufeisenförmige Schlucht mit Namen "Asbyrgi" die einer alten Sage nach durch einen Hufabdruck Sleipnirs entstanden sein soll. Sleipnir oder Sleipner war ferner ein beliebter Name für deutsche Kriegsschiffe während des 3. Reiches. Der Name "sleipnis verdr" war hingegen eine dichterische Benennung für Heu. Am Schluß sei noch ein altes Rätsel aus der Edda zu erwähnen, das die enge Verbindung zwischen Gottheit und Pferd beschreibt. Was hat drei Augen, zehn Füße und einen Schweif?
Hugin und Munin sind ein Rabenpärchen, das dem Göttervater zuweilen auf den Schultern sitzt, um ihm dort Neuigkeiten ins Ohr zu flüstern. Ihre Namen bedeuten "der Gedanke" und "Erinnerung/Gedächtnis". Im Morgengrauen schickt Odin sie hinaus zum Flug über die Welten. Am Abend kehren sie dann wieder heim und überbringen dem Allvater alles Wichtige, das ihnen auf ihren Rundflügen begegnet. Daher nennt man Odin auch Hrafnagud, den Rabengott.
In der Mystik und Symbolik gilt der Rabe allgemein als Sammelbegriff für die Rabenkrähe, die Saat- oder Nebelkrähe und den Kohlraben (corvurs corax). Der Rabe zieht seine Spur durch die Mythen vieler Völker und schon früh beeinflusste er in hohem Maße das Denken und Handeln der Germanen. Er gilt als neugieriger, gelehriger und kluger Vogel, der sich durch seine auffallende Intelligenz und sein schwarzglänzendes Gefieder von allen anderen Vogelarten abhebt. Sein durchdringendes Gekrächze erschreckt schon manch einsamen Wanderer, während sein Anblick auf gefrorenen, kahlen Äckern zuweilen bedrückende Gefühle von Trostlosigkeit und tiefer Todesmelancholie auslöst.
Der Rabe gilt als Aasfresser, der sich in früheren Jahrhunderten besonders gerne auf Galgenhügeln und Schlachtfeldern niederließ, um sich an den Toten gültig zu tun. Heutzutage trifft man ihn eher auf Mülldeponien und frisch eingesäten Äckern an. Sein Auftreten war stets unweigerlich mit dem Tod verbunden, weshalb man ihn auch heute noch häufig "Totenvogel" schimpft. "Ein Fressen für die Raben" ist ein altes Kenning, das einen Todgeweihten oder bereits erschlagenen Feind umschreibt. In seiner Eigenschaft als Todesbote wurde dem Raben eigens an Ehrfurcht entgegengebracht, denn er galt als Mittler zwischen den Lebenden und der luftigen Wind der Geister. Da man ihm die Fähigkeit zuschrieb, die geheimnisvollen und schauderhaften Mysterien der Anderswelt zu erkunden, wird ersichtlich, warum Odin, dem Meisterschamanen und Zauberer, zwei Raben als kenntnisreiche Gehilfen zur Seite stehen. Diese traditionelle Rolle des Vogels lässt sich noch bis ins letzte Jahrhundert zurückverfolgen, wo sich Wahrsager, Hexen, Zauberer und allerlei fahrendes Volk, Raben als Assistenten oder unentbehrliches Markenzeichen hielten.
Es finden sich schriftliche Hinweise darauf, dass unsere Vorfahren immer wieder versuchten, die Sprache und Handlungen der Vögel zu deuten. So wird von Seefahrern berichtet, die Raben für navigatorische Zwecke mit sich führten. Man ließ die Vögel auf offener See frei und folgte ihnen in der Hoffnung möglichst schnell Land zu finden. In einer Erzählung wird dem Odin ein Opfer dargebracht, als daraufhin zwei Raben krächzen, gilt das Opfer als angenommen.. Darstellungen des 6. und 7. Jh. Zeigen Odin mehrmals in Begleitung zweier Vögel, was dazu führte, dass Forscher in seinen Raben Hugin und Munin die personifizierten intellektuellen Eigenschaften des Gottes sahen. Möglicherweise in Anlehnung an alte überlieferte Schriften, in denen der Rabe auch als "Vater des Geistes" bezeichnet wird.
Fenrir ist die schreckliche Bestie, die wegen ihrer Gefährlichkeit von den Göttern an eine Kette gelegt wird. Über die Herkunft des Wolfes wird in der Edda folgendes berichtet: Loki, der spätere Verderber der Götter, soll das Tier inst mit der zauberkundigen Riesin Angrboda (Sorgenbringerin) gezeugt haben, einer argen Hexe, die tief im dunklen Eisenwald haust, wo sie ebenso die Schlange Jörmungand, sowie die Todesgöttin Hel gebiert. An anderer Stelle heißt es, dass Loki selbst diese "Höllenbrut" zur Welt bringt, nachdem er das verkohlte, böse Herz einer Riesin gegessen hatte.
Nach ihrer Geburt beobachteten die Götter diese drei seltsamen Geschwister zunächst. Als jedoch ein Orakel prophezeit, das durch Lokis Kinder großes Unheil drohe, verbannt Odin die Hel in die Unterwelt, wirft Jörmungand ins Meer und bestimmt den Kriegsgott Tyr als Wächter und Ziehvater für den Fenrirwolf. Als das Tier jedoch von Tag zu Tag kräftiger und sein Hunger immer größer wird, beschließen die Asen, ihn aus Sicherheitsgründen an eine Kette zu lege. Eine starke Fessel mit Namen Leding wird geschmiedet, die der Wolf mit Leichtigkeit zerbricht. Eine zweite Kette, Dromi genannt, hält ebenfalls nicht stand. Schließlich schicken die Götter Skirnir nach Swartalfheim, um dort von den in der schwarzen Kunst bewanderten Zwergen eine magische Kette schmieden zu lassen, die das Tier nicht zerreißen kann. Diese Fessel erhält den Namen Gleipnir und besteht aus sechs sonderbaren Dingen: dem Gang der Katze, dem Bart der Frau, den Wurzeln der Berge, den Sehnen des Bären, dem Atem des Fisches und dem Speichel des Vogels. Darauf locken die Asen den Wolf unter einen Vorwand auf die Insel Lyngwi, die im See Amswartni liegt, und fordern das Tier auf, an dem neuen Band seine Stärke zu beweisen.
Da Fenrir jedoch eine List vermutete, verlangt er, dass einer der Götter seine Hand als Pfand in seinen Rachen lege, damit man ihn nicht täusche. Da erschrecken die Asen, einzig Tyr tritt mutig hervor und legt seinen Arm ins Maul des Wolfes. Die Fessel wird angelegt und hält stand, worauf Tyr seine Hand verliert. Nun binden die Götter das Tier an einem Felsen fest, auf den sie eine schwere Felsplatte Namens Thwiti legen. Als Fenrir wütend um sich schnappt, klemmen sie ihm zusätzlich ein Schwert zwischen die Kiefer, wodurch aus seinem offenen Rachen beständig ein giftiger Geiferstrom trieft. Zum Endkampf zwischen Göttern und Riesen (Ragnarök) sprengt Fenrir seine Ketten und die "Wolfszeit" bricht an. Sein Ende findet das Tier durch den starken Widar, der ihm mit seinem klobigen Schuh in den Rachen tritt.
