Brünhild ist im deutschen Nibelungenlied die Herrscherin von Island. Als große, kluge und starke Kämpferin und Walküre hat sie das Gebot erlassen, nur denjenigen zu ehelichen, der sie zuvor im fairen Kampf besiegt hat. Als Gunther, König der Burgunder, davon hört, macht er sich gemeinsam mit Siegfried und Hagen auf den Weg, um die Hand der schönen Walküre zu gewinnen. Mit Hilfe einer List von Siegfried gewinnt Gunther den zu bestehenden Zweikampf und führt die nun bezwungene als Braut an seinen Hof. Der sich ihr darauf im Schlafgemach nähernde Ehemann wird jedoch rasch als Schwächling entlarvt und kurzerhand an seinem Gürtel an einen Haken bis zum Morgen aufgehängt. Einige Jahre darauf deckt die misstrauische Isländerin den Betrug auf. Tief gekränkt und in ihrer enttäuschten Liebe von Zorn und Hass auf die Intriganten erfüllt, gibt sie solange keine Ruhe, bis Hagen sich schließlich bereit erklärt, Siegfried zu töten.
Im nordischen Wölsungenepos ist die Walküre eine Tochter Atlis (Etzel oder Attila) und galt als grimmig und streitbesessen, die zur Strafe, weil sie allzu viele Krieger in der Schlacht gefällt und somit gegen Odins Willen aufbegehrte, von diesem in einen tiefen Schlaf versetzt wird. In einer von einem Flammenring (Waberlohe) umgebenen Schildburg, gelobt sie, lediglich jenen Mann zu heiraten, der den Mut besitzt, durch die Feuerwand zu reiten. Dies ist später Sigurd (Siegfried), allerdings in Gunnars (Gunthers) Gestalt. Als die Täuschung herauskommt, stiftet Brynhild die Brüder Gudruns (entspricht Kriemhild) zum Mord an Sigurd an. Als dies geschehen ist, tötet sie außerdem Sigurds dreijährigen Sohn Sigmund (nach dessen Großvater benannt), um sich danach selbst das Leben zu nehmen. Am Ende wird eine Begräbnisstätte errichtet, wo man sie gemeinsam verbrennt.
Manches spricht dafür, dass die nordische Brynhild mit der Walküre Sigdrifa identisch sei, die zuvor Sigurd in die Geheimnisse der Runen einweihte und ihm auch sonst noch manch nützlichen rat mit auf den Lebensweg gab. In Brynhilds Gestalt vereint sich auf besondere Art und Weise das in späteren Zeiten entstandene Bild der klugen, anmutigen Schwanenjungfrau und der streitstiftenden, unbeugsamen Schildmaid, die Männer in den Kampf hetzt, um sie Odin zuzuführen. Nicht erst seit Richard Wagner zählt die Walküre zu den bekanntesten Gestalten des Altertums, so dass man kräftigen Frauen noch bis vor kurzem eine „brünhildenhafte“ Gestalt zuschrieb.
Als historisches Vorbild hat mit größter Wahrscheinlichkeit jene Brünhild gedient, die um das Jahr 550 in Spanien, als Tochter des Westgotenkönigs Athanagild geboren wurde. Später ehelichte sie König Sigibert, den 1. Herrscher des merowingischen Ostgebietes Austrien. Das sie schließlich nach Island gelangte, liegt wohl darin begründet, dass das Lied vom Drachentöter durch unzählige Varianten erweitert und umgedichtet wurde und sich Sagen in Island lange Zeit fernab des Christentums erhalten konnten. In der Vulkanlandschaft dieser Insel dürfte der Ursprung der vielbedeutenden „Waberlohe“ auch am ehesten zu suchen sein.
Der Text ist von Voenix, das Buch ist erschienen im Arun-Verlag.
