Wodans Erben - germanisch, heidnisch, religiös

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Sif, die Korngöttin

Sif ist eine der Asinnen und die Gemahlin des Donnergottes Thor, mit dem sie die zwei Kinder Thrud und Lorride hat. Sie lebt mit ihrem Mann in Thrudheim (Kraftheim) und wird wie die Göttermutter Frigg mit einem friedlichen und glücklichen Familienleben assoziiert. Ihre wundervolle Haarpracht hat ihr auch den Beinamen „schönhaarige Göttin“ eingebracht. Ihr Haar soll so golden glänzen, wie das im Wind wogende Korn eines reifen Getreidefeldes im Spätsommer, weshalb eines der zahlreichen Kenningar für Gold auch „Sifjar haddr“ (Sifs Haar) lautet. Der Name der Göttin wird ebenfalls mit „Sippe“ umschrieben, die nach nordischem Sprachgebrauch für Blutsverwandtschaft und Verschwägerung stand. Als Schützer dieser Bande gilt Thor, der die geschlossenen Ehen mit dem Hammer weiht und dem hierdurch die als personifiziert gedachte Sippe zur Frau gegeben wird. Ein mythisches Bild malt uns Thor als den Herrn des Gewitters, welcher sich durch Blitz und Regen mit dem Gelb des Getreidefeldes vermählt und dieses zu voller Pracht reifen lässt. Die der Göttin geweihten Kornblumen, deren Blütenzeit von Mai bis September andauert, sind allerdings immer seltener anzutreffen, da sie durch chemische Unkrautbekämpfung am Zurückgehen sind.

In der Edda schneidet Loki der Göttin eines Tages aus Bosheit im Schlaf die schönen Haare ab. Als sie erwacht, ist das Entsetzen darüber groß, doch schon kurz darauf kehrt ihr Gatte Thor zurück, dessen Verdacht sogleich auf Loki fällt. Er ergreift den Bösewicht, schüttelt ihn fürchterlich und droht, ihm jeden Knochen einzeln zu zerschlagen, wenn dieser sein Werk nicht ungeschehen mache. Darauf eilt der zu Tode geängstigte Loki unverzüglich nach Swartalfheim, um dort Iwaldis Söhne aufzusuchen. Diese Zwerge sind große Meister der Schmiedekunst und schulden dem Feuergott noch einen Gefallen. Sie fertigen schließlich eine Haarpracht aus reinem Gold, so fein wie menschliches Haar, das die magische Gabe besitzt, seinem neuen Besitzer unverzüglich anzuwachsen.

Naturmythologisch wird Lokis Bosheit in diesem Lied als unberechenbares Feuer interpretiert, dessen Flammen während der sommerlichen Trockenheit in kürzester Zeit ein ganzes Getreidefeld vernichten können. Von der römischen Göttin Ceres, welche man für das pflanzliche Wachstum anrief, weiß man, dass man ihr zu Ehren die ersten Ähren als Weihegabe abschnitt (ähnlich dem letzten Bündel für den Wodan), damit das Getreide künftig umso voller und goldiger wachse. Von Sifs Haar lassen sich auch jene Märchen ableiten, bei denen es darum geht, Stroh zu Gold zu spinnen.

In den alten Volkssagen begegnen einem Sifs Aspekte in Namen wie Kornmutter, Rogenmuhe oder Frau Gode, Frau Freke usw. Allgemein gilt Sif als ein Aspekt der Erdgöttin, da ihr Name in der jüngeren Edda ebenfalls unter den verschiedenen Namen der Fjörgyn aufgezählt wird.

Der Text ist von Voenix, das Buch ist erschienen im Arun-Verlag.