Wodans Erben - germanisch, heidnisch, religiös

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Skirnir, der Strahlende

Skirnir ist der vertraute Freund und Diener des wanischen Fruchtbarkeitsgottes Freyr, die einander schon aus Kindheitstagen kennen. Als zuverlässiger Vasall wird Skirnir von den Göttern mit Aufträgen und Botschaften in andere Welten geschickt. So sendet ihn Odin bspw. Nach Swartalfheim, um dort von den Zwergen die magische Kette Gleipnir anfertigen zu lassen, die endlich den furchtbaren Fenrirwolf zu fesseln vermag. Besondere Bedeutung aber erlangt Skirnir in dem nach ihm benannten „Skirnismal“ (das Lied von Skirnirs Ritt).

Als Freyr von Odins Hochsitz aus die schöne Riesentochter Gerda erblickt, ist er für diese fortan in leidenschaftlicher Liebe entflammt. In seinem Liebeskummer vergisst er darauf, all seinen Pflichten als Naturgottheit nachzukommen, worauf die besorgten Götter Skirnir bitten, seinem Herrn und Freund aufzusuchen, um den Grund für dessen Kummer und Nachlässigkeit zu erfahren. Nach drängendem Appellieren an ihre lange bestehende Freundschaft, gesteht ihm Freyr seine hoffnungslose Liebe zu Gerda ein, die dem feindlich gesinnten Riesengeschlecht angehört. So erbittet sich Skirnir nach Riesenheim zu reiten, um dort für Freyr zu werben. Ausgestattet mit Ross und Schwert seines Herren, einem geheimnisvollen Zauberzweig und Geschenken für die zukünftige Braut, gelangt er schließlich bis zu Gymirs Gehöft, dem Vater der Gerda. Dort trifft er zunächst auf einen riesischen Wächter, den Bruder von Gerda, der ihm den Durchgang versperrt und ihn von bissigen Hunden bedrohen lässt. Doch Skirnir überwindet alle Hindernisse und springt mit lautem Getöse über den Gatterzaun von Gymirs Gehöft. Als die neugierig gewordenen Gerda erscheint, beginnt Skirnir seine Werbung vorzutragen. Zunächst bietet er elf goldene Äpfel aus Idunas Garten an, dann den Ring Draupnir, was die Riesin jedoch beides ablehnt. Darauf beginnt der mutige Recke sie mit dem Schwert zu bedrohen und stößt eine ganze Reihe von Flüchen und Beschimpfungen aus, welche ihr widerfahren würden, wenn sie es wagen sollte, den Antrag abzulehnen. Endlich gibt die Umworbene nach, verlangt aber im Gegenzug Freyrs Schwert für ihre Sippe.

In diesem Lied finden sich sehr alte mythische Motive, welche die Schwierigkeiten der aufkeimenden Naturkräfte versinnbildlichen, denen sich die lebensfeindlichen Elemente entgegenstemmen. Skirnir, den man auch als den „ersten Sonnenstrahl“ bezeichnet, bahnt sich unaufhaltsam seinen Weg, um die „Tochter der noch Hartgefrorenen Erde“ aus der Gewalt der grimmigen Riesen auszulösen. Manche Forscher vertreten die Meinung, Skirnir sei lediglich eine Emanation des Fruchtbarkeitsgottes selbst. Lange Zeit bestand der Brauch, dass Boten mit der Brautwerbung für ihre einflussreichen Herren beauftragt wurden und hierdurch als Vermittler auftraten, welche die Bedingungen für eine mögliche Heirat aushandelten. Dass der Brautwerber ein Verwandter, Freund oder enger Vertrauter war, lag nahe, da dieser die Interessen der Sippe oder Familie am besten kannte.

Der Text ist von Voenix, das Buch ist erschienen im Arun-Verlag.