Wodans Erben - germanisch, heidnisch, religiös

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Thjalfi und Röskwa

Thjalfi und Röskwa sind die beiden Kinder des Bauern Egil, auf dessen Hof Loki und der Donnergott Thor während einer ihrer gemeinsamen Fahrten rasten und Herberge finden. Als Gastgeschenk lädt Thor den Egil und seine Familie ein, gemeinsam mit ihnen zu speisen. Dazu geht der Gott in den Stall und schlachtet seine beiden Böcke, die stets seinen Wagen ziehen. Zu Beginn des reichlichen Abendmahls bitter er die Anwesenden, alle abgenagten Gebeine zurück auf die Felle der beiden Tiere zu legen. Am nächsten Tag geht Thor nun in den Stall und vollzieht mit seinem Hammer eine magische Weihe über den Knochen, worauf sich diese zusammensetzen und die Tiere wieder munter vor ihm stehen. Doch einer der beiden Böcke lahmt und der Donnergott gerät darüber in solch furchtbaren Zorn, dass die Familie in Todesfurcht gerät. Zitternd gesteht der Knabe Thjalfi, dass er einen Knochen gespalten habe, um an dessen saftiges Mark zu gelangen. Als Wiedergutmachung für diese Tat gibt Egil darauf seine beiden Kinder dem Thor als Dienstleute zur Seite, bis die Schuld für das lahme Bein getilgt ist.

Im weiteren Verlauf der Geschichte gelangen die beiden Götter mit den Kindern zu dem Riesen Utgardloki, der ein großer Zauberer ist und seinen Gästen einen Wettkampf vorschlägt. Dabei muss Thjalfi dreimal gegen einen Burschen Namens Hugi im Laufen antreten. Dreimal verliert der Knabe und erst am Schluß klärt sich auf, dass er gegen einen personifizierten Gedanken des Riesen antrat, der Thor und seine Gefährten mit einem Zauberbann belegt hatte.

Als Thor gegen den Riesen Hrungnir kämpft, ist Thjalfi mutig an seiner Seite. Wie sich die beiden Gegner gegenüberstehen, schleicht sich der Junge zu dem Riesen und flüstert diesem zu, dass Thor ihn von unten, aus der Erde heraus, angreifen wolle, worauf sich Hrungnir auf seinen steinernen Schild stellt. Hierdurch kann Thor den Riesen bezwingen, während Thjalfi siegreich gegen einen Lehmriesen antritt, den Hrungnirs Männer ihrem Herrn zur Seite stellten. Im Harbardlied wird der Knabe ebenfalls erwähnt, wie er von Berserkerweibern die Flucht ergriffen haben soll. Thjalfis Namen hat man schon als „den Arbeiter“ zu deuten versucht, welcher als Art Hypostase den Blitz des Donnergottes symbolisieren sollte. Andere sehen in ihm den möglichen „Thielvar“, den Entdecker und Besiedler Gutlands. In Röskwa dagegen wird eine alte Fruchtbarkeitsgöttin vermutet, was sich jedoch nicht nachweisen lässt. Einleuchtender scheint die Annahme, dass es sich bei den beiden Kindern um jugendliche Initianten handelt, die Thor auf seinen Fahrten gegen Riesen begleiten und somit die Möglichkeit erhalten, nötige Erfahrungen mit den Hindernissen des Lebens zu sammeln. Unterstützt wird diese These in der Deutung des altnordischen Namens „röskvast“, was soviel wie „reifen“ oder „wachsen“ bedeutet und auf die entscheidende Phase der Pubertät verweisen könnte. Dass die Aufgabe der Röskwa lediglich darin besteht, ihren tatkräftigen Bruder zu begleiten, verwundert nicht weiter, wenn man bedenkt, dass vorwiegend männliche Heldentaten aufgezeichnet wurden. Dass sich die Jugend vor allem durch Neugier und Unvoreingenommenheit hervortut, zeigen schon die Vielzahl von Märchen und Sagen, worin für gewöhnlich der/ die Jüngste ans Ziel gelangt.

Der Text ist von Voenix, das Buch ist erschienen im Arun-Verlag.