Wodans Erben - germanisch, heidnisch, religiös

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Andwari, der Vorsichtige

Andwari, ein Zwerg, ist der ursprüngliche Hüter des Nibelungenschatzes der Rheingolds. Er gehört zum Geschlecht der Schwarzalben, hat dieses Gold zuvor den Rheintöchtern entwendet und besitzt die Gabe des Gestaltenwandels. Sein zu Hause wird als „Fors“, ein Wasserstrudel, angegeben, den ihm eine böse Norne zugewiesen haben soll. Gleich einem Drachen wacht er mit akribischer Vorsicht darüber, dass keines der kostbaren Kleinode abhanden kommt. Der berühmte Ring Andwaranaut ist der wesentlichste Teil dieses Schatzes, da ihm golderzeugende Kräfte nachgesagt werden, ähnlich dem Draupnir- Ring.

In einigen deutschen Sagen trat an die Stelle des Ringes gelegentlich die Wünschelrute, die ihrem Eigner zum Schatz hinführte. Wer das Glück besaß, den Wächter eines Hortes zu überlisten oder zu besiegen, hatte jedoch nur dann Freude an seiner Beute, wenn der Schatz nicht verflucht war.

Ein Kenning für das Rheingold lautet „Otterbuße“ und die dazugehörige Sage lautet folgendermaßen: Die drei Asen Odin, Hönir und Loki wandern durch die Welt. Als sie Hunger verspürten, entdeckten sie an einem Fluss einen Otter, der einen Lachs erbeutet hat. Loki tötet das Tier mit einem Steinwurf, wodurch er dieses und dessen Fang auf einmal erbeutet. Bald darauf kommen die drei an den Hof des König Hreidmar, der in dem abgezogenen Otterfell, welches Loki bei sich führt, als seinen ermordeten Sohn erkennt. Der König befiehlt die drei Fremden einzusperren, worauf Odin dem Hreidmar Lösegeld für seinen erschlagenen Sohn anbietet. Der König nimmt das Fell und verlangt, das Balg gänzlich mit Gold auszufüllen, worauf Odin nun Loki nach Swartalheim schickt, um dort das Rheingold zu bergen. Zuvor besorgt sich Loki von der Meeresriesin Ran deren Netz, um damit Andwari zu fangen, der dir Gestalt eines Hechtes angenommen hat. Als Loki dies gelungen ist und der Zwerg im Netz zappelt, droht er, ihn nur gegen Herausgabe des Goldes wieder freizugeben. Da schleppt Andwari den gewaltigen Schatz hervor, nur einen kleinen Ring schiebt er in seinen Ärmel. Das aber sieht Loki und verlangt auch diesen. Obwohl Andwari flehentlich bittet, ihm diesen Ring doch zu lassen, da er sich mit diesem wieder mehren könne, besteht Loki auf den Ring. Darauf fängt der Zwerg fürchterlich an zu toben an und verflucht den Schatz über mehrere Generationen, dann fällt er tot zu Boden. Loki erwidert zuletzt, der Spruch werde sich dadurch erfüllen, dass er ihn jenem zu Gehör bringen wolle, der den Ring als nächstes empfange. So geschieht es auch und der verfluchte Andwaranaut bringt all seinen nachfolgenden Eignern Unheil und Verderben. Zunächst der Sippe Hreidmars, dann Siegfried und Brünhild, die ihr Verlöbnis mit dem Ring besiegeln, später Kriemhild, die den Ring als Morgengabe erhält und schließlich das gesamte Burgundergeschlecht.

Der Mythos von der Verderblichkeit des Goldes, die alle Völker heimsucht, sobald sie erst einmal ins Zeitalter das Materialismus eintreten, ist aktuell wie nie zuvor. Schon Tacitus bezeugte eine instinktive Scheu vieler Germanen vor zuviel gleißendem Golde, da es im Menschen Gelüste wecke, die ihn völlig von sich entfremden. So heißt es in einem altnorwegischen Runengedicht: „Gold führt in der Sippe zu Zwietracht und Hader“.

Der Text ist von Voenix, das Buch ist erschienen im Arun-Verlag.