Der Name Fenrir lässt sich in etwa mit "Sumpf" umschreiben, wonach der Wolf ursprünglich wohl als Sumpfbewohner galt. Wölfe, die in der Vergangenheit in zahlreichen Rudeln ganz Europa durchstreiften, stellten für die Menschen und ihre Tiere eine große Gefahr dar, weshalb ihre eschatologische Funktion im mythischen Weltbild der Edda gänzlich die dunkle und dämonische Seite verkörpert. Im Mittelalter wurde der Wolf von der Kirche schließlich zum Sinnbild des Teufels erhoben, der als gieriger, gerissener Räuber ständig auf unvorsichtige Schäfchen lauere , um sich deren Seelen einzuverleiben.
Aar lautet die altnordische und zuweilen auch bei uns gebräuchliche (aber veraltete) Bezeichnung für den Adler. In der Edda heißt es, ein vielwissender Adler sitze als mächtiges geflügeltes Wesen im Gipfel der Weltenesche, von wo aus er, gleich Odin von seinem Hochsitz Hlidskjalf (am Tor zur himmlischen Bläue des Geistes) das Weltgeschehen überblicken könne. Nichts entgeht seinem scharfen Verstand und seinen wachen Augen, wenn sein Blick über die Erde streift. Man sagt, er sei sehr alt und wissend, aber auch leicht verdrießlich, da er beständig die (Un)Taten der Menschen erschauen müsse. Zuweilen soll ein Habicht mit dem Namen Wederfölnir (der Wetterkundige) zwischen seinen Augen sitzen. Das Eichhörnchen Ratatösk überbringt dem Adler beständig Nachrichten von der Schlange Nigdhögg, die am unteren Ende der Weltenesche haust.
Im Norden Skandinaviens galt der Aar den Menschen lange Zeit als kollektiver Schutzgeist, dem sie den Namen "eyeafördur" gaben. Man stellte sich ihn als gewaltigen Vogel vor, dessen riesige Flügel quer über die Fjorde, von einem Berg zum anderen, reichten.
Ein Name Odins lautet Arnhöfdi, was den Göttervater als "Adlerhaupt" umschreibt, der sich einmal dieser Gestalt bedient, um seinen geraubten Skaldenmet (Swafnir) in Sicherheit zu bringen. Auch ist von einem Adler die Rede, welcher die Walküren umflattert, durch den diese ihre direkten Befehle von Odin erhalten sollen.
Selbst Riesen nehmen des Öffteren die Gestalt dieses Tieres an. Im altnordischen Volksglauben sitzt Hraesvelgr (Leichenverschlinger oder Fleischfresser), ein gewaltiger Riese in Adlergestalt, am nördlichen Ende des Himmels und wenn er sich erhebt, kommen von seinen Flügelgleichen Armen alle Winde über die Welt. Als Sturmwind war er als großes, gefräßiges Wesen gefürchtet, das zeitweise gewaltige Stürme entfesselte, um seinen Hunger zu stillen. Gleichzeitig aber nahm der entfachte Wind ebenso jeglichen Aasgeruch und Moder mit sich und trug so zur willkommenen Reinigung der Luft.
Wenn nach dem Skaldskaparmal Odin auf Sleipnir mit dem Riesen Hrungnir über Berge und Meere um die Wette reitet und beide durch die Lüfte dahinstieben, jagen sich der Sturmgott und sein Ur-Rivale, der Sturmriese. Denn auch Odin/Wotan wurde als Bringer des alles durchdringenden und Lebensspenden Windes gedeutet, der zum Einen das Bewusstsein brachte und zum Anderen als Oskabyr (Wunschwind) den nötigen Wind für die Schifffahrt gab. Auch die "Oskorei" die durch die Sturmwinde dahinfahrende und von Wuotan angeführte wilde Jagd, findet hier ihre Entsprechung.
Allgemein ist der Adler das bekannteste Symboltier himmelsstürmender Mächte, mutiger Wehrhaftigkeit, Geschicklichkeit und ungebrochenen Freiheitsdrang. Seine Gestalt ist zahlreich in der Heraldik vertreten und ziert manches Staatsemblem. Seine Flügelspannweite kann sich bis über zwei Meter erstrecken, was ihm auch den Beinamen "König der Lüfte" einbrachte.
Ratatösk ist die nordische Bezeichnung für das in unseren Breitengraden weit verbreitete Eichhörnchen, das mit einer grösseren Zahl anderer Tiere den germanischen Weltenbaum bevölkert. Dem Eichhorn, auch Nagezahn oder Rattenzahn genannt, kommt dabei eine besondere Bedeutung zu. Oben auf dem Baum Yggdrasill, sitzt der mächtige und weit blickende Adler (Aar), zu dem das Nagetier die Worte der Schlange Nidhögg trägt, die sich voller Neid auf die hohe Position des Adlers, um die Wurzeln der Weltenesche ringelt. Ist diese Botschaft überbracht, lässt sich der Adler über die "niedere" Schlangennatur aus, worauf Ratatösk seinen Rückweg antritt, um das Gesagte wieder in die Unterwelt zu tragen.
Der Adler, als Symbol der Lichtmächte und Geisteskraft, steht hier offensichtlich als Gegenpart und Feind zu den dunklen Kräften des Bösen, die durch die Schlange verkörpert werden. Dieses Bild der Gegensätzlichkeit existiert in vielen Kulturen und spiegelt den ewigen Kampf zwischen Gut und Böse bzw. Himmel und Hölle. Warum gerade das Eichhorn mit der Aufgabe des Vermittlers zwischen den beiden unversöhnlichen Mächten versehen wurde, wird durch eine genauere Betrachtung seiner Eigenschaften ersichtlich. Der tagsüber aktive Nager hat sich im Laufe der Evolution erstaunlich gut an das Baumleben angepasst. Mit Hilfe seiner Krallen legt er in kürzester Zeit beträchtliche Strecken zurück, gleich ob zum Wipfel zum Boden oder in umgekehrter Richtung. Schon die Griechen ordneten dieses sprunghafte und quirlige Wesen ihrem Gott Merkur, dem Überbringer von Botschaften, zu. Bei den Germanen wurde das Eichhörnchen mit dem listigen Loki in Verbindung gebracht und damit später, in christlicher Zeit, konsequenterweise mit dem Teufel.
Der Name des Tieres ist indes nicht der Eiche abzuleiten, sondern von der Wortwurzel "aig" was soviel wie "sich heftig bewegen" ausdrückt.
Ob nun all die auf dem Weltenbaum lebenden Tiere nun rein nordischen Ursprungs sind oder, wie eine These offen legt, erst von seefahrenden Nordleuten während ihres Aufenthaltes in England gesichtet und von dort aus nach Skandinavien übernommen worden sind, lässt sich heute nicht mehr beweisen. Jedoch mag man ein wenig über die Vorstellung schmunzeln, wie dieses kleine possierliche Tierchen in Windeseile den gewaltigen hohen Weltenbaum rauf und runtersaust, stets eifrig darum bemüht, kleine Boshaftigkeiten zwischen den Widersachern auszutauschen. Das die wahrheitsgetreue Wiedergabe der überbrachten Worte dabei etwas auf der Strecke bleibt, scheint geradezu natürlich, sind es doch oftmals diese kleinen Sticheleinen, welche die Spannung zwischen zwei Gegnern oder Kräften am Leben erhalten.
