Wodans Erben - germanisch, heidnisch, religiös

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Siegfried, der Drachentöter

Siegfried oder Sigurd, der glorreiche Drachentöter, findet sich in den Epen und Liedern verschiedener europäischer Länder und gilt bis heute zweifelsohne als der strahlende Held schlechthin, der mutig, tapfer und unbesiegbar in die Welt hinauszieht, um große Taten zu vollbringen und sich Ruhm und Reichtum zu verschaffen. Seine Kraft entspricht seinem übergroßen Wuchse, und dementsprechend mächtig sind seine Utensilien. Sein Schwert Gram oder Balmung wurde einst von den Göttern geschaffen, und sein Pferd Grani ist ein Nachkomme des achtbeinigen Götterpferdes Sleipnir, seine bekannteste Heldentat ist die Überwindung des Drachen Fafnir. Durch ein Bad im Blut des erschlagenen Lindwurms verhornt seine Haut, so das keine Waffe ihn fortan mehr zu ritzen vermag. Er verzehrt das gebratene Herz des Drachen und versteht darauf die Sprache der Vögel, die ihn sogleich vor seinem Ziehvater, dem habgierigen Schmiedemeister Regin warnen. Nur an einer Stelle auf Siegfrieds Rücken, wo sich zur Zeit des Blutbades ein Lindenblatt befand, ist er noch, gleich der Verse des Achilles, verwundbar. Dieser Fleck unter seinem Schulterblatt wird ihm später zum Verhängnis, als ihn an einer Wasserquelle von hinten der Speer des verräterischen Hagen durchbohrt (bei den Wölsungen das Schwert des Gutthorm).

Im dritten Sigurd- Lied der Edda ist nachzulesen, dass an seinem Leben weder Tadel noch Fehl zu finden seien, „doch inmitten gingen grimmige Nornen“, was auf die Boshaftigkeit dunkler Schicksalsmächte verweist, die schließlich einen Weg finden, den ahnungslosen Jüngling dahinzuraffen. Im Nibelungenepos hingegen erscheint Siegfrieds natur nicht ganz so selbstlos und frei von Fehl. Um an Kriemhild heranzukommen, ist er bereit, König Gunther bei der Werbung um Brünhild beizustehen, derer er sich selbst zuvor verlobt hat und somit sein Versprechen bricht. In der nordischen Version wird dieser Makel durch einen Vergessenheitstrunk geschmälert, den Sigurd von der ränkischen Königsmutter erhält.

Ob Siegfried als Person jemals gelebt hat, lässt sich bis heute nicht nachweisen, so das weiterhin Unstimmigkeit über Ursprung und geschichtlichen Hintergrund bestehen. Manche Forscher wollen in ihm den germanischen Heerführer Arminius erkennen, der die römischen Legionen im Teutoburger Wald besiegte, die zuweilen Drachenbilder auf ihren Bannern trugen. Allgemein gilt der Held jedoch als reine Erfindung frühmittelalterlicher Dichtkunst, die verschiedene Höfe und Länder für sich entdeckten und je nach Gesinnung ummodifizierten. Die Faszination dieses alten Erzählstoffes inspirierte zu Beginn des 20- Hj. Maßgeblich die neu aufkommende deutsche Nationalromantik und hat auch bis heute nichts an ihrer Faszination verloren. Vor allem Richard Wagners opulenter Ring- Zyklus trug dazu bei, die sagenumwobene Gestalt des blonden germanischen Hünen zum Idealtypus deutscher Mannhaftigkeit zu erheben.

Der Text ist von Voenix, das Buch ist erschienen im Arun-Verlag.