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Sigdrifa, die Siegreiche

Sigdrifa ist eine Walküre und findet sich in der „älteren Edda“ unter den Heldenliedern, von denen eines nach ihr benannt ist. Dieses „Lied von Sigdrifa“ (Sigrdrifomal) fügt sich in eine Reihe anderer Erzählungen um das Leben des Recken Sigurd (Siegfried) ein, in dessen Verlauf er der Walküre begegnet und von dieser wertvollen Rat erhält.

Nachdem Sigurd den Drachen bezwungen hat, reitet er Richtung Frankenland. Unterwegs bemerkt er einen Berg, auf dem ein ungewöhnlich helles Licht erstrahlt. Als er sich nähert, erblickt er ein gewaltiges Feuer, das zum Himmel emporlodert und den Berg wie ein Ring aus Flammen umgibt. Sigurd durchquert die Waberlohe und findet eine schlafende Gestalt in voller Rüstung auf dem Boden liegend. Er löst ihr die Brünne und nimmt ihr den Helm vom Haupte. Darauf wallt ihm eine lange Haarpracht entgegen und er blickt in das Antlitz einer wunderschönen Frau. Als diese erwacht, erkundigt sie sich, wer ihren Zauber gebrochen habe. Sie stellen einander vor und die Walküre berichtet, daß Odin sie zur Strafe für ein Vergehen mit einem Schlafdorn gestochen und ihr befohlen habe, keine Kämpfe und Siege mehr auszufechten, sondern sich mit einem sterblichen zu vermählen. Da habe sie ein Gelübde getan, daß sie sich nur einem Mann hingeben wolle, der sich vor nichts fürchte und den Flammenring durchschreite. Als sie in Sigurd diesen Mann erkennt, reicht sie ihrem Befreier ein Horn voll Met und gibt ihm Minnetrank. Darauf bittet Sigurd die Walküre, ihn Weisheit zu lehren, und so weiht sie ihn während eines rituellen Aktes in die Geheimnisse der Runen ein und lehrt ihn noch manch andere Lebensregel. Sie versprechen einander die Treue und besiegeln dies mit Eiden, wobei Sigurd ihr den Ring Andwaranaut aus dem Rheingoldschatz überlässt.

Über den weiteren Verlauf dieser Version, die mit der „Erweckung der Walküre“ als Krönung aller Heldenlieder gilt, gehen die Meinungen der Fachleute auseinander. Einige sind der Ansicht, daß es sich bei der Gestalt der Brynhild (Brünhild) sehr wohl um die Fortsetzung des Lebens der Sigdrifa handelt, aus deren Zusammenkunft mit Sigurd später eine Tochter mit Namen Aslaug hervorgeht.

Überliefert ist weiter, daß Sigurd nach dieser Begegnung von der Burgunderkönigin Grimhild (Uote) einen Vergessenheitstrunk gereicht bekommt (vermutlich nachträglich eingefügt, um den Makel der Untreue zu beseitigen), worauf sich dieser augenblicklich in Gudrun (Kriemhild) verliebt. Er wird der Blutsbruder der Burgunder und verhilft König Gunnar (Gunther) dazu, die Walküre Brynhild zu ehelichen.

Im Nibelungenlied ist es Brünhild, der Siegfried die Treue verspricht und sein Wort bricht, als er Kriemhild heiratet und Gunther hilft, Brünhild zu bezwingen und zu ehelichen. So entsteht ein furchtbares Sippendrama, das mit dem Tod aller Beteiligten endet.

Die Erzählung um die Walküre, deren poetische Ausschmückung im Mittelalter vor allem die Kirche zum Anlass nahm, die himmliche Vereinigung „hiros gamos“, die Hoch- Zeit des Menschen, zu verklären, dürfte auf weit älteren Einweihungsriten wie dem keltischen Beltane- Fest beruhen. Es gibt einige Hinweise darauf, daß manche weise Frauen als Priesterinnen der Göttin darauf spezialisiert waren, Männer durch sexualmagische Techniken (Seidr) Weisheit und Wissen zu lehren.

Der Text ist von Voenix, das Buch ist erschienen im Arun-Verlag.