Wodans Erben - germanisch, heidnisch, religiös

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Sol, die Sonne

Sol lautet der Name der germanischen Sonnengöttin, die auf ihrem feurigen Wagen Tag um Tag ihre Bahn um Midgard zieht, um mit ihrem strahlenden Antlitz die Welt zu erhellen und allen Pflanzen und Lebewesen gleichsam Wärme zu spenden. An ihrem linken Arm trägt sie den Schutzschild Svalinn (Sänftiger), den sie zuweilen vor sich hält, damit ihre heißen Strahlen nicht Berge und Wälder versengen. Ihr Gespann besteht aus zwei leuchtenden Pferden, deren Namen Arwakr (der Frühwache) und Alswidr (der Allgeschwinde) lauten. Unter dem Bug des Wagens sind zwei Blasebälge befestigt, die Irsankol (Erzkühle) genannt werden und den beiden Rossen die notwendige Kühle verschaffen. Auch Sols Wagen wird von einem grimmigen Wolf namens Sköll (Bosheit) verfolgt, der danach trachtet, das leuchtende Gestirn zu verschlingen, sobald es seine Fahrt verlangsamt. In den Ragnarök wird die Sonnengöttin schließlich von ihrem Verfolger gefangen und verschluckt. Doch gebiert sie kurz zuvor noch eine Tochter, welche fortan die Aufgaben ihrer Mutter übernimmt. Sols Name lautet in unseren Breitengraden „Sunna“ und der ihr geweihte Tag ist der Sonntag.

Verschiedene Beschreibungen ihrer Gestalt mit Attributen wie einem Gesicht, einem Feuerrad, Wagen oder Schild zu versehen, zeigen die klassischen Spuren prosaischer Vermenschlichung dieses lebenswichtigen Gestirns. Einmal wird Sol von Snorri als Göttin genannt und unter den Asinnen aufgezählt, während die Prosa- Edda folgendes berichtet: Ein Mann Namens Mundilfari hatte zwei Kinder, die waren so hübsch und schön anzusehen, dass er seinen Sohn Mani (Mond) und seine Tochter Sol (Sonne) nach ihnen benannte. Diese verheiratete er mit einem Mann. Der Glen (der Glänzende) hieß. Doch die Götter wurden zornig über die Anmaßung dieser Namensgebung, raubten die beiden Geschwister und versetzten sie an den Himmel. Sol musste fortan die Rosse lenken, die den Wagen jener feurigen Scheibe zogen, welche die Götter aus einem fliegendem Funken aus Muspellheim geschaffen hatten. Seitdem zieht Sol unablässig ihre Bahn, ständig auf der Flucht vor ihrem wölfischen Verfolger. Wenn dieser sie erreicht, ist das Ende der Welt gekommen.

In den verschiedensten Mythen findet sich immer wieder der Glaube an ein finsteres fliegendes Ungeheuer, dessen Verlangen, das Licht zu verschlucken, es unaufhörlich vorwärts treibt. Kaum etwas fürchteten die Germanen so sehr wie eine nahende Sonnenfinsternis, da man dieses Ereignis immer als böses Omen für Zerstörung und mit dem drohenden Weltuntergang in Verbindung brachte. Es ist überliefert, dass ganze Volksstämme in lautes Lärmen und Geschrei ausbrachen, um das Ungeheuer welches die Sonne nun schon im Maul hatte, zu erschrecken, damit es wieder von ihr ablasse und sie freigebe.

Der alte Volksmund pflegte die beiden Gestirne gerne als „Frau Sonne“ und „Herr Mond“ zu benennen. Sunnas Wesen wird verständlicherweise als froh, liebevoll und gnädig beschrieben, da sie auf alle Wesen gleichermaßen scheint und keine Unterschiede zwischen gut und böse macht. Noch heute werden mancher Orts zur Sommersonnenwende brennende Feuerräder die Berge hinunter gerollt, um diesen alten Brauch zu erhalten. Die Swastiska, das Hakenkreuz, ist das wohl am meisten missverstandene Symbol, zeigt es durch zwei verbunden Sig- Runen doch lediglich den Lauf der Sonnenenergien, deren Darstellung sich auf Tempel- und Kultgegenständen vieler alter Kulturen findet.

Der Text ist von Voenix, das Buch ist erschienen im Arun-Verlag.