Nidhögg ist die fürchterliche Riesenschlange, die unter einer der gewaltigen Wurzeln der Weltenesche Yggdrasill haust, die tief bis nach Niflheim hinunterreichen. Seit Anbeginn der Zeit liegt sie an der Quelle des Flusses Hvergelmir und pumpt ihr ätzendes Gift in die Wurzeln des Lebensbaums. Dabei wird sie von weiteren etwas kleineren Artgenossen unterstützt, die so zahlreich sind, "dass keine Zunge sie zählen kann". Die Namen einiger dieser Schlangen werden in der Edda aufgeführt. Ihre Aufgabe besteht einzig darin, durch das ewige Zerfressen der Faserwurzeln zu verhindern, das der Baum zu schnell in die Höhe wächst. Weitere Strophen beschreiben Nidhögg als Leichen fressenden Dämon, was jedoch schon auf immensen christlichen Einfluss hindeutet. Gleich dem höllischen Standgericht liegt der Drache im Wasser und quält die toten Verbrecher, Verräter und Meineidigen. Er saugt ihnen das Blut und die Seele aus dem Leib und zeigt an, was jenen blüht, die sich eines Verbrechens schuldig machen.
Dass der "ewige Neiddrache" aus dem gesamten Weltgefüge nicht wegzudenken ist, verdeutlicht ein Spruch der Völupsa, wo Nidhögg gegen Ende der Ragnarök als düsterer Drachen über die Schluchten gleitet, um all die Toten und Kampfgefallenen einzusammeln, um sich an ihnen zu mästen. Erst danach entsteht die neue Welt (das goldene Zeitalter), und man gedenkt unweigerlich des Sensen schwingenden Schnitters, der nun über die Schlachtfelder fliegt und reiche Ernte hält. Die Unterweltschlange enthält Züge eines fliegenden Drachen des späteren Mittelalters, was die Vermutung nahe legt, das Nidhöggs "weltumstürzende" Aufgabe, erst später in Beziehung zum Weltenbaum gebracht wurde. Ein Bild, das möglicherweise durch die schlangenähnliche form von Baumwurzeln geprägt wurde, in dessen Wirrwarr man ohne weiteres ein ganzes Schlangennest hineininterpretieren mag.
Schon früh malten sich die Menschen aus, wohin die Seelen oder Leiber der Verdammten gelangen würden. Diese Vorstellung mit der Schlangen und Drachen auszufüllen, lag nahe, und selbst des Teufels Flügel ließen sich vom Drachen herleiten. Im Volksglauben galt ein verbitterter, vom Pech verfolgter Mensch, lange als Verfluchter, dem ein Unglücksdrache folgte.
Obwohl das negative Bild der Schlange deutlich überwog, sah man sie in einigen ländlichen Gegenden auch als heilbringende, schützende, ja sogar glücksbringende Tiere. Unglück wurde nur jenem zuteil, der versuchte, eine Schlange, der man auch schon einmal den liebenvollen Namen "Hausschlange" oder "Milchmutter" gab, zu verjagen, zu töten oder gar zu quälen. Erwähnt sei noch das Eichhörnchen Ratatösk, das dauerhaft am Stamme der Weltenesche rauf unter runter läuft und zwischen Nidhögg und dem auf dem Wipfel throhnenden Aar gehässige Worte austauscht, wodurch sich sehr bildhaft die ewige Feindschaft zwischen Geist und den niederen Instinkten der Natur abzeichnet.
Eikthyrnir ist ein stattlicher Hirsch, der im Wipfel der Weltenesche Yggdrasill beständig die hervorsprießenden jungen Triebe äst. Dieser Vorgang versinnbildlicht die Zeitabschnitte des Lebens, über welche Eikthyrnir durch seine Futteraufnahme bestimmt. Von seinem mächtigen Geweih fallen zeitweise große Mengen von Tautropfen, die so die Flüsse in Asgard entstehen lassen. Mit Eikthyrnir sind zudem vier weitere Hirsche mit der Regulierung der Naturzyklen betraut, sie alle halten sich in der Krone des Weltenbaumes auf.
Snorri weiß zu berichten: "… außerdem ist der Hirsch Eichdorn zu merken, der oben auf der Walhall steht und von den Zweigen des Baumes Lärad (Yggdrasill) frisst. Von seinem Geweih träufelt es so stark, das es bis in den Hvergelmir hinab dringt und davon Flüsse entspringen, die heißen Breit, Weit, Sökin, Eikin, Kühl, Kampfgier und Fjörm." Weiter wird von vier Hirschen berichtet, deren Namen alle mit "D" beginnen: Dain, Dvalinn, Duneyr und Durathor. Sie fressen die jungen Knospen (Stunden), die Blüten (Tage) und Zweige (Jahreszeiten) des Weltenbaumes. Diese Tiere dürfen demnach als eine Art "Zeitfresser" angesehen werden, wobei Eikthyrnirs tropfendem Geweih noch eine weitere Bedeutung hinzukommt, die sich in ähnlicher Weise bei den unversiegbaren Milcheutern der Ziege Heidrun oder der Urkuh Audhumla als mythische Nahrungsquellen finden.
Bei den meisten keltischen und germanischen Stämmen galt der Hirsch als stärkstes männliches Sinnbild der Fruchtbarkeit. Sein sich periodisch erneuerndes Geweih, wurde zum Synonym für den Kreislauf der Jahreszeiten, da der Wachstumsrhythmus der Gabeln von Abwerfen zwischen Februar und März, bis zum Freischaben der Bast im August, äußerst exakt mit verschiedenen Reifestadien des Kornes, von dessen Aussaat bis hin zur Erntezeit, übereinstimmte.
Im altenglischen Beowulf-Epos taucht eine Festhalle mit dem Namen "Heorot" auf, was übersetzt in etwa "Hirsch-Halle" bedeutet. Die Hirschweihe galt gerade bei den Angelsachsen noch lange Zeit als Symbol der Königswürde. Die Entstehung des Hirschkultes scheint nachweislich weit über zwanzigtausend Jahre zurückreichen. Im Verlauf des letzten Jahrtausends verschwand der Kult schließlich, da er aufgrund seiner recht freizügigen Fruchtbarkeitsriten (Beltaine/Walpurgisfest) vom Christentums geächtet, verteufelt und verfolgt wurde. Gleichzeitig galt der Hirsch den Christen als willkommendes Erlösungssymbol im Kampf gegen das Böse, da seine majestätische Erscheinung ihn über die "niederen" Tierarten stellte. Gerne wurde er in der Nähe von Wasserquellen abgebildet, da seine Anwesenheit für die Reinheit des Wassers garantierte. Noch heute finden sich mancherlei Darstellung von Hirschen auf Taufsteinreliefs und in der Mineralwasserwerbung.
Im Märchen taucht der Hirsch bzw. die Hirschkuh gerne als ein mit besonderen Merkmalen versehenes Wild auf, das von einem (meist königlichen) Jäger verfolgt, diesem als geheimnisvoller Wegweiser auf der Suche nach sich selbst begegnet und psychologisch ein Verwandlungs- oder Erneuerungssymbol verkörpert.
Jörmungand, die gewaltige Weltenschlange, ruht auf dem tiefen Grund des Meeres. Sie ist das größte Ungeheuer der nordischen Mythologie, denn es heißt, sie hätte solche gewaltige Ausmaße, dass sie alle Länder der Erde umschlinge und ihr eigenes Schwanzende im Rachen trage. Trinkt sie, tritt Ebbe ein, gibt sie das Wasser wieder von sich, entsteht die Flut. Als ihre Erzeuge werden der ränkereiche Loki und die Riesin Angrboda (Sorgenbringerin) angesehen. Einst wurde die Schlange mit ihren beiden Geschwistern Hel und Fenrir, von Odin aus dem Götterhimmel verbannt. Seitdem liegt sie auf dem Grund des Urozeans und wartet, bis sie die nötige Größe erreicht hat, um alles Leben zu verschlingen. Dementsprechend groß ist die Furcht der Götter und Menschen vor ihrem Erwachen.
