Wodans Erben - germanisch, heidnisch, religiös

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Hyndla, die Zauberin

Hyndla ist eine zauberkundige Riesin, die in dem nach ihr benannten „Hyndluljod“ (Lied der Hyndla) auftritt. Dieses Lied entstand angeblich erst im 14. Jh., so dass eine Zuordnung zu älteren Schriften nicht ohne weiteres erfolgen kann. Die Geschichte erzählt von der Liebesgöttin Freyja, welche die Riesin aufsucht und sie bittet, gemeinsam mit ihr nach Walhall zu reiten. Dort soll Hyndla, die über vorzügliche genealogische Kenntnisse verfügt, ihr helfen, eine Wissenswette zu gewinnen. Freyja reitet auf einem Eber, in dem die kluge Riesin jedoch sogleich einen männlichen Anhänger Freyjas vermutet, der für diese Fahrt von der Göttin in ein Schwein verwandelt wurde. Dieser Mann Namens Ottar hat zuvor mit einem anderen Mann darum gewettet, wer von ihnen beiden die besseren Kenntnisse über die Namen ihrer Ahnenreihe besäße. Um sich eines Siegreichen Ausgangs der Wette zu versichern, hatte Ottar sich zuvor durch Opferung Freyjas Gunst erfleht.

Widerstrebend folgt die auf einem Wolf dahinfahrende Hyndla der Göttin durch die Nacht. Im Laufe des gemeinsamen Rittes zählt nun die Riesin eine ganze Liste von Namen und einstigen Geschlechtern auf, von denen Ottar abstamme, allerdings nicht ohne ihn am Ende jeder Strophe als Schwachkopf zu beschimpfen. Nachdem der in Tiergestalt wandelnde Ottar den gesamten Namenskatalog, vernommen hat, fordert Freyja die Riesin auf, ihrem Schützling noch einen Gedächtnistrank zu reichen, auf das er das erfahrene Wissen für den Wettstreit auch behalte. Darauf gerät Hyndla in Zorn und beschimpft die Göttin mit Schmähungen. Einen Fluch, den sie dem Ottar anhängen will, entkräftet die Liebesgöttin unmittelbar und versichert diesen auch weiterhin ihres Schutzes.

Hyndla verfügt über ein beachtliches Alter, da sie vorgibt, einige der von ihr aufgezählten Personen noch selbst gekannt zu haben. So ist das Vorbild der Riesin in all jenen weisen Frauen zu suchen, die nicht selten als Einzelgänger lebten und sich durch Wissen und ihre Zauberei zu behaupten wussten. Hyndlas Reittier ist ein Warg (Wolf), über dessen Herkunft eine andere Stelle der Edda Auskunft gibt. Viele sollen von dem Riesenweibe Angrboda (Sorgenbringerin) abstammen, die schon mit Loki den Fenrirwolf zeugte. Östlich von Midgard im Walde Jarnwidr (Eisenholz) sitzt ebenfalls die Riesin Gyge und gebiert dort wolfsgestaltige Riesen und Ungeheuer. In diesem Eisenwalde sollen sich all die Zauberweiber, „Jarnwidir“ genannt, aufhalten. Dass Riesinnen eine Vorliebe für wölfische Reittiere besitzen, schildert ebenfalls eine Begebenheit während der Totenfeier für Balder. Als keiner der Anwesenden vermag, das Schiff ins Wasser zu bringen, schicken die Asen nach der Riesin Hyrrokkin, die kurz darauf auf einem großen Wolf reitend daherkommt, dem Schlangen als Zaumzeug dienen.

Freyja, die oberste aller zauberkundigen Frauen, nennt die Hyndla gar Schwester und ihr gemeinsamer nächtlicher Ausritt, erinnert schon stark an die Besenausfahrten der Hexen im Mittelalter. Die Riesin mit dem Namen „Hyndla“ (Hündchen) zu belegen, schmälert jedoch nicht die Tatsache, dass es sich bei dem Lied wohl um eine funktionale Kultdichtung handelt, deren Inhalt dazu diente, altes Wissen weiterzugeben und zu erhalten. Es wurde auch schon die Ansicht vertreten, dass Hyndla nur eine Verdopplung der (hier schon von der Kirche dämonisierten) Freyja sei, die man häufig mit dem Schmähnamen „Hündin“ belegte. Eine Anspielung auf ihre „geile Lüsternheit“, die Freyja auch von der Riesin vorgehalten bekommt.

Der Text ist von Voenix, das Buch ist erschienen im Arun-Verlag.