Wodans Erben - germanisch, heidnisch, religiös

Du bist hier: Schrifttum → Der germanische Götterhimmel → Gefion, die Gebende
Gefion, die Gebende

Gefion wird unter den jungfräulichen Asinnen aufgezählt, und es heißt, an ihrer Seite gehen all jene Frauen, die als Jungfrauen sterben. Die Sage malt sie gewöhnlich in der Tracht des fahrenden Volkes, wie sie fröhlich lachend eine Peitsche schwingt, mit der sie vier gewaltige Ochsen antreibt, die vor einen schweren Pflug gespannt sind. Über diese Göttin ist nur wenig bekannt, doch weisen einige Vermutungen darauf hin, dass sich hinter Gefion keine andere als Freyja selbst verbirgt, die an einer anderen Stelle mal den Namen „Gefn“ führt. Jacob Grimm wies darauf hin, dass „gefn“ mit „geofon“, angelsächsisch: „geban“ (Meer) zusammenhänge und auch Gefion hierher gehöre, es sich somit als um eine Art Seegöttin aus dem alten Geschlecht der Wanen handelte. Ebenso ist überliefert, dass im Namen der Göttin Eide abgelegt wurden.

In „Lokis Zankreden“ wird die Gefion von Loki beschuldigt, ihre Schenkel um einen blonden Jüngling geschlungen zu haben, der sie zur Lust verlockt und ihr Schmuck dafür geboten hätte. Daraufhin erwidert Odin, wie dumm es von Loki sei, den Zorn von Gefion zu erregen, da sie, gleich ihm, um alle Weltgeschicke wisse. Eine Eigenschaft, welche sonst nur den Nornen und der Göttermutter Frigg ansteht, von der Gefion ebenfalls abgezweigt sein könnte. Der Verfasser der „Zankreden“ führt sie allerdings als eigenständige Göttin auf, obwohl er sonst nichts weiter von ihr berichtet.

Die bekannteste Sage um die Gefion wird von einem Skalden Namens Bragi erzählt: Der an der Küste lebende König Gylfi herrscht über Schweden, als eines Tages ein fahrendes Weib an seinen Hof kommt. Aus Dankbarkeit für das genossene Vergnügen ihrer Künste, gesteht er der schönen Frau so viel Ackerland zu, wie vier Ochsen an einem Tage und einer Nacht umzupflügen vermögen. Die Frau aber ist vom Geschlecht der Asen und ruft ihre vier Söhne (?!) herbei, die sie fernab in Jötunheim mit einem Riesen gezeugt hat und verwandelt sie in vier kräftige Ochsen. Diese spannt sie vor den Pflug, der sich darauf so scharf und tief in die Erde gräbt, dass sich unter ihm der Boden teilt. Das von Festland abgetrennte Stück schleppen die Tiere gen Westen aufs offene Meer hinaus, bis sie schließlich, nach Ablauf der Frist, am Ende eines gewaltigen Sundes stehen bleibt. Hier festigt Gefion das Land und gab ihm den Namen Selund (Seeland). Der in der Früh erwachte König staunt nicht schlecht, als er mit großen Augen sehen muss, was sich zugetragen hat. Dort aber, wo das Land herausgerissen ward, entstand ein See, der jetzt in Schweden Log (der Mälarsee) genannt wird.

In der Ynglingasaga verbindet sich der Mythos von Gefions Landgewinnung mit der Einwanderung der Asen aus Sachsen über Dänemark nach Südschweden. Dort ist es Odin selbst, der die Göttin aussendet, um Land zu suchen. Später heißt es, dass Gefion dort in Selund ihren Wohnsitz nahm. Skjold, ein angeblicher Sohn Odins, der Ahnherr des dänischen Königsstammes der Skjoldungen, freite um sie, und sie wohnten zu Hleidra.

Eine andere Sichtweise sieht in dem besagten Mythos vom Landpflügen eine alte Erinnerung an eine furchtbare Sturmflut, die in früher Vorzeit von Norden hereinbrechend, Seeland von der skandinavischen Halbinsel losgerissen haben soll.

Der Text ist von Voenix, das Buch ist erschienen im Arun-Verlag.