Als der größte Feind des Seeungeheuers gilt der Donnergott Thor, der Schirmer Asgards und Midgards, welcher sich mehrmals mit ihr im Kampfe misst. Einmal fährt er mit dem Riesen Hymir zum Fischen aufs Meer hinaus, um die Jörmungand mit einem Ochsenkopf zu ködern. Als die Seeschlange anbeißt und Thor sie nach oben ziehen will, schneidet jedoch der ängstlich gewordene Riese die Angelschnur durch und die Schlange stürzt ins Meer zurück. Ein andermal hält sich Thor bei dem Urriesen Utgardloki auf, der im Verlauf eines Wettkampfes den Gott auffordert, eine große Katze hochzustemmen. Thor scheitert an dem unmöglichen Unterfangen, da die sich endlos biegsame Katze niemand anderes als die verzauberte Midgardschlange ist, an der er sich somit ein zweites Mal die Zähne ausbeißt. In den Ragnarök stehen sich die beiden Gegner schließlich ein letztes Mal gegenüber. Thor besiegt zwar das Untier, kann sich aber nur noch neun Schritte davon schleppen, bis auch er, vom Gifthauch der Schlange tödlich verwundet, zu Boden sinkt.
Das endlose und unergründliche Meer wurde schon immer mit allerlei Tiergestalten versehen und galt bzw. gilt als Brutstätte aller möglichen Ungeheuer. Bei vielen in Küstennähe sesshaften Völkern wurden Überschwemmung und Erdbeben auf das Sich- Winden eines riesenhaften Meeresungeheuers zurückgeführt, das in seinem Schlaf gestört worden war. Das Christentum sah in der mythologischen Drachen den verkörperten Leviathan, jenes aus den Lastern der Menschen entstandene Ungeheuer, das der Gottesvater mit der Angel fängt und möglicherweise als Vorlage für Thors Angelabenteuer diente.
Die sich in den Schwanz beißende Schlange (Uroboros) ist ein weit verbreitetes Symbolbild, das die Unendlichkeit und den Kreis der ewigen Wiederkehr verkörpert. Das sich durch Häutung stets "verjüngende" Tier, wurde zur prädestinierten Metapher für alles Zyklische, vom Weltuntergang bis hin zur Neuschöpfung. Das Tierstil- Ornamentik der nordischen Völker, bediente sich mit Vorliebe der Darstellung von Drachen und Schlangen als kraftpotentielle und unheilabwehrende Wesen galten. Dies dürften die Hauptgründe für die geschnitzten Tiersteven der Wikingerschiffe gewesen sein.
Swadilfari ist der bärenstarke Hengst, des Riesenbaumeisters Smidhr, welcher diesen als Lasttier zur Seite steht, um die Burg der Götter in Asgard zu erbauen. Als der Krieg zwischen Asen und Wanen endlich beigelegt ist, stehen die Götter vor den Trümmern ihrer Burg. Sie beratschlagen sich, was zu tun sei, um möglichst rasch wieder einen wirkungsvollen Schutz gegen die drohenden Riesen zu erhalten. Da kommt ein sich als Baumeister ausgebender und verkleideter Riese daher und bietet an, den Göttern in drei Halbjahren eine sichere Burg zu errichten. Als Gegenleistung fordert er allerdings die Liebesgöttin Freyja, außerdem die Sonne Sol und den Mond Mani. Die Götter halten Versammlung und auf Lokis Anraten hin, einigt mans ich schließlich, den Vorschlag des Baumeisters einzugehen. Allerdings wird die Bedingung gestellt, dass die Festung in nur einem einzigen Winter fertig dastehen müsse, sei am ersten Sommertag noch etwas unvollendet, so solle der Baumeister seiner Ansprüche verlustig gehen. Eine weitere Bedingung ist, dass Smidhr bei seiner Arbeit niemand unterstützen dürfe. Doch kann der Riese mit Lokis Fürsprache durchsetzen, dass ihm sein Pferd Swadilfari zur Seite stehen darf.
Am ersten Wintertag beginnt nun der Baumeister mit seiner Arbeit, und die Götter staunen nicht wenig, als sie der enormen Leistungsfähigkeit des Hengstes gewahr werden, der Stein um Stein auf einem großen Lastenschlitten herbeizieht. Täglich wird die Burg höher und stärker, schließlich so wuchtig, dass eine Erstürmung durch die Riesen unmöglich scheint. Drei Tage vor Ablauf der ausgehandelten Frist ist die Mauer fast fertig und bestürzt fragen sich die Asen untereinander, wer denn den voreiligen Vorschlag gemacht habe, auf diese Wette einzugehen, in der Freyja, die Sonne und der Mond als Preis ausgesetzt seien. Der Schuldige ist schnell gefunden und man droht Loki mit dem Tode, falls er nicht eiligst einen Ausweg aus der bevorstehenden Misere finde. Als am Abend der Riese und sein Ross wieder ausfahren, um neue Steine zu holen, galoppiert eine fremde Stute an den Hengst heran und wiehert diesem rossig zu. Swadilfari ist darauf nicht mehr zu halten, zerreißt die Seile und eilt der im Wald verschwindenden Stute hinterher. Als der Baumeister erkennt, dass er das Nachsehen hat und seine Arbeit nicht termingerecht beenden kann, gerät er in "Riesenzorn" und lässt seine Maskerade fallen. Als die Götter dies bewahren, fallen endgültig alle Eide und sie rufen Thor herbei, der den Riesen darauf erschlägt.
So erhalten die Götter die neu erstarkte Asgard- Burg, die stabiler ist, als je zuvor. Loki, der in Pferdegestalt den Hengst fortlockte, gebiert nach einiger Zeit ein graues Fohlen mit acht Beinen. Dessen Name lautet Sleipnir und es gilt seither als das beste Ross bei Göttern und Menschen.
Man vielfach versucht, in der Gestalt des Riesen Smidhr (Bläser) den verkörperten Winter zu lokalisieren, der sich nun anschickt, mit Hilfe Swadlfaris (Eisführer?) eine so hohe Eisburg um Asgard zu errichten, das Sonne und Mond nicht mehr hinein scheinen können. Der Hengst als personifizierter Nordwind, wird schließlich vom frühlingshaften Südwind (Loki) vertrieben. Eine Aufgabe, die der verwandlungsfähige Schalk nicht zum ersten Mal übernimmt.
Die Geschichte vom Riesenbaumeister findet sich auch im skandinavischen Volksglauben. Ein Riese (Troll), Unhold oder später der Teufel erbietet sich, gegen Lohn den Bau eines Hauses, einer Scheune oder ein Kirche bis zu einem bestimmten Zeitpunkt auszuführen. Meist verlangte der Handwerker dafür die Hand einer Jungfrau oder die Seele der Hausherren. Durch eine List gelingt es dann dem Auftraggeber, die Fertigstellung der Arbeit im letzten Moment noch aufzuhalten, wodurch der Unhold das Nachsehen hat.
Audhumla, die Ur- Kuh, ist neben dem Urzeitriesen Ymir das erste Wesen im Kosmos. Als zum Schöpfungsbeginn das Eis im Ginnungagab nicht mehr strömte und sich festsetzte, bildete sich aus dem Reif der Riese Ymir. Der Reif tropfte weiter und es entstand die Mutter aller Mütter, die Kuh Audhumla. Aus ihrem Euter rannen vier gewaltige Milchflüsse, die Ymir in der Form leuchtender Milchstraßen ernährten. Die Kuh leckte nun beständig an den salzigen Reifsteinen, und am Ende des ersten Tages kamen die Haare eines menschenähnlichen Lebewesens zum Vorschein. Am zweiten Tag sah man den Kopf und am dritten Tag den ganzen Körper. Dieser freigeleckte Riese hieß Buri und sein Sohn Borr zeugte mit der Riesin Bestla die ersten drei Göttersöhne Odin, Wili und We.
