Skadi ist die Tochter des Frostriesen Thjazi, und ihre Heimat ist in den rauen Bergen Skandinaviens, wo sie auf Schneeschuhen läuft und das Wild mit dem Bogen jagt. Wenn Natur und Außenwelt unter der weißen Schneedecke zu schlafen scheinen, ist die Göttin unterwegs, um den Menschen in dieser kargen Jahreszeit Glück bei ihrer lebensnotwendigen Jagd zu bescheren. In dieser Funktion wird sie auch mit Ullr, dem Bogenschießenden Wintergott, in Verbindung gebracht. Da ihr Name „Schatten“ (der das Land bedeckt?) bedeutet, wird sie ebenfalls mit dem Tod bzw. Anteilen der Hel assoziiert.
In Nordskandinavien wird Skadi als Vertreterin des Finnentums angesehen, die mit Odin den Sohn Säming zeugte, den Ahn der Herrscher von Halogaland, jene Ländereien, auf denen Lappen und einige Germanenstämme gemeinsam lebten. Versuche wurden unternommen, Skandinavien als „Land der Skadi“ zu deuten, was bisher jedoch nicht bewiesen werden konnte. Skadis Name findet sich in einigen schwedischen und norwegischen Ortsnamen wieder, die auf eine ehemalige Verehrung oder mögliche Kultstätten der Göttin schließen lassen.
Snorri weiß über Skadi, die er sogar zu den Asinnen zählt, folgendes zu berichten: Nachdem ihr Vater für die Entführung der Göttin Iduna von den Göttern erschlagen wird, legt die Riesentochter Brünne und Waffen an und zieht vor die Tore Asgards. Dort fordert sie Rache und Wergild für ihren Verlust, worauf die Götter ihr zur Versöhnung anbieten, sich einen der ihren zum Manne wählen zu dürfen. Allerdings unter der Einschränkung, sich ihren Bräutigam nur nach den Füßen auszusuchen. Alle Asen, die für ihre Heirat in Frage kommen, stellen sich daraufhin der Reihe nach barfuss vor ihr auf, während die Körper hinter einem Vorhang verdeckt bleiben. In der Meinung, die schönsten Füße müssten dem ansehnlichen Balder gehören, wählt sie irrtümlich Njörd, den Gott der Schifffahrt und des Meeres. Darauf heiraten die zwei, führen jedoch keine lange und glückliche Ehe, da sich beide, in völlig unterschiedlichen Gegenden aufgewachsen, auf keinen gemeinsamen Wohnsitz einigen können. Die Ehe löst sich auf und die Göttin zieht sich zum Skifahren und jagen wieder in die Berge zurück. Später soll Skadi angeblich eine Ehe mit Odin/ Ullr eingegangen sein und diesem viele Kinder geboren haben.
Weiter wird überliefert, dass Skadi für ihren toten Vater eine zweite Bedingung an die Asen stellt, nämlich jene, sie wieder zum lachen zu bringen. Nachdem mehrere Versuche, der eisigen Gesinnung der Riesin auch nur ein schmunzeln zu entlocken, gescheitert sind, bindet der gewitzte Loki einer Ziege einen Strick um den Bart, während er das andere Ende an sein Geschlechtsteil wickelt. Beide ziehen sich nun laut meckernd hin und her, bis sich Loki schreiend in Skadis Schoß fallen lässt, die daraufhin in lautes Gelächter ausbricht. In dieser Begebenheit findet sich das heute noch in der Fastnacht vorkommende Motiv, dass der raue Winter durch Spaß und Schabernack vertrieben wird bzw. dazu gebracht wird, dem nahe liegenden Frühling zu weichen. Da Loki sich später vor Skadi rühmt, die Schuld am Tode Ihres Vaters zu tragen, rächt sich die Göttin dadurch, dass sie eine Giftschlange über Lokis Haupt anbringt, als dieser von den Göttern für seine Vergehen an einen Felsen gefesselt wird.
Der Text ist von Voenix, das Buch ist erschienen im Arun-Verlag.
