Wodans Erben - germanisch, heidnisch, religiös

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Fjörgyn, die Erdmutter

Fjörgyn ist die personifizierte Erde selbst, deren üppige Landschaft sich hier in Form einer schwangeren Frau ausbreitet. Gleich gegen den Strom anschwimmenden Lachsen, die zum Laichen an ihren Geburtsort zurückkehren, so kehrt auch der Mensch am Ende seines Seins wieder in die Dunkelheit ihres geborgenen Leibes zurück. Fjörgyn selbst wird als eine Tochter der Nott (Nacht) und des Anar (der Andere) bezeichnet. Als urmütterliche Naturgottheit wurde sie bereits schon lange verehrt, als der Tyr- und Odin- Glaube noch gar nicht bestand. Weitere wichtige Namensbezeichnungen in der Edda lauten auch Hlódyn, Nerthus, Bestla oder Jörd. Als Bestla (möglicherweise eine andere Bezeichnung für die Urkuh Audhumla) wird sie schon als Urmutter der drei Götter Odin, Wili und We erwähnt. Nach Snorri zerteilten diese drei Götter den Urzeitriesen Ymir, um aus dessen Fleisch die Erde zu erschaffen. Darüber spannten sie das Himmelszelt, das sie aus der Schädeldecke des Riesen fertigen. Sie stellten vier Zwerge auf, einen in jede Himmelsrichtung, damit sie fortan das Sternendach stützen. Die Götter nannten die Erde Midgard (Wohnort in der Mitte), da sie inmitten der neun Welten des Weltenbaumes lag. Sie bauten einen Wall darum, um die auf ihr wohnenden Menschen vor den Angriffen der Riesen zu schützen. Des Weiteren zogen sie um Midgard einen Meeresgürtel, auf dessen Grund sich die mächtige Midgardschlange Jörmungand ringelt, welche die ganze Welt umspannt.

Als Jörd oder Hlódyn zeugte Odin mit ihr seinen ersten Sohn, den mächtigen Thor, der die Götter und die Menschen mit seiner Erdkraft gegen die Riesen schützt. Aus diesem Grund nennt man Thor auch den „Sohn der Erdgöttin“. Odins Gattin Frigg ist ebenfalls eine direkte Tochter von Fjörgyn, der von Snorri zwar als ihr Vater (?) angegeben wird, vermutlicher aber mit der Erdmutter selbst identisch ist. Als eine Vertreterin der Erdgöttin wird auch die spröde Riesin Rinda angesehen die der Göttervater durch eine List schwängert, damit der künftige Sohn später den Mord an seinem Sohn Balder rächt. In diesem Mythos verkörperte Rinda die noch gefrorende Wintererde, die hartnäckig verweigert, sich den befruchtenden Strahlen der Sonne (Odin) hinzugeben.

Unter dem Namen Nerthus wird die Erdgöttin ebenfalls von dem römischen Geschichtsschreiber Tacitus erwähnt, der schon im 1. Jh.u.Zt. berichtet, wie man zu ihren Ehren einen von Kühen gezogenen Wagen durch das ganze Land fuhr, der reich geschmückt war. In dieser heiligen Zeit herrschte überall festliche Stimmung und die Waffen mussten ruhen.

Der Text ist von Voenix, das Buch ist erschienen im Arun-Verlag.