Audhumla, die auch den Namen "die Hornlose" trägt, gilt als eine Verkörperung der Muttergöttin, die in dieser Funktion gerne mit vielen Brüsten bedacht wird, mit denen sie ohne Unterschied allen Lebewesen Nahrung spendet. Eine kosmische Kuh, die als eine Art "Allmutter" das Universum schöpft und nährt, findet sich in vielen Mythologien, und wie Höhlenmalereien beweisen, wurde die Kuh schon viele tausend Jahre vor unserer Zeitrechnung verehrt. Um diese Kräfte weiter hervorzuheben, stellte man sie auch gerne mit einem Kalb dar, das sie säugend unter ihren schützenden Leib beugte. Das Vieh spielte bei den Germanen in vielen Bereichen eine wichtige Rolle. In einer Zeit, wo es noch kein Geld gab, diente es als bewegliches Zahlungsmittel. Eine gesunde Kuh, die Milch und starken Nachwuchs garantierte, stand meist höher im Kurs als ein menschlicher Sklave, den man noch zusätzlich ernähren musste. Viehbesitz bedeutete also Reichtum, der sich im günstigsten Fall stets aus sich selbst mehrte.
Laut Tacitus wurde bei vielen Stämmen in Küstennähe die Göttin Nerthus (Fjörgyn) verehrt. Einmal wurde im Jahr wurde ein von der Göttin gefertigtes Standbild auf einem geschmückten und von Kühen gezogenen Wagen gesetzt und durch das ganze Land gefahren. Diese Feierlichkeiten wurden mit Opfern und allerlei Ritualen begangen, welche die Fruchtbarkeit des bevorstehenden Jahres gewährleisten sollten. Gegen Ende dieser besonderen Zeit, in der alle Waffen schweigen mussten, wurde der Wagen in einen heiligen Hain gezogen und dort in einem See rituell gereinigt.
Die drei Nornen Urd, Werdandi und Skuld sind drei uralte Riesenschwestern, die ihren Wohnsitz unter einer der Wurzeln des Weltenbaumes Yggdrasill haben. Vermutlich sind sie die Töchter des Riesen Mögthrasir (der nach Söhnen sterbende?), als dessen "Mädchen" sie im Vafthrudnirlied bezeichnet werden. Die Völuspa berichtet von ihrem Auftauchen in Asgard, worauf sich die Lebensweise der Götter grundlegend verändert. Die Nornen beanspruchen eine abgelegene Wohnstätte unter der Weltenesche, wo eine Quelle entspringt. Dort legen sie einen Brunnen an, in dessen Mitte fortan zwei Schwäne schwimmen, deren weißes Gefieder den Inbegriff aller Reinheit und Schuldlosigkeit verkörpert. Hierdurch findet sich eine Verbindung in den Schwanenjungfrauen, den Walküren, denen ebenfalls schicksalswaltende Kräfte zugeschrieben werden. Jeden Morgen schöpfen die drei Schwestern etwas Wasser aus dem Lebensbrunnen und mischen es mit zauberkräftigen Schlamm, woraus sie eine heilende Paste gewinnen. Diese streichen sie auf die Wurzeln des Weltenbaumes, um diesen vor Fäulnis zu bewahren, welche durch des Gift der Nidhögg entsteht. Weiter versammeln sich täglich die Götter an besagtem Brunnen zur gemeinschaftlichen Beratung.
Urd (Ursprung), der Name der ältesten Norne, wird abgeleitet von dem altgermanischen Wort "wurd" oder "wyrd", was in etwa "persönliches Geschick" bedeutet. Das Wyrd kann man sich als eine Art Netz vorstellen, das einen jeden Menschen umgibt und dessen Fäden im Verlauf des Lebens mit anderen Menschen verknüpft oder wieder gelöst werden. Urd ordnet man die Vergangenheit zu, der zweiten Schwester Werdandi (Werden) die Gegenwart und der Dritten Skuld (Schuld) die Zukunft. Hiermit werden auch die drei Mondphasen, abnehmender-, zunehmender- und Vollmond in Verbindung gebracht. Einige Forscher vertreten die Ansicht, bei diesem zeiteinteilenden Konzept seien dem Verfasser der Völuspa antike Vorbilder wie die drei Parzen oder Moiren vorgeschwebt. Sicher ist, daß zumindest eine Norne mit dem Namen Wurd überliefert wird, die sich möglicherweise in die Triade aufspaltete, wie es ähnlich bei der alten Himmelsgöttin Frija (Frigg) geschah.
Die nordischen Quellen geben einige Einblicke in den Wirkungskreis der Nornen, der sich vom Spinnen, über das Orakeln und Weissagen, bis hin zur Geburtenhilfe erstreckt. Sie bestimmen über Leben und Tod von Mutter und Kind, wie z.B. in dem Lied von "Helgi dem Hundingstöter", wo sie unverwandt auftauchen, einem Neugeborenen die Schicksalsfäden spannen und die Zukunft voraussagen. Es gibt zahlreiche Märchen von guten und bösen Nornen (dort sind sie meist Feen), die, je nach Gesinnung, dem Menschenkind zürnen und es verwünschen oder ihm Glück mit auf den Weg geben. In diesen Geschichten handelt es sich jedoch meist um Völvas oder Disen, die als Seherinnen, Kräuterfrauen, Schamaninnen und Hebammen hohes Ansehen genossen. Da sich viele Parallelen zu den Tätigkeiten der drei Nornen ergeben, fand im Laufe der Zeit eine immer stärkere Verschmelzung von Völva und Norne statt.
Ask und Embla lauten die Namen des ersten Menschenpaares. Wie überall auf der Welt finden sich auch bei den germanischen Stämmen verschiedene Mythen über den Ursprung des Menschen. Einmal ist von dem Urmenschen Mannus die Rede, der von einem göttlichen oder riesischen Wesen erzeugt wurde. Ein andermal werden alle Menschen als "Heimdalls Kinder" bezeichnet oder sind direkt den elementaren Naturkräften entsprungen. Die Vorstellung, daß der Mensch von den Bäumen abstammt, reicht bis weit in die Vorzeit zurück, in der es noch sehr alte Baumkulte gab.
Die Edda schildert die menschliche Entstehung folgendermaßen: Nachdem Bors Söhne Odin, Wili und We den Riesen Ymir zerteilt und aus seinen Körperteilen die Welt erschaffen haben, gehen die Götter eines Tages am Strand spazieren. Dort finden sie zwei an Land gespülte Baumstämme, aus denen sie das erste Menschenpaar mit Namen Ask und Embla erschaffen. Odin verleiht ihnen Leben und Seele, Wili Emotionen und Witz und We gibt ihnen Antlitz, Gehör und Sprache. An anderer Stelle lauten die Namen der drei Götter Odin, Hönir und Lodur. Sie finden Ask und Embla "tatenlos und ohnmächtig", da verleiht ihnen Odin den Geist, Hönir die Vernunft und Lodur (vermutlich Loki) Blut und Farbe. Von diesen beiden Menschen stammt das ganze Menschengeschlecht.
