Surt ist ein gewaltiger Feuerriese, der über Muspellheim, das Reich der Lava und fliegenden Feuerfunken, wacht und gleichzeitig herrscht. Dieses Land des ewigen Feuers ist für jegliche Wesenheiten unzugänglich, die nicht dort geboren sind. Als Surts Gemahlin wird die Feuerriesin Sinmara (die fahle Mahr) genannt. Ihre gemeinsamen Kinder (Muspells Söhne) sind all die Feuerteufen und Flammenriesen, die Surt am Weltende gegen die Götter führt. Zuvor vereinigen sie sich mit den Reif- und Bergriesen, um mit diesen gemeinsam über die Bifröstbrücke nach Asgard zu ziehen. Dort treffen sie auf der weiten Ebene Wigrid, auch Oskopnir genannt, mit den Göttern zu den alles entscheidenden Ragnarök zusammen. Dabei kämpft Surt mit dem versengenden Flammenschwert gegen den wanischen Fruchtbarkeitsgott Freyr, der sein eigenes Schwert entbehren muss, das er einst dem Riesen Gymir für die Hand seiner Tochter Gerda überließ. Nachdem Freyr unterlegen ist und der Kampf sich dem Ende zuneigt, schleudert der entfesselte Surt schließlich sein Feuer (Surtalogi) über die ganze Welt und verbrennt sie. Dampf und Funken sprühen auf und heiße Lohe bedeckt den gesamten Himmel. Die Sonne verschwindet hinter den aufsteigenden schwarzen Wolken, die Sterne fallen nieder und die Erde versinkt im Meer.
Manche Forscher sehen in „muspell“ selbst das Weltenende, andere vermuten darin eher einen mächtigen Feuerriesen, der wiederum mit Surt identisch scheint. Das Kenning „Surts Lohe“ hingegen, bezeichnet den alles verschlingenden Weltenbrand. In dieser Funktion erkennen wir den Zusammenhang mit Lodur, dem Feuerbringer, welcher wiederum Loki und somit dem alles verderbenden Feuer entsprechen soll, das durch seine Zerstörung erst die Vorraussetzung für einen Neubeginn schafft. Surt führt den Beinamen „der Schwarze“, was seine spätere Gleichstellung mit einem Racheengel oder dem „Teufel des Fegefeuers“ erklärt. Im beschriebenen Weltenbrand der Edda finden sich zudem einige Übereinstimmungen mit der biblischen Vorstellung vom jüngsten Gericht und dem erscheinen des Antichrists. Nach Mittelalterlicher Interpretation wartet der schwarzrußige Gehörnte seit seinem Fall aus den himmlischen Gefilden darauf, die Seelen der Verdammten in sein nach Schwefel stinkendes Reich hinabzuziehen, um die armseligen Sünder auf lodernder Flamme zu rösten. In einem geistlichen Gedicht des 9. Jh. Aus Bayern schildert der Schreiber den Weltenbrand am jüngsten Tag und bezeichnet den Sühnetag Gottes als „muspilli“.
Noch heute nennt man im Norden Skandinaviens harzige und verkohlte Erde „surtabrand“, vulkanische Felshöhlen auf Island werden „Surtshellir“ geheißen. Dass sich dort die Vorstellung an dieses belebte Feuerwesen bis heute erhalten hat, zeigt die Namengebung einer neuentstandenen Vulkaninsel im Jahre 1963, die man „Surtsey“ (Insel des Surt) taufte.
Der Text ist von Voenix, das Buch ist erschienen im Arun-Verlag.
