Wodans Erben - germanisch, heidnisch, religiös

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Freyja, die Liebesgöttin

Freyja, die wanische Göttin der Liebe, ist nach Frigg die angesehenste unter den Göttinnen. Sie verfügt über mehrere Aufgabengebiete und eine ganze Anzahl magischer Fähigkeiten. Ihr Name bedeutet „Frau“ oder „Herrin“. Freyr (Herr) heißt ihr Bruder, der gleichzeitig auch ihr Geliebter ist. Später heiratet Freyja einen Mann Namens Odur, der etymologisch auf Odin hinweist. Über diese Verbindung ist lediglich bekannt, dass Odur meist abwesend war und als Wanderer durch die Welt zog. Die Göttin weinte aus Sehnsucht goldene Tränen um ihn, weshalb sie den Beinamen „tränenschöne Göttin“ bekam. Die gemeinsame Tochter der beiden ist Hnoss (Kleinod/ Schmuckstück). Mehrfach tritt die Göttin mit Tieren auf. Sie reitet auf dem Eber Hildeswin, und zur Bestattung des Toten Balders fährt sie auf einem Wagen, der von zwei Katzen gezogen wird. Des Weiteren besitzt sie ein Gewand aus Falkenfedern, das ihr die schamanische Kraft des Fliegens verleit und von Loki des Öfteren ausgeliehen wird.

In einer anderen Form begegnet uns Freyja als Kriegerin und Heerführerin. Ihre persönliche Halle trägt den Namen Sessrumnir (der Sitzreiche). Ihr Wohnsitz heißt Folkwang (Feld des Volkes/ Heeres) und wenn sie als Walfreyja in die Schlacht zieht, bekommt sie als oberste der Walküren die Hälfte aller Gefallenen zugesprochen, während Odin die andere Hälfte zufällt. Freyjas dritte große und wichtige Charaktereigenschaft ist ihre Gestalt als Seidkundige Zauberin. Mehrmals wird Freyja von den Riesen begehrt, die immer wieder die Asen zu erpressen suchen, um die Liebesgöttin für sich zu gewinnen. Nicht zu Unrecht gerät sie zuweilen in Zorn, wenn die Götter über ihren Kopf hinweg meinen, bestimmen zu müssen, wem sie als Pfand, Gegenwert oder Geschenk auszuhändigen sei. Von Loki und der Riesin Hyndla wird sie hingegen als mannstoll beschimpft, da schon viele der Wanen, Asen und Alben sich ihrer Liebeskunst erfreuen durften. Vier Zwerge fertigten ihr den Halsschmuck Brisingamen an, der ihr den Namen Menglöd (die Halsbandfrohe) einbringt. Als Belohnung hierfür verbringt Freyja mit den Zwergen eine Liebesnacht. In einer anderen Geschichte wird dieser Schmuck von Loki gestohlen, aber von dem Gott Heimdall erfolgreich zurückgebracht. Als Gullweig (Goldglänzende) kommt sie zu den Asen, um diese angeblich zu verführen, worauf man sie wegen ihrer Kräfte dreimal vergeblich zu verbrennen sucht. Später nennt sie sich Heidh (die Leuchtende) und lehrt Odin die Kunst der Seidmagie, die aus verschiedenen Formen schamanischer Praktiken besteht.

Eine Ursache dafür, dass viel von dem Wissen über den erotischen und sinnlichen Charakter Freyjas verloren ging, waren wohl die christlichen Missionare, die akribisch darauf bedacht waren, den heidnischen Kult und Glauben um diese „mannstolle Hexe“ besonders gründlich auszumerzen. Trotzdem wurden einige ihrer Eigenschaften über die Jahrhunderte in alten Sagen und romantischen Liedern der Skalden und Troubadoure erhalten, die sie noch lange Zeit um Inspiration für Liebesoden anriefen. Der Freitag wurde nach ihr benannt, gilt als ihr heiliger Tag und wird auch heute noch neben dem Donnerstag von vielen jungen Paaren als Hochzeitstag ausgewählt.

Der Text ist von Voenix, das Buch ist erschienen im Arun-Verlag.