Wodans Erben - germanisch, heidnisch, religiös

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Oski, der Wunschgewährer

Oski ist einer der zahlreichen Namen, die den Göttervater in vielen Aspekten beschreibt. „Osk“ bezeichnet den „Wunsch“ und weist Odin als den „Erfüller der Wünsche“ aus, der hier in seinem ausnehmend freundlichen Aspekt als Spender von Segen und Fruchtbarkeit auftritt. Jacob Grimm war der Ansicht, dass sich hierin die Überreste altheidnischen Glaubens wieder finden, den die Skalden damaliger Zeit als den „reinen Wunsch“ personifizierten, um ihn als ein freundliches aber auch gewaltiges Wesen darzustellen. Die Kirche ersetzte Oski später durch die Gestalt des heiligen St. Nikolaus, dessen Fest bis heute am 6. Dezember begangen wird. In Holland tritt diese Überlagerung noch am auffälligsten zu Tage. Dort reitet Santa Claus mit Stab, Hut und Mantel bekleidet auf seinem Schimmel einher. Begleitet wird er von zwei Dienern, zwei Mohren, die ihm helfen, die Geschenke für die Kinder in den Kamin zu werfen. Odin/ Wotan auf seinem Götterpferd Sleipnir durch die Lüfte stürmend, flankiert von seinen beiden Raben Hugin und Munin, ausgestattet mit Speer, Mantel und Schlapphut machen offensichtlich, wer hier als Vorbild diente.

Odins Speer Gungnir, der sich als Oski, je nach Anlass, zum Stab oder zur Rute wandelt, ist ein weiteres wichtiges Symbol. Das Frisch- und Gesundschlagen mit der Lebensrute, die zumeist aus Haselstrauchzweigen oder Birkenreisern bestand, galt als besonders heilkräftig, da hierdurch die verdrießlichen und „bös zwackenden“ Geister der dunklen Jahreszeit verjagt werden sollten. Das Christentum wandelte den einstigen Brauch jedoch vielerorts zur Strafaktion für ungehorsame Sünder um. Schon früh wird diese zaubermächtige Rute/ Stab erwähnt, durch deren Anschlagen nicht nur Gesundheit, sondern auch Reichtümer und Vollkommenheit auf einen übergehen sollten. Heute finden wir Überreste dieses Glaubens in der Bezeichnung der „Wünschelrute“.

Odins Ring Draupnir besitz durch seine Eigenschaft des Vermehrens ebenso die Qualitäten eines Wunschringes, der ihm ewigen Reichtum sichert. Weiter ist der Name „Oskmaeyar“ eine Bezeichnung für die Walküren, die als sogenannte „Wunschmädchen“ die gefallenen Helden ins Kriegerparadies Walhall geleiten.

In der Edda taucht der Name Oski im Grimnirlied und ebenso in der Thulur, einer Aufzählung verschiedener Namen und Begebenheiten, auf. Vor allem im Volksglauben lassen sich bis heute eine ganze Reihe von Hinweisen auf Odin/ Wotan in seinem Aspekt als Oski finden, der in der Zeit vor der Wintersonnenwende zu den Menschen hinabsteigt, um den Brauch des gegenseitigen Beschenkens zu pflegen, da ein solcher Austausch starke Bande innerhalb der Gemeinschaft sichert. Das gemeinsame Zusammenkommen unterm Weihnachtsbaum zu Ehren der Geburt Christi, wurde gleichfalls auf das heidnische Julfest gelegt. Der immergrüne Tannenbaum, Symbol des ewigen Lebensbaumes Yggdrasill wird beschmückt und erleuchtet und erinnert so bis heute an eines der ältesten Rituale der Welt, in dem die Menschen das erhaltene Lichtgeschenk der Götter feiern, das ab diesem Tag wieder voller wird.

Der Text ist von Voenix, das Buch ist erschienen im Arun-Verlag.