Die beiden sehr ähnlichen Berichte geben uns Auskünfte darüber, wie nach germanischem Glauben die Götter die Menschen nach ihrem Abbild erschufen. Die Belebung und Ausformung der gefundenen Materialien geht durch die Emanation der göttlichen Dreieinigkeit hervor. Zunächst wird das Holz gestaltet, dann belebt. Der Name "askr" wird mit "Esche" übersetz und verweist deutlich auf seinen Ursprung aus Eschenholz. Schon der griechische Dichter Hesiod formulierte, das "eherne Geschlecht" sei von Zeus aus Eschen erschaffen worden. "Embla" wird vermutlich vom griechischen "ampelos" abgeleitet, was Rebe oder Schlingpflanze bedeutet. Der Autor Hans Sperber weist in diesem Zusammenhang auf eine interessante Analogie zwischen dem Feuerbohren und dem menschlichen Beischlaf hin. Beim Feuerbohren, wo das eine Holz langsam in das andere eindringt, fand als entzündbares Brennmaterial nicht nur Hartholz, sondern auch das weichere Holz von Schlingpflanzen Verwendung. Ähnliche Deutungsversuche sehen in Ask die "phallische Eschenlanze" und in Embla die "Emsige" bzw. die "Gebärende".
Nachdem das Zeitalter der Götter durch die Ragnarök beendet wird, verbrennt der Feuerriese Surt die alte Welt mit seinem Flammenschwert. Nur ein einziges Menschenpaar mit Namen Lif (Leben) und Lifthrasir (der nach dem Leben Strebende) überleben die Katastrophe, geschützt durch die Wurzeln des Weltenbaumes. Vom Tau, der sich allmorgendlich auf den Zweigen sammelt, ernähren sie sich und bleiben dadurch am Leben. Das neue Menschengeschlecht entsteigt somit ebenfalls einem Baumstamm und setzt die Tradition der Schöpfungslehre fort. Interessante Parallelen zeigt eine bayrische Sage, in der die Nachkommen eines Hirten, der im Geäst eines Baumes wohnt, nach einer großen Pestkatastrophe das Land neu bevölkern.
Lokis Strafe wird über diesen durch die Götter aufgrund eines schweren Vergehens verhängt. Aus der Gylfaginning erfahren wir, dass Loki angeblich in Gestalt der Riesin Thökk verhindert, dass Odins Sohn Balder, in den Götterhimmel zurückkehren darf. Darauf eröffnen die aufgebrachten Götter eine Hetzjagd auf ihn. Nahe des Wasserfalls Franangr versteckt sich Loki in einer Berghütte, die er mit jeweils einer Türe in jeder Himmelsrichtung versieht. Während er dort sitzt und darüber sinnt, was den Asen wohl einfallen könnte, um ihn zu fangen, knüpft er sich ein Netz zum Fischen. Als die Götter nahen, wirft er das Netz rasch ins Feuer, verwandelt sich blitzschnell in einen Lachs und springt in den nahen Fluss. Als die Asen zu dem Hause kommen, entdecken sie die verkohlten Reste des Netzes, ziehen daraus ihre Schlüsse und beginnen damit, ein eigenes Netz zu erstellen. Als dies geschehen ist, fischen sie nach Loki, dem es jedoch mehrere male gelingt, durch die Maschen zu schlüpfen. Schließlich gelingt es Thor, ihn am Flossenende zu packen und kräftig zuzudrücken. Seitdem, so sagt man, sei der Lachs hinten schmal. Darauf wird der Ränkeschmied in eine unterirdische Felsenhöhle gebracht und auf drei kantige Steinbrocken gekettet. Als Fesseln verwenden die Götter die Gedärme von Lokis beiden Söhnen Wali und Narfi, die man ebenfalls in die Höhle schleppt und tötet. Zuletzt nimmt die Göttin Skadi, Lokis alte Erzfeindin, da dieser Schuld am Tode ihres Vaters trägt, eine Giftschlange und befestigt diese an einem Ast über Lokis Kopf, so dass deren gift ihm auf immer ins Gesicht tropfe. Nur Sigyn, Lokis treue Gattin, steht neben ihm und hält eine Schüssel dazwischen. Ist die Schale voll und muss gelehrt werden, fallen die Tropfen in Lokis Gesicht. Dann zuckt er so heftig, dass die ganze Erde erbebt. So liegt der Unhold gebunden bis zu den Ragnarök.
Nach dem Lied von "Lokis Zankreden", erfolgt dessen Fesselung als Strafe für den Mord an Firmafeng, einem Diener des Meeresriesen Ägir, der die Götter zum Gastmahl geladen hat. Loki, der darauf vom Gelage ausgeschlossen wird, beschimpft nun alle Anwesenden und gesteht stolz all seine ruchlosen Taten. Vermutlich diente dem Verfasser des Liedes die Bestrafung Lokis als sinnvolle Einkleidung und Abschluß seines Scheltegedichtes. Ebenso ist nicht auszuschließen, dass es sich bei beiden ermordeten Gestalten, Balder und Firmafeng, ursprünglich um ein und dieselbe Person gehandelt hat.
Lokis Leib wird an drei zugehauene Felsen geschmiedet. Auffallende Gesteinsformen wurden vielfach als Sitz übernatürlicher Kräfte angesehen, in denen man zuweilen versteinerte Menschen erblickte, die so für ihr Vergehen bestraft worden waren. Auch der Glaube, dass Erdbeben und Vulkanausbrüche als Strafe der Götter gedeutet werden, hält sich bei vielen Menschen bis zum heutigen Tage. Das Bild des gefesselten Unholds findet sich vielfach in der christlichen Ikonographie, die den in Ketten gelegten und überwundenen Satan beim Sturz in den Abgrund zeigt. Loki wurde später von der Kirche mit der Gestalt des Teufels gleichgesetzt, so dass es nicht weiter verwundert, ihn in ebensolcher Weise verurteilt vorzufinden. Das die sage um die Fesselung Lokis ihre Wurzeln in der christlich geprägten Vorstellung vom jüngsten Gericht und dem Erscheinen des Antichristen findet, bleibt somit anzunehmen.
Naglfar lautet der Name eines gewaltigen Schiffes, dessen Rumpf gänzlich aus den Fuß- und Zehnägeln verstorbener Menschen gefertigt sein soll. Aus der Gylfaginning ist folgendes über das Auftauchen dieses Schiffes zu vernehmen: Wenn der Fimbulwinter wütet, der eine Wolf die Sonne verschlingt und der andere den Mond, wenn die Erde bebt und Bäume sich entwurzeln, die Midgardschlange Jörmungand sich erhebt und die See aufpeitscht, dann wird auch Naglfar, das Nagelschiff, die Anker lichten. Es ist ganz aus den abgeschnittenen Nägeln verstorbener gemacht, weshalb die Warnung besteht, dass wenn ein Mensch stirbt, man ihm die Nägel schneiden soll, um den Bau des Totenschiffes nicht unnötig schnell voranzutreiben. Hrymir, ein kräftiger Riese, heißt Naglfars Steuermann, und es transportiert all die Riesen, Dämonen und Untoten, welche sich aufmachen, die Götter zu vernichten.
"Nagelfari" lautet der Name des Gemahls der Göttin Nott. Da Nott die personifizierte Nacht ist, mag eine Verbindung zwischen ihrem Gatten und dem Schiff nicht nur in der Namensgleichheit zu suchen sein. Naglfars Bedeutung als Toten- und Gespensterschiff lässt sich vor allem aus dem Aberglauben des Nägelschneidens schließen, der hier in märchenhaften Zügen einen Brauch der Totenpflege mit dem Kult der Schiffbestattungen verknüpft. Diese fanden in zahlreichen Gebieten entlang der Küsten statt und lassen zumindest vermuten, warum die Vertreter des Chaos und der Zerstörung gerade auf einem Schiff aus dem Jenseits kommen, um ihre Rache zu vollziehen. Jacob Grimm wies bei dem gänzlich aus Nägeln entstehenden Naglfar auf eine Parabel für die ungeheure Ferne und das langsame Zustandekommen des Weltendes hin, ähnlich der Vorstellung vom "Berg der Ewigkeit", dem alle hundert Jahre ein Vogel nur ein Sandkorn zuträgt.
