Wodans Erben - germanisch, heidnisch, religiös

Du bist hier: Schrifttum → Der germanische Götterhimmel → Thökk, die Verneinende
Thökk, die Verneinende

Thökk lautet der Name einer alten, verbitterten Riesin, deren Entscheid ein weiteres wichtiges Glied in einer Kette von Ereignissen ist, an deren Ende schließlich die Ragnarök steht. Nachdem Balder, der strahlende Lieblingssohn Odins, durch Lokis Beihilfe sein Leben lassen musste, senden die Götter den Hermod zur Totengöttin Hel, um mit dieser über Balders Rückkehr in die Welt der lebenden zu verhandeln. Hel stellt die Bedingung, dass alle Welt um den toten Gott trauern müsse, nur so könne er aus Helheim „geweint“ werden, doch wenn nur ein Wesen seine Tränen versage, müsse Balder für immer bei ihr bleiben. Darauf senden die Asen Boten in alle vier Himmelsrichtungen, auf das ein jeder diesem Erlass folge leiste. Menschen und Tiere, Pflanzen und Steine, sowie das Holz und alles Metall fallen alsbald in große Trauer, gleich wie diese Dinge weinen, wenn sie aus der Kälte in die Wärme kommen. Als die Beauftragten heimkehren, um schon den Erfolg ihrer Arbeit zu vermelden, finden sie bei einer Berghöhle eine alte Riesin sitzen. Als die Boten sie auffordern, ein paar ihrer Tränen für den toten Balder zu spenden, verneint sie dieses mit der Begründung, der Gott hat ihr zu Lebzeiten ebenso wenig einen Gefallen getan. Damit scheitern die Bemühungen der Götter und Baldermuss bis nach die Ragnarök im Totenreich verweilen. Das Riesenweib aber soll Loki gewesen sein, der das meiste Böse unter den Asen vollbrachte.

Snorris Bericht um Thökk basiert vermutlich auf poetischer Darstellung. Prof. W. Golther wies seinerzeit auf die Gewähr der Echtheit dieser Erzählung hin, bis auf jenen Umstand, dass alle Wesen um den toten Gott weinen müssen, der sich wohl erst in einer Überlieferung des christlichen Bischof Bjarni finden lasse. Der Name „Thökk“ (altnord. Pökk) wird mit „Dank“ oder sogar „Freude“ übersetzt!? Snorri, der ihr diesen namen gab, mag dies möglicherweise auf den rachsüchtigen Loki bezogen haben, der sich im Stillen über seine gelungene Tat freute, die eine Rückkehr des Asengottes verhindern. Schon mit der Riesin Angrboda (Sorgenbringerin) zeugt Loki die drei größten Verderber der Götter. Die Riesin sitzt im düsteren Eisenwald, dort, wo die Sonne untergeht, und wartet auf das Ende der Welt. Ähnlich präsentiert sich die in einer Felsenhöhle hausende Thökk. Durch ihre hartherzige tat wird sie zum Archetyp der bösen alten Hexe, die in zurückgezogener Einsamkeit verbittert darauf sinnt, Übles zu vollbringen. Das wieder einmal Loki hinter der Maske der Riesin stecken soll, mag wenig verwundern, bedenkt man all seine anderen böswilligen Taten, für die ihm bereits zahlreiche Drohungen Seitens der Götter widerfahren sind. In seinen Zankreden gesteht er der Frigg höhnisch ein, dass nur er alleine die Schuld daran trage, dass sie ihren geliebten Sohn nie mehr Heimreiten sehe.

Die Gestalt der bösen hexe taucht in zahlreichen Märchen auf, wo sie gewöhnlich die bedrohliche und zerstörerische Seite des Weiblichen verkörpert. Dieses Bild, welches vor allem im Mittelalter entstand, sitzt noch tief im menschlichen Unterbewusstsein verborgen und wird heute psychologisch vor allem als negativ besetztes Muttersymbol gedeutