Forseti, der Richtergott, ist einer der Asen und Sohn des Balder und dessen Gattin Nanna. Sein Sitz in Asgard ist der Saal Glastheim (der schimmernde), der goldene Säulen und ein silbernes Dach besitzt und als die beste Gerichtstätte bei Göttern und Menschen gilt. Dort weilt Forseti die meisten Tage, um das ihm zugewiesene Amt auszuüben. Sein Wesen wird als milde, freundlich und besonnen beschrieben, das seinem Vater gleicht, dem er in Weisheit und Redegewandtheit in nichts nachsteht. Des Gottes altnordischer Name bedeutet soviel wie „Vorsitzender“ und man erhob ihn später allgemein zum Richtergott, da es in der Edda heißt, dass alle, die mit Streitigkeiten zu ihm kommen, verglichen und versöhnt wieder von ihm gehen. Dieser Titel bezieht sich vor allem auf das regelmäßig abgehaltene Thing, wo meist der Adelige den Vorsitz führte, der sich durch Weisheit und Rechtschaffenheit einen guten Ruf gemacht hatte. Das Thing war die gesetzgebende und richtende Versammlung aller freien Männer, und seine Ursprünge rechen weit zurück. Bei diesen Treffen galten heilige und strenge Regeln, deren Missachtung mit Strafen oder Ausschluss geahndet wurden. Forsetis richtende Gewalt findet sich in älterer Zeit noch bei dem durch Odin abgelösten Himmelsgott Tiuz (Tyr).
Es existiert eine alte Aufzeichnung aus dem Jahre 790 nach unserer Zeit, wo eine Insel, welche sich zwischen Nordfriesland und Dänemark befindet (möglicherweise Helgoland?), nach dem dort verehrten Gott „Fosites Land“ genannt wurde. Die Friesen verehrten den Gott Fosite und einige Forscher sind der Ansicht, dass es sich hierbei um ein und dieselbe Gottheit handelt. Besagte Insel mit den dort existierenden Quellen und weidenden Herden galt als großes Heiligtum der Friesen.
Nach einer alten Sage (welche die Bekehrung zum Christentum zum Hauptzweck erhebt) werden von dem König Karl dem Großen zwölf Gesetzessprecher eingesetzt, um von nun an Recht zu verkünden. Als diese Männer sich bei einer Verhandlung nicht einig werden, lässt sie König Karl in einem Segel- und Ruderlosem Schiff auf offenem Meer aussetzen. In ihrer Verzweiflung beten die Männer nun zum neuen Christengott, auf das er ihnen gleicher Art helfe, wie er einst seine zwölf Jünger vor dem Sturm gerettet habe. Da taucht mit einem mal ein dreizehnter Mann unter ihnen auf, der sie sodann mit einem Ruder sicher ans Land steuert. Dort lehrt sie dieser Mann die Rechtsprechung, um darauf ebenso geheimnisvoll wieder zu verschwinden. Die Männer kehren zu König Karl zurück, der sie nun, überzeugt von ihrem Können (Glauben), erneut als Richter einsetzt. So entstand das friesische Recht.
Bei dieser Geschichte drängt sich der Verdacht auf, dass es sich bei dem plötzlich erscheinenden Mann ursprünglich um Odin handelte, dessen unerwartetes Auftauchen sich in vielen Sagen findet.
Der Text ist von Voenix, das Buch ist erschienen im Arun-Verlag.
