Wodans Erben - germanisch, heidnisch, religiös

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Odrörir, der Dichtermet

Odrörir ist der bekannte Dichter- oder Zaubermet, dessen Genuss Inspiration und die Kraft der Sprachekstase hervorsprießen lassen. Seine Entstehung wird in der Snorri- Edda überliefert, wo der Meerriese Ägir als Gast bei den Asen weilt. Angeregt unterhält dieser sich mit Bragi, dem Dichtergott, von dem er gerne erfahren möchte, wie die Götter zu ihrer Poesie und Dichtkunst gelangt sind. Darauf beginnt Bragi über den großen Krieg zwischen Asen und Wanen zu berichten, nach dessen Beendigung beide Parteien ihren Friedensvertrag durch einen Geiselaustausch besiegelten. Beglaubigt uns rechtskräftig wurde der Friedenspakt dadurch, dass alle beteiligten in ein Gefäß spuckten. Aus diesem gemeinsamen Speichel schufen die Götter einen Mann Namens Kvasir, der von nun an als der weiseste unter den Menschen galt, da es keine Frage gab, die er nicht zu beantworten wusste.

Später kam Kvasir auf einer seiner Wanderungen zu den beiden Zwergen Fjalarr (Verberger) und Galarr (Brüller). Als diese zwei habgierigen Gesellen erfuhren, wen sie bewirteten, erschlugen sie kurzerhand ihren Gast und ließen sein Blut in drei Krüge rinnen. Darunter mischten sie Honig und einige Früchte, woraus der wundersame Skaldenmet entstand, durch dessen Genuss jeder zum Dichter oder Weisen wird. Die beiden Zwerge füllten das Getränk in drei Gefäße, deren Namen Bodn, Sön und Odrörir lauteten, nach letztem benannten sie den Met. Auf Kvasirs Verbleib hin befragt, behaupteten die Zwerge lediglich, dieser wäre an seinen eigenen Witzen erstickt.

Einige Zeit später gelangt der Met nun zu einem Riesen Namens Suttung, der diesen von den beiden Zwergen als Entschädigung für seinen erschlagenen Vater nimmt. Suttung bringt die Gefäße darauf zu seinem Wohnsitz ins Gebirge, wo er den Trank seiner Tochter Gunnlöd anvertraut, damit diese fortan über ihn wache. Bragis Erzählung endet mit der Schilderung vom Raub des göttlichen Ekstasemets durch Odin, wodurch der inspirierende Trank zu seinen Schöpfern zurückkehrt.

Da das Blut neben seiner Körpererhaltenden Tätigkeit gleichzeitig auch den Geist und die Persönlichkeitsstruktur seines Trägers beinhaltet, sprich, das Wissen der Ahnenkräfte fortwirkt, wird ersichtlich, warum ein Kenning des Göttermets „Kvasirs Blut“ lautet. „Kvase“ ist die norwegische Bezeichnung für einen Saft, der aus gegorenen Beeren gewonnen wird und zeigt somit, dass die von Snorri beschriebene Sage sich auf eine alte Prozedur beruft, in der Menschen zusammenkamen, um Beeren zu kauen und diese in ein Behältnis zu spucken. Der Speichel bewirkte, das die Früchte schneller vergoren und stellte die Grundlage für Rauschbewirkende Getränke. Weiter ist das Mischen gemeinschaftlichen Speichels bis heute ein fester Bestandteil von Vertragsabschlüssen, wie z.B. das in die eigene Hand spucken, bevor man diese seinem Gegenüber reicht, um etwas zu besiegeln.

Der Text ist von Voenix, das Buch ist erschienen im Arun-Verlag.