Wodans Erben - germanisch, heidnisch, religiös

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Bragi, der Skalde

Bragi ist der persönliche Hofskalde Odins und musiziert in den Hallen der Götter um die Anwesenden mit seinem Gesang und Erzählungen zu erfreuen. Er soll ein Sohn Odins und dessen Gemahlin Frigg sein, während andere in dem Dichter eher einen Sohn der Riesin Gunnlöd sehen, welchen Odin mit jener zeugte, als er sich Zugang zu dem Ekstasemet Odrörir verschaffte. Als eine Art Truchsess begrüßt Bragi in Walhall die Gäste und Neuankömmlinge unter den Einherjern (Einzelkämpfern) und überreicht diesen einen Willkommenstrunk. Snorri schildert den Skalden als klugen und wortgewandten Gesellschafter, „deshalb auf seiner Zunge Denkrunen eingeritzt seien“. Er ist wegen seiner Weisheit berühmt und ist von allen Liederschmieden der Größte, weshalb die Dichtkunst nach ihm als „bragr“ benannt wird und man begabte Skalden (Dichter) mit seinem Namen betitelt und ehrt. Als bestellter und berufener Sprecher der Götter wird er meist in schon fortgeschrittenem Alter und einem langen weißen Bart dargestellt. Seine Frau ist die Frühlingsgöttin Iduna, welche, im Gegensatz zu ihrem Mann, mädchenhaft und jugendlich erscheint. Ihr gemeinsamer Wohnsitz wird Brunnakr (Brunnenacker) geheißen.

Einer der wohl ältesten bekannten Skalden war Bragi Boddason, dessen Werke im 9.Jh.u.Zt. in Skandinavien entstanden. Drei Jahrhunderte später wird er ebenso als Dichter eines schwedischen Königs aufgeführt. Da „Bragr“ auch als Titel für Häuptlinge und Fürsten gebraucht wurde, liegt nahe, dass Bragi als eine abzweigende Form von Odin angesehen werden kann, der selbst einmal diesen Namen führt und bis heute als eigentlicher Erfinder der Dichtkunst gilt. Die Skaldendichtung besticht vor allem durch ein höfisches Versmass, das gewöhnlich in Stabreimen abgefasst wurde.

In einer Überlieferung bespricht sich Odin mit Bragi über die nahende Ankunft eines im Kampf gefallenen Heldenkönigs, der nun in der Totenhalle Walhall erwartet wird. In einem anderen Lied, als die Asen den Meeresgott Ägir zu einem Gastmahl nach Asgard einladen, wird diesem ein Platz neben Bragi zugewiesen, worauf der seine „Brageredur“ (Reden des Bragi) zum besten gibt, die der Meeresgott zuweilen unterbricht, um dem klugen Redner Fragen zu stellen.

In dem Lied „Lokis Zankreden“ ergreift Bragi als erster das Wort, um Loki den Sitz an einer Festtafel zu verweigern, worauf ihn dieser vor der versammelten Göttersippe als Drückeberger und Bankzierde beschimpft, dessen Hintern lieber an der Sitzbank klebe, wenn es darum ginge, mit den Männern ins Gefecht zu ziehen. Ein Vorwurf, dem sich mancher Poet zu stellen hatte, wenngleich bekannt ist, dass einige Skalden auch große Kämpfer gewesen sein sollen.

Der Text ist von Voenix, das Buch ist erschienen im Arun-Verlag.