Hödur, auch Hod genannt, dessen Name übersetzt soviel wie „Kampf“ bedeutet, ist ein Sohn Odins und der Frigg. Seine traurige Berühmtheit erlangt er durch jene unheilvolle Tatsache, dass er im Verlauf eines Wettschießens unbeabsichtigt seinen eigenen Bruder Baldur tötet. Hödurs auffälligstes Merkmal ist seine Blindheit, wodurch er zu einem Leben in ewiger Dunkelheit verdammt ist. Zwar ist ein blinder Kämpfer nur schwer vorstellbar, da sich aber weder etwas über eine erfolgte Blendung noch eine Verwundung findet, welche zum Verlust seines Augenlichtes geführt haben könnte, lässt vermuten, dass Hödurs Behinderung erst nachträglich durch christliche Einflüsse hinzukam, um seine Tat, die eher einer „Verblendung“ gleicht, ein wenig zu entlasten, wodurch die Schuld des eigentlichen Drahtziehers umso größer erscheint.
Die Edda berichtet über den Verlauf dieses Dramas. Balder wird von unheildrohenden Träumen geplagt, worauf seine Mutter Frigg allen Dingen den Eid abnimmt, fortan ihrem Sohn keinen Schaden mehr zuzufügen. Die Götter, erfreut darüber, dass ihr strahlender Held nun unverwundbar ist, versammeln sich darauf und beginnen, mit Waffen nach Balder zu werfen. Nur Loki missfällt dieses Spiel, und so begibt er sich in der Gestalt eines alten Weibes zum Palast der Frigg. Dort findet er heraus, dass die Göttin bei ihrem Anliegen, den Sohn zu schützen, vergessen hatte, die noch zu junge Mistel einen Eid schwören zu lassen. Darauf geht Loki zum Kampfplatz zurück, reißt eine Mistel heraus und flechtet aus ihr einen Speer. Während die Götter mit ihrem Spiel fortfahren, gesellt er sich zu dem im Hintergrund stehenden Hödur und fragt diesen, warum er denn nicht nach Baldur werfe. Jener antwortet, er hätte weder Waffe noch Augenlicht, um diesen zu treffen, worauf ihn Loki ermutigt und anbietet, ihm die Wurfhand führen zu wollen. So fliegt der aus Misteln geflochtene Speer aus Hödurs Hand und durchbohrt Balder, der darauf tot zu Boden fällt. Alle Anwesenden erstarren vor Entsetzen und allgemeines Wehklagen bricht aus. Da die Mordtat auf heiligem Boden geschehen ist, können sie aber zunächst nichts unternehmen.
Schließlich wird Hermod, ein weiterer Odinssohn, auf Sleipnir zur Hel ins Totenreich geschickt, um dort auf Friggs Geheiß Balders Rückkehr zu erflehen. Doch als alle Versuche scheitern, tritt schließlich ein weiterer Odinssohn mit Namen Vali auf den Plan, der den Mord rächt und Hödur erschlägt. In einer Sage des Schreibers Saxo, wird Balder von einem Mann Namens Hötherus mit dem Schwert erschlagen.
Da es mit der Tötungsart des Lichtgottes eine eigenartige Bewandtnis hat, wurden schon verschiedene Versuche unternommen, den Mythos zu deuten. Die gängigste ist das Drama als Allegorie auf die zur Sommerwende dahinsterbende Sonne, die ihren Zenit überschritten hat und nun langsam der wiederaufkommenden Dunkelheit und Kälte weichen muss, die durch Hödur verkörpert wird. Im goldenen Zeitalter jedoch, sollen Balder und Hödur von den Toten wieder auferstanden und gemeinsam mit ihren Brüdern Vali und Widar versöhnt im Himmelspalast Gimle die Herrschaft über die neue Welt antreten.
Der Text ist von Voenix, das Buch ist erschienen im Arun-Verlag.
