Gullweig, die Goldreiche, lautet der Name einer mächtigen Zauberin und Seherin, deren Auftauchen in der Völuspa schon zu vielen Spekulationen führte. Ganze zwei Versreime liegen über Gullweig vor, dennoch geben diese einigen Aufschluss über ihr Wesen. Im Mythos erscheint die Göttin bei den Asen und erweckt durch ihr „goldreiches“ Auftreten deren Neid und Gier nach dem glänzenden Metall. Da sie wähnen, dieses nur durch den Tod der vermeintlichen Zauberin bekommen zu können, stoßen sie Gullweig mit ihren Speeren und versuchen dreimal, sie zu verbrennen, was aber jedes mal misslingt. All das geschieht in Odins Halle und es stellt sich heraus, dass als Folge dieser tat der erste Krieg zwischen Asen und Wanen in die Welt kommt. Odin, der hier als Heervater betitelt wird, kann deutlich als Aggressor identifiziert werden, da er kurz darauf seinen Speer Gungnir über das feindliche Heer schleudert, welches die ruchlose tat an ihrer schönen Priesterin zu rächen gewillt ist. Beide Völker richten untereinander großen Schaden an und man handelt schließlich einen Vertrag aus, bei dem Friedensgeiseln getauscht werden. Die Wanen schicken Njörd und seinen Sohn Freyr, während die Asen Hönir und den Riesen Mimir senden. Die Wanen halten dies aber für einen schlechten Handel und es kommt erneut zum Kampf, infolgedessen die Burg der Asen komplett zerstört wird. Ein zweiter Vertrag bringt den weisen Menschen Kwasir hervor und fortan herrscht Friede.
In Gullweig wird heute allgemein die Liebesgöttin Freyja vermutet, die von den Asen zunächst misshandelt. Erst später, nachdem Friede herrscht, sind die Götter bereit, Kult und Wissen der Wanen anzuerkennen und teilweise in ihre eigene, neue Weltordnung zu integrieren. Weiter ist zu erfahren, dass Gullweig in der Gestalt von „Heidh“ zu Odins magischer Gefährtin wird, indem sie ihn in die Geheimnisse des Seidr einführt. Seidr ist eine schamanische Hexenkunst, die auch Teile von Sexualmagie beinhaltet, wo mit speziellen Praktiken altes Wissen von den Meister/ innen auf ihre Initianten weitergegeben wird. Diese Form von weiblicher Macht, mit all ihren dunklen und geheimnisvollen Kräften, war möglicherweise der ausschlaggebende Grund dafür, dass die Asen die Göttin zunächst als Bedrohung erachteten und ihren Tod beschlossen. Das vollständige Vernichten einer angeblichen Hexe durch Feuer erhielt sich bekanntlich bis in die jüngere Vergangenheit.
Der Text ist von Voenix, das Buch ist erschienen im Arun-Verlag.
