Gerda ist die jungfräuliche Tochter des Riesen Gymir und dessen Gattin Aurboda, die beide aus dem Geschlecht der Bergriesen stammen. Gerda, von der es heißt, sie sei so schön, dass von ihr Luft und Gewässer wiederleuchteten, spielt eine tragende Rolle in dem bekannten Skirnirlied.
Als Freyr, der Gott der Vegetation und Fruchtbarkeit, sich mit seiner Familie in Asgard aufhällt, besteigt er in Hlidskjalf heimlich Odins Hochsitz, von welchem man auf jeden Ort in der Welt herabsehen kann. Dort erblickt Freyr im Norden ein Gehöft, vor dem ein wunderschönes Mädchen spazieren geht. Als sie die Arme hebt, geht von ihr ein solch strahlendes Leuchten aus, dass der junge Gott sich augenblicklich unsterblich in die schöne Riesentochter verliebt. Nun rächt sich die Überheblichkeit des Wanengottes, auf Odins Thron verbotenerweise Platz genommen zu haben, denn fortan befällt ihn fürchterlicher Liebeskummer. Dieser Zustand hat gravierende Folgen für die Natur, die langsam abzusterben beginnt. Fortan vernachlässigt Freyr all seine Pflichten und findet an nichts mehr gefallen.
Die Götter geraten darüber in große Sorge und auf Njörds Geheiß begibt sich Skirnir, Freyrs vertrauter Diener, zu ihm und fragt nach dem Grund seiner Verzweiflung. Als der Gott ihm von seiner kummervollen Liebe erzählt, erbietet sich Skirnir, nach Jötunheim zu reiten, um für seinen Herrn um die Hand Gerdas anzuhalten. Alsbald reitet der mutige Diener auf Freyrs Pferd zu Gymirs Gehöft. Dort wird er von einem Wächter, Gerdas Bruder, aufgehalten, bezwingt eine Rotte bissiger Hunde und setzt schließlich mit lautem Getöse über die Umzäunung. Gerda, durch den Aufruhr neugierig geworden, geht in den Hof und erblickt den fremden Reiter, der sich ihr vorstellt und sogleich seine Werbung vorträgt. Zunächst bietet er ihr elf goldene Äpfel aus dem Garten der Iduna, darauf den kostbaren Ring Draupnir, was die spröde Riesentochter jedoch beides ablehnt. Darauf versucht Skirnir, sie mit schlimmen Flüchen und Verwünschungen zu bedrohen, was der schönen einen Schrecken versetzt. Schließlich willigt sie unter der Bedingung ein, dass ihre Sippe Freyrs Schwert als Brautgeschenk erhalte. Betrübt geht der verzweifelte Skirnir auf diesen Handel ein, worauf Gerda ihm eine Botschaft für seinen schmachtenden Herren mitgibt, in der sie verspricht, ihren zukünftigen in neun Nächten in einem versteckten Wäldchen zu treffen. Mit dieser Nachricht reitet Skirnir zu dem ungeduldig ausharrenden Freyr zurück, der über diese Kunde überglücklich ist.
Freyr, der den männlichen und befruchtenden Aspekt der Natur verkörpert, verleiht am Ende des Liedes seiner Sehnsucht Ausdruck, sich mit der geliebten endlich vereinen zu wollen. Gerda hingegen steht für die aus den Riesen entstandene Erde selbst. Es geht um die Vereinigung des männlichen und weiblichen Elements, das seinen Höhepunkt im Walpurgis, Kürfest, Beltane oder Hohen Maien hat. Die von Gerda verlangten neun Nächte der Besinnung und des Ausharrens entsprechen den neun Walpurgisnächten vor dem 1. Mai- Wonnemond in welchen die „befruchtenden Säfte“ gesammelt und somit gesteigert werden. Schließlich wird der große Fruchtbarkeitsritus vollzogen und der Frühling eingeläutet. Durch die Heirat mit Freyr wird Gerda bei den Asen aufgenommen und somit zu Njörds Schwiegertochter.
Der Text ist von Voenix, das Buch ist erschienen im Arun-Verlag.