Das Geisterschiffe bei ihrem Auftauchen als Vorboten nahenden Unheils angesehen wurden, findet sich noch in der bekannt gewordenen Sage vom "fliegenden Holländer" und dem Geisterkapitän Barent Fokke. Als Mahnmahle des ewig ruhelosen Menschen, der seine Seele einst dem Teufel verkauft hat, sind sie dazu verdammt, bis in alle Ewigkeiten über die Meere zu segeln, um totgeweihten Seefahrern zu erscheinen.
Nach der Völuspa steuert der von seinen Ketten befreite Loki ebenfalls ein Unheilschiff. Dieser segelt von Osten her, den Rumpf voll beladen mit Muspells Söhnen, den Feuerriesen. Ob es sich hierbei um zwei verschiedene Schiffe oder um ein und dasselbe handelt, bleibt undurchsichtig. Ebenso ob Loki, Erzfeind der Götter und später verteufelter Antichrist, möglicherweise erst nachträglich zum Kapitän des Schiffes avancierte. Nicht in Frage gestellt werden muß der brennende Hass, welcher die Riesen und Loki im Kampf gegen die Götter eint. Nach anderer Deutung umschreibt die Silbe "far" nicht das Schiff, sondern lediglich den Hass und Zorn der Riesen. Woraus zu schließen wäre, dass die Jöten auf ihrem schon lange währenden "nage(l)nden Hass" dahinfahren!?
Ragnarök bezeichnet das letzte Geschick der Götter, dessen Verlauf in der Edda auf visionäre Weise beschrieben wird. In der Völuspa (der Seherin Weissagung) wird von einer alten Völva ein Weltenentwurf geschildert, der vom Anbeginn der Schöpfung bis zu ihrem Untergang handelt. Die Vorzeichen des nahenden Weltenendes äußern sich zunächst in bedrohlichen Naturerscheinungen, wie dem drei Jahre andauernden Fimbulwinter, auch Riesenwinter genannt. Hungersnöte, Mord und Totschlag bestimmen das Bild und gemahnen der Auflösung des sittlichen und sozialen Gefüges der Menschen. In den Welten der Götter, Riesen und der Hel krähen drei Hähne und verkünden den Beginn des allesentscheidenden letzten Gefechts. Der Himmelswächter Heimdall stößt in sein Gjallarhorn und signalisiert die Ankunft der herannahenden Riesenheere, die über die Bifröstbrücke auf Asgard zumarschieren. Der Weltenbaum erzittert, und die entfesselten Elemente brechen von allen Seiten auf Midgard herein. In Asgard sammeln sich die Götter, die Pforten Walhalls öffnen sich, und aus 540 Toren rücken je 800 Einherjerkrieger gegen die anstürmenden Feinde vor. Walvater Odin, mit Goldhelm, Brünne und dem Speer Gungnir bewaffnet, reitet auf Sleipnir dem Wolf entgegen und wird von diesem verschlungen, doch sein Sohn Widar rächt ihn unverzüglich. Der Donnergott Thor erschlägt die Jörmungand, vermag aber nur noch neun Schritte zu tun, bis auch er, vom Gift der Schlange tödlich verwundet, zu Boden sinkt. Der Kriegsgott Tyr und der Höllenhund Garm töten sich gegenseitig, ebenso Heimdall und Loki, die hierauf endlich ihre alte Feindschaft beenden. Der Fruchtbarkeitsgott Freyr unterliegt dem alles versengenden Schwert Surts, da er die eigene Waffe entbehren muss. Nachdem die Götter besiegt sind, schleudert der "Schwarze" sein Feuer über die ganze Welt. Die Sonne verdunkelt sich, die Erde sinkt ins Meer, vom Firmament schwinden die Sterne und heiße Lohe bedeckt den ganzen Himmel.
Soweit die Schilderung der Ragnarök, deren wörtliche Übersetzung "Verhängnis" oder "Endschicksal der Götter" lautet. Durch einen Übersetzungsfehler, bei dem man "rök" (Verhängnis) mit "rökkr" (Dämmerung) verwechselte, kam der allgemein bekannte Begriff der Götterdämmerung zustande. Das die germanische Eschatologie bereits von der christlichen Lehre der Offenbarung beeinflusst ist, wird offensichtlich, zumal man die niedergeschriebene Fassung auf die letzten Jahrhunderte des ausgehenden Heidentums datiert. Dennoch gilt das Gedicht als typisch nordisch, über dessen Ursprung sich allerdings nur mutmaßen lässt. Als Vorbild für die beschriebenen Erscheinungen dienten dem auf Island lebenden Verfasser vermutlich all die Vulkanausbrüche, Überschwemmungen und Erdbeben, welche die Insel auch in den vergangenen Jahrhunderten wiederholt heimgesucht haben und dortigen Ansässigen zuweilen wie ein "Weltuntergang" vorgekommen sein müssen.
Der Begriff des goldenen Zeitalters, der nicht nur bei den germanischen Völkern bekannt war, bezieht sich gewöhnlich auf eine schon einmal da gewesene Epoche, in der höheres Wissen, Wohlstand, Frieden und damit die intensivere Verbindung zum Göttlichen existierten. In der Völuspa berichtet eine alte Seherin von der Entstehung der Welt und der Zeugung der Götter. Diese machen sich daran, die Welt nach ihrem Willen zu formen, erstellen sich Wohnsitze und schaffen die Vorraussetzung für ein vollkommenes Dasein. In ausgelassener Fröhlichkeit widmen sie sich Spielen und dem Müßiggang, solange, bis die drei Schicksal webenden Nornen auftauchen, mit deren Ankunft die Unschuld weicht. Machtstreben und die Gier nach Gold erwachen, und es kommt der erste Krieg in die Welt. Das Unabwendbare nimmt seinen Lauf und gipfelt schließlich in dem Mord an Balder. Die Ragnarök beginnen, der Weltenbaum erbebt, und die Schicksale der Götter erfüllen sich. Dann, nachdem die alte Welt versunken ist, steigt eine neu ergrünte Welt empor, eine weitere Generation von Göttern nimmt ihre Plätze ein, und der Gift säende Neiddrache Nidhögg muß vergehen. Auch zwei Menschen mit Namen Lif und Lifthrasir haben die Katastrophe überlebt. Das Geäst des Baumes Hodmimir (Yggdrasill) bot ihnen Schutz und Nahrung vor dem alles versengenden Weltenbrand des Feuerriesen Surt. Neue junge Triebe sprießen unter der verkohlten Rinde hervor und die Natur präsentiert sich in einem satten Grün. Auf einer Wiese entdecken sie glänzende Goldtafeln, auf denen sich die kosmischen Gesetze der neuen Göttergeneration finden.
Vor allem die letzten Strophen des Liedes hegen nicht unbegründeten Verdacht, bereits aus christlichen Quellen übernommen worden zu sein, wenngleich ähnliche Versionen auch in anderen Kulturen existieren. Allen Schilderungen geht jedoch die Erinnerung an einen ursprünglichen paradiesischen Zustand voraus, der erst die Voraussetzung für seine ersehnte Rückkehr erschafft. Im Zusammenhang mit dem goldenen Zeitalter wird häufig auf einen Zeitabschnitt in der dänischen Geschichte verwiesen, der unter dem Namen "Frodis Frieden" bekannt wurde. Frodi, ein sagenhafter König aus dem Geschlecht der Skjöldungen, zeichnete sich während seiner Amtszeit durch eine Periode lang andauernden Friedens aus. Eine Ära, die angeblich weder Hungersnöte noch kriegerische Auseinandersetzungen kannte und den Menschen lange Zeit in Erinnerung blieb.
