Gunther, König der Burgunder, herrscht im Nibelungenlied gemeinsam mit seinen beiden jüngeren Brüdern Giselher und Gernot über Worms. Sein treuer Waffenmeister und Berater ist der grimmige Hagen, der ihm bis zum Tod zur Seite steht. Obwohl König Gunther gemeinhin als großer Kämpfer und Herrscher aufgeführt wird, ist doch nicht zu übersehen, dass er bei wesentlichen Entscheidungen und Taten auf menschlicher Ebene versagt. In einer eher unrühmlichen Begebenheit des Walthariliedes aus dem 9. Jh. erliegt Gunther der Gier nach Gold, welches er in den Satteltaschen des Ritters Walther vermutet, der sich mit seiner Verlobten Hildegund auf der Flucht vor den Hunnen befindet. Um an das Gold zu gelangen, hetzt Gunther viele seiner Getreuen in den Tod und die Geschichte endet damit, dass alle Beteiligten schwere Wunden davontragen.
Im Nibelungenlied zieht der König aus, um die Walküre Brünhild zu freien. Zuvor aber muss er sich mit dieser in drei Wettkämpfen messen. Ohne die heimliche und tatkräftige Hilfe Siegfrieds scheint ihm der Tod sicher, doch Dank einer unsichtbar machenden Tarnkappe, streitet dieser erfolgreich anstelle des Königs. Später verhilft Siegfried Gunther erneut zum Triumph, als sich diesem die kräftige Brünhild im Schlafgemach verweigert und den schwächlichen Gatten kurzerhand mit ihrem Gürtel an einen Haken hängt. Als Brünhild den Betrug durchschaut, stachelt sie Hagen und Gunther dazu auf, Siegfried ermorden zu lassen. Gunther, der in seiner Rolle als König stets hoch hinaus will, findet sich schließlich mit den eigens entfesselten Schicksalskräften überfordert. Am Ende der Sage sterben er, seine Brüder, Hagen und sämtliche burgundischen Kämpfer am Hofe Attilas, wo Kriemhild an ihnen allen grausame Rache nimmt.
Gunnar lautet sein Name im nordischen Wölsungenepos. Dort ist er der Sohn der Grimhild (Uote) und des Königs Gjuki (Dancrat). Högni (Hagen) ist sein Bruder und beide stiften den gemeinsamen Halbbruder Guthorm zum Mord an Sigurd (Siegfried) an. Später werden sie von Atli (Attila/ Etzel), dem Bruder der Brynhild, an dessen Hof gelockt, da der Hunnenherrscher das Rheingold in seinen Besitz bringen möchte. Högni wird das Herz herausgeschnitten, während Gunnar sein Leben in einer Grube voller giftiger Schlangen aushaucht.
Geschichtlichen Quellen zufolge handelt es sich um jenen König Gunther, der im Jahre 411 einen Vertrag mit den Römern schloss und das Volk der Burgunder über den Rhein brachte.
In viele Kulturen galt der König als sichtbarer Ausdruck des schaffenden Schicksals und Glück seines Landes. Als oberster Repräsentant seines Volkes musste er sich stets im Vollbesitz seiner Vitalität befinden, die er zuweilen öffentlich unter Beweis zu stellen hatte. Traten Mängel, Versagen oder Altersschwäche auf, wurde er abgesetzt oder rituell getötet.
Der Text ist von Voenix, das Buch ist erschienen im Arun-Verlag.
