Wodans Erben - germanisch, heidnisch, religiös

Du bist hier: Schrifttum → Der germanische Götterhimmel → Frigg, die Göttermutter
Frigg, die Göttermutter

Frigg ist die oberste der Asinnen und die Gemahlin Odins. Dieser befragt sie des Öfteren um Rat, da sie die Schicksale aller Menschen und Götter kennt. Dennoch spricht die Göttin keine Weissagungen über zukünftige Ereignisse aus, da Schweigsamkeit ihr oberstes Gebot ist. Sie ist die Tochter Fjörgynns, der zwar als Vater angegeben wird, wahrscheinlich aber mit der Erdgöttin Fjörgyn identisch ist. Friggs Wohnsitz in Asgard ist Fensalir (Meeres- oder Sumpfsaal). Ihre nächsten Dienerinnen sind die Zofe Fulla (Fülle) die mit offenen Haaren geht und sich um ihre Garderobe und Geschmeide kümmert, und Gna, eine Jungfrau, die sie mit ihren Botschaften an die verschiedensten Orte schickt, welche diese auf ihrem schnellen Ross Hofwarpnir (Hufwerfer) umgehend überbringt. Als Herrin des Hauses obliegt Frigg die häusliche Schlüsselgewalt. Die Übergabe des Hausschlüssels war in manchen Stämmen wichtiger Bestandteil des Hochzeitsrituals. Wurde die Ehe geschieden, gab die Frau ihn zurück. Der Göttin heiliger Gegenstand ist der Spinnrocken, in dem ihre magische Tätigkeit verborgen liegt, da sie im drehen des Fadens die Schicksale aller Lebewesen erblickt. Lediglich die Sorge um ihren Sohn Balder lassen sie einmal ihr Schweigegelübte brechen, was sich jedoch auf grausame Weise rächt, da ihre Bemühungen, den vorausgeahnten Tod ihres Sohnes zu verhindern, überhaupt erst zu dessen Ermordung führen.

Friggs Ursprung als Göttermutter geht auf den alten Namen Frija zurück, unter dem sie ursprünglich dem alten Himmelsgott Tiuz zur Seite stand, der irgendwann von Odin abgelöst wurde und nun dessen Gattin „übernahm“. So gingen aus Frija später vermutlich auch die beiden anderen Göttinnen Freyja und Hel hervor. Während Frigg nun die häusliche Gewalt oblag, war Freyja für die ungebundene Liebe und Hel für den Todesaspekt zuständig. In der Göttin Holda (hold= lieb), besser bekannt als Frau Holle oder Frau Freke, findet sich hingegen wieder ein ganzheitlicheres Bild der Göttin, die als liebenswerte aber auch strenge Frau die fleissigen und aufrechten Menschen beschenkte und die missratenen zur Rechenschaft zog.

Öfters tauchen Frigg und Odin als göttliches Ehepaar auf, welches bei Auseinandersetzungen zwischen menschlichen Königen die jeweiligen Parteien vertritt und nun zu Mitteln wie List und Trug greifen, um die Absichten ihrer persönlichen Günstlinge durchzubringen. Bei diesen Ehestreitigkeiten geht Frigg mehrere male als Siegerin hervor.

In seinen Zankreden wirft Loki der Göttin vor, in Odins Abwesenheit diesen mit seinen beiden Brüdern Wili und We betrogen zu haben. Diese Anschuldigung verweist auf den Mythos von Odins Verbannung, nachdem dieser die Rind geschwängert hatte. In einer Sage Saxos heist es hingegen, Odin trat seine Verbannung selbst an, nachdem seine eifersüchtige Gattin aus Wut eine goldene Statue von ihm zerstört und sich einem ihrer Diener hingegeben hatte.

Ebenso wie bei Freyja wird der Freitag als Friggs persönlicher Wochentag angesehen. Mit Freyja teilt sie sich auch den goldenen Halsbandschmuck Brisingamen und ist wie diese im Besitz eines Falkenfederkleides. Ihr heiliges Tier ist der Reiher, der gleich dem Storch als Sinnbild für Häuslichkeit und deren bewahrer gilt. "Friggjargras" heißt eine Pflanze auf Island, die man dem Partner unters Kopfkissen legen soll, um dessen Liebesverlangen wieder zu entfachen und sich seiner Treue zu versichern.

Der Text ist von Voenix, das Buch ist erschienen im Arun-Verlag.