Rheingold lautet die Bezeichnung für den sagenumwobenen Hort, der im Nibelungenlied von dem Zwerg Alberich gehütet wird. Ursprünglich soll dieses Gold auf das Geschlecht der Alben zurückgehen, die im Laufe der Jahrhunderte die kostbarsten Reichtümer herstellten und zusammentrugen. Die Edda berichtet, dass der Zwerg Andwari, welcher in Gestalt eines Fisches den Schatz verwaltet, eines Tages von dem Gott Loki gefangen und zur Herausgabe des Schatzes genötigt wird. Darauf verhängt der Zwerg einen furchtbaren Fluch über das Gold, das im Verlauf der Sage mehrmals den Besitzer wechselt und jedem folgenden Eigner Unglück beschert.
Im Zusammenhang mit der Verderblichkeit des Goldes steht vor allem die Gestalt Fafnirs, der als Erstgeborener König Hreidmars den Vater tötet, als dieser sich weigert, das Gold mit seinen Söhnen zu teilen. Fafnir flieht mit dem Schatz und verjagt seinen jüngeren Bruder Regin, der fortan auf Rache sinnt. Darauf schafft Fafnir den Schatz in eine Höhle, legt sich zu seinem Golde und verwandelt sich schließlich in einen Drachen, der später von Siegfried bezwungen wird.
In einer leicht abgeänderten Version besiegt Siegfried zunächst die Brüder Schilbung und Nibelung, die ihn zuvor baten, das Gold zwischen ihnen beiden gerecht aufzuteilen. Er wird zum König des Nibelungenreiches und setzt den Zwergen Alberich als Schatzwächter ein. Später wird der Hort auch Siegfried zum Verhängnis.
Dass an den Besitz kostbarer Dinge nicht selten Unheil und Verderben geknüpft sind, wissen viele Fabeln zu berichten. Ebenso häufig werden diese Reichtümer von Drachen oder Schlangen bewacht, die mit Vorliebe auf dem Golde liegen und es zuweilen nach draußen schaffen, um darin ein Bad zu nehmen und es mit Sonnenkraft „aufzutanken“. Daher stammt das Kenning „Wurmbett“, auf dem der Drachen leuchtend liegt. Die Faszination unermesslicher Schätze wurde von den schon christlich beeinflussten Sängern geschickt mit den teuflischen Absichten der Schlange verbunden, deren dunkle Sinne einen beseelten, wenn man der Gier des Goldes erlag. Drachen und Schlangen werden jedoch noch weitere Eigenarten nachgesagt. Wie manche Riesen sind sie oft weise und hochbetagt. Der Genuss ihres Herzens vermag einem auf wunderbare Weise die Sprache der Tiere zu vermitteln und das Bad in ihrem Blute beschert die berühmte Unverwundbarkeit. Ihre zwingende Sucht nach Gold ist jedoch sprichwörtlich und sie geraten in fürchterlichen Zorn, sobald man ihnen auch nur ein einziges Kleinod raubt.
Bis zuletzt versuchen die verschiedensten Personen in den Besitz des Rheingoldes zu gelangen, bis schließlich Hagen von Tronje dem ein Ende setzt. Er versenkt den ganzen Schatz an einer tiefen Stelle des Rheins, wo er auch heute noch, von den Rheintöchtern bewacht, liegen soll.
Der Text ist von Voenix, das Buch ist erschienen im Arun-Verlag.