Die Rettung der beiden Menschen Lif (Leben) und Lifthrasir (Leben begehrend), die im Schutz der Weltenesche alle Naturkatastrophen überlebt haben, versinnbildlichen die menschliche Neuschöpfung. Ihre Wiedergeburt aus dem Baum, der sie gleichzeitig ernährte, folgt dem Glauben sehr alter matriarchalischer Baumkulte, in denen man die Toten ins Holz legte oder hängte. Da schon die ersten Menschen (Ask und Embla) aus Holz gemacht waren, lag es nahe, Bäume, welche die Weltenesche symbolisierten, als Pforten in die andere Welt zu nutzen. Die von dem überlebenden Paar gefundenen Goldtafeln können somit durchaus als Metapher für den neuen, ganzheitlichen Menschen verstanden werden, der in dieser nun "gereinigten" Welt seine Bestimmung und Vollendung finden soll.
Ginnungagap beschreibt den ursprünglichen Anfang und das Ende von allem, was ist. Es ist die gähnende Leere oder die tiefe Schlucht, ein Gebiet, das sich bis in die Unendlichkeit ausdehnt und wo weder Zeit noch Raum existieren. Den Anfang des Seins schildert die nordische Schöpfungslehre zunächst mit der Verneinung alles Sichtbaren. Irgendwann bildete sich an den Rändern aus dem Nichts ein Etwas. Zwei gegensätzliche Pole, die südliche Region Muspelheim, Welt der fliegenden Feuerfunken, und Niflheim, die nördliche Welt der Nebel und des ewigen Eises, entstanden. Dazwischen gähnte nun "so lau wie windstille Luft" das Ginnungagap. Stück für Stück rückten Feuer und Eis aufeinander zu, bis bei ihrem zischenden Aufeinandertreffen eine flüssige und nebelige Ursuppe entstand, aus der die erste Schöpfung hervortrat. Der leere Raum füllte sich mit Elementen und brachte als erste Gestalt den unförmigen Urriesen Ymir und die Urkuh Audhumla hervor. Als später die Götter auftauchen und ihre eigene Schöpfung formen, bringen sie den Urriesen ins Ginnungagap zurück, töten und zerteilen ihn und formen daraus Midgard, die Welt der Menschen.
Der Name Ginnungagap teilt sich auf in "gin" oder "ginn", den "geräumigen Rachen" und in "gap" von "gähnen", womit das Wort ebensfalls die "gähnende Kluft" bezeichnet, die man sich am Rande der Welt vorstellte, die, als Scheibe gedacht, ja irgendwo ihre Grenzen haben musste. Das dem Urstoff irgendwann organische Gebilde entwachsen, findet sich in der Kosmogonie zahlreicher Kulturen. Der Forscher Jan de Vries bezeichnete das Ginnungagap als den mit "magischen Kräften erfüllten Urraum", also einen chaotischen Zustand, aus dem sich eine anorganische Ursuppe bildet, in der jedoch schon alle Facetten organischen Lebens potentiell angelegt sind. Dieses Wachstum wird später von den Göttern durch deren geistigen Odem mit Leben erfüllt und beginnt seinen zyklischen Kreislauf. An einer anderen Stelle der Edda erwähnt Snorri das Ginnungagap als einen ehemaligen Ort, wo eine Wurzel der Weltesche Yggdrasill auslaufe und nun die Reifriesen hausen würden. Der Gebrauch des Ginnungagap für Abgründe, das Chaos bzw. den Rand der Welt war in Skandinavien lange Zeit weit verbreitet.
Yggdrasill lautet der Name des immergrünen Baumes, der den Mittelpunkt im germanischen Weltbild einnimmt. Viele Germanen stellten sich das Universum als eine gewaltige Esche vor (andere behaupten als Eibe), deren Wurzeln und Äste in die jeweiligen Welten ausliefen und diese ernährten. Der Stamm dieses Baumes bildete die zentrale Weltachse, von der alles Leben ausging. Der Zeitpunkt seiner Krone wurde gewöhnlich mit dem Polarstern in Verbindung gebracht, um welche sich der Sternenhimmel scheinbar dreht.
In der Edda berichtet Snorri über die Esche, dass sie der größte und beste aller Bäume sei und seine Zweige sich über die ganze Welt hinaus erstreckt. Drei Wurzeln halten seinen Stamm aufrecht und wachsen jeweils zu den den Asen, zu den Reifriesen nach Niflheim und nach Helheim, wo an der Quelle Hvergelmir die Totengöttin Hel zu Hause ist. An einer dieser Wurzeln nagt die furchtbare Nidhöggschlange beständig am Holz der Esche und spritzt ihr Gift in deren Fasern. An der Wurzel, die bis nach Asgard führt, steht der Brunnen der Norne Urd an welchem die Götter ihre tägliche Versammlung abhalten. Unter der zweiten Wurzel befindet sich die Quelle des weisen Riesen Mimir, in deren Tiefen das Weltengedächtnis schlummert. Der Baum wird weiter von mancherlei Tieren bevölkert, die auf ihm leben, sich von ihm ernähren und entsprechende Funktionen erfüllen. In seiner Krone äsen vier Hirsche (Eikthyrnir) und auf der obersten Spitze hat ein gewaltiger Adler (Aar) seinen Sitz. Zwischen ihm und Nidhögg flitzt das Eichhörnchen Ratatösk hin und her und stiftet beständig Zwietracht. Von Yggdrasills Blättern ernährt sich ebenfalls die Ziege Heidrun, die in Walhall den süßen Met liefert. Wenn sich einst die Ragnarök ankündigen, rauscht und erzittert die Esche als Zeichen des kommenden Untergangs.
Das Modell des Weltenbaumes galt und gilt vor allem dem Schamanen als Verbindungsweg, um über ihn in die Bereiche anderer Welten zu gelangen. Der Name setzt sich aus der Silbe "ygg" (der Schreckliche), einen Beinamen Odins, und "drasil", der dichterischen Vokabel für Pferd zusammen, wodurch der Weltenbaum zu Odins Pferd wurde. Dies verweist zum Einen auf Odins schamanisches Wirken als Reiter zwischen den Welten und zum Anderen auf sein Hängeopfer als Hangatyr, wo er die Runen erschaute. Dieses Ereignis brachte dem Baum vermutlich auch den Namen "Odins Galgen" ein. Eine Nachbildung des Weltenbaumes findet sich bis heute in den Darstellungen der Irminsul, deren einstiges Vorbild im Jahre 772 n. u. Zt. von Karl dem Großen, als Zeichen für den Sieg des Christentums über die Heiden, gefällt wurde.
Wenn man die legendäre Abstammung der Menschen aus Bäumen betrachtet, sowie die Bestattungsbräuche, wonach man die Verstorbenen in Bäume hängte, verwundert es nicht, dass die deutsche Sprache noch lange Zeit den Begriff "Totenbaum" für das Wort Sarg benutzte. Der Baum wurde damit zu einem der ältesten Muttersymbole, dem man die Toten übergab und aus dem sie wiedergeboren zurückkehrten.
Manche Hallen und Langhäuser wurden damals um laubreiche, schattenspendene Bäume errichtet, die vielfältige Schutzfunktionen übernahmen. Mit ihren Früchten oder Zweigen räucherte man bei Entbindungen das Haus, während die pressende Gebärende in hockender Stellung den Stamm umfasst, woher noch der Begriff "Kinderbaum" herrührt.
zur Startseite --- ↑ nach oben



