Berserker, die Bärenfellträger, sind Krieger, die sich im Kampf durch besondere Wildheit und Tapferkeit auszeichnen. Diese suchen sie zu erlangen, indem sie sich die Felle getöteter Tiere überwerfen, um so eine Verbindung mit dem Tiergeist herzustellen, dessen Instinkte und Kräfte hierdurch auf sie übergehen sollen. Damit einher geht oftmals die Einnahme berauschender Pflanzen, die man zerkaut oder in Form von Kräutersuden zu sich nimmt. Die Berserker gelten als Krieger Odins, ihm weihen sie ihr Leben, denn er ist der Kriegs- und Totengott, gleichzeitig der Beherrscher kultischer Ekstase. Wenn sie ihr Leben im Kampf verlieren, fahren sie zu ihm nach Walhall. Durch die Einnahme der psilocybinen Pflanzen, die sie in eine Art „überwachte Trance“ versetzen, geraten sie in eine Form der Kampfeswut, die auch als heilige Raserei bezeichnet wird. Dabei verfallen sie zumeist in eine Art Blutrausch, der zugleich mit einer hohen Schmerzunempfindlichkeit einhergeht. Wird der Krieger später durch einen Goden (Priester/ Druide) aus seiner Besessenheit zurückgeholt, fällt er häufig in einen tagelangen Schlaf, um seine Kräfte zu regenerieren.
Es ist unumstritten, dass die Bärenhäuter ebenso wie ihre „Kollegen“, die Ulfhednar (Wolfshäuter), im Krieg ihren Stämmen wertvolle Dienste leisteten, in Friedenszeiten aber wusste niemand so recht, etwas mit ihnen anzufangen. Die Kämpfer legten sich dann auf ihre sprichwörtlich faule Bärenhaut und verprassten das Hab und Gut ihrer Stammesgenossen. Da sie kein Interesse an Haus und Hof besaßen, war es oft unmöglich, sie in die normale Sippengemeinschaft einzugliedern. Manche Männer verwilderten derart, dass man sie verstieß oder sie das Dorf freiwillig verließen, um fortan ganz in der Wildnis zu leben. Von den Chatten ( einem Stamm, der im heutigen Hessen siedelte) ist überliefert, dass die jungen Männer mit dem Eintritt ins Erwachsenenalter ihre Kopf- und Barthaare solange wachsen lassen mussten, bis sie im Kampf ihren ersten Feind getötet hatten. In dem Märchen vom Bärenhäuter finden sich noch einige Hinweise auf diesen sogenannten „Berserkergang“, der an einen langjährigen Einweihungsweg zum Krieger erinnert. In Heldensagen tauchen Berserker meist zu zweit oder zu zwölft auf und fungieren gerne als Leibwache eines Fürsten.
Der römische Geschichtsschreiber Tacitus berichtet zur Zeit der Feldzüge Cäsars, dass viele römische Soldaten der Mut verließ, als sie den Germanen die ersten Male in der Schlacht gegenüberstanden. Der ohrenbetäubende Kriegslärm, bestehend aus wilden Gesängen, Hörnern, Trompeten und lautem Schlachtengebrüll, wurde durch das Schlagen der Schwerter und Speere auf die Schilde noch gesteigert. Doch was die Legionäre in totale Panik versetzte, waren die wilden, dreckverkrusteten Hünen, die in Todesverachtender Kampfeswut ihrem Heer vorausstürmten und laut brüllend alles niedermetzelten, was sich ihnen entgegenstellte. Dabei bissen sie in ihre Schilde und ließen sich weder von Pfeilen, Schwerthieben noch Feuer aufhalten. Mit unzähligen Wunden übersät kämpften sie weiter, angeblich ohne an Kraft und Wildheit nachzulassen.
Der Text ist von Voenix, das Buch ist erschienen im Arun-Verlag.
