Wodans Erben - germanisch, heidnisch, religiös

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Freyr, der Herr

Freyr ist der wanische Gott der Fruchtbarkeit, des Wachstums und des gedeihenden Friedens. Er ist der Bruder und erste Geliebte der Liebesgöttin Freyja und Sohn des Wanengottes Njörd. Seine Mutter ist Nerthus, die wiederum mit Fjörgyn, der Erdmutter selbst, identisch ist. Freyrs Welt ist Alfheim, die Heimat der Lichtelfen und höheren Elementargeister, durch deren Tanzreigen sogenannte „Feenkreise“ oder „Hexenringe“ entstehen. An diesen Plätzen sprießen die Pilze, und ihr Zentrum gilt als Astraltor zur Anderswelt.

Freyr wird als vornehmster unter den Götter beschrieben und regiert über Regen und Sonnenschein. Des Gottes Reittier ist der leuchtende Eber Gullinbursti (der Goldborstige), den er als Geschenk von den beiden Zwergen Sindri und Brokk erhielt. Weiter besitzt der Wanengott das vortreffliche Schiff Skidblatnir, das ebenfalls von Zwergen gefertig wurde. Es heißt, es sei so groß, das alle Götter in voller Rüstung Platz darin fänden und es immer günstigen Fahrtwind bekomme. Wird es nicht benötigt, kann es wie ein Tuch zusammengefaltet werden und bequem in der Tasche Platz finden.

In der Edda verliebt sich der Fruchtbarkeitsgott unsterblich in die schöne Riesin Gerda, nachdem er zuvor unerlaubt auf Odins Hochsitz Platz genommen und diese von dort aus erschaut hatte. Daraufhin begibt sich sein Freund Skirnir, ausgestattet mit Freyrs selbstkämpfendem Schwert, nach Thrymheim, um für seinen Herrn um Gerdas Hand anzuhalten. Um sein Ziel zu erreichen, willigt Skirnir am Ende ein, dem Brautvater das Schwert zu überlassen. Neun Tage darauf darf Freyr seine Geliebte in dem Wäldchen Barri (Knospenaue) endlich in die Arme schliessen. Parallel dazu erfahren wir, das Freyr, der nun sein Schwert entbehren muß, gegen einen Riesen Namens Beli (Brüller) kämpft, der vermutlich ein Bruder der Gerda ist und versucht, deren Eroberung zu verhindern. Doch der Naturgott tötet ihn mit seinem Hirschgeweih und verbildlicht so vortrefflich die Zweikämpfe von wilden Tieren in der Brunftzeit.

In den Ragnarök kämpft Freyr schließlich gegen den übermächtigen Riesen Surt und muß vergehen. Das Schwert des Vegetationsgottes (die Zeugungskraft der Natur) wurde den Riesen (Gegenkräften) geopfert, um Gerda (die Erde) befruchten zu dürfen. Am Ende muss die Natur nun dem alles verschlingenden erneuernden Feuer weichen.

Freyrs Name bedeutet soviel wie „Herr“ und ist mehr Titel als Name. Der eigentliche Name des Gottes, Ing, findet sich in einem alten Vers zur 22. Rune Ingwaz. Die mit Freyr in Verbindung stehenden Fruchtbarkeitskulte erfahren ihren Höhepunkt im „Hohe Maien Fest“ (Walpurgisnacht, Beltane), wo die heilige Vereinigung zwischen dem Gehörnten und der Göttin gefeiert wird. Dieser rituelle Geschlechtsakt wird häufig von Priestern, aber auch dem gewöhnlichen Landvolk in der Nacht zum 1. Mai auf Äckern und in Wäldern vollzogen, und es heißt, dass die in jener Nacht gezeugten Kinder vom Glück des Feenreiches bedacht seien, was die Kirche freilich anders sah und sieht.

Der Text ist von Voenix, das Buch ist erschienen im Arun-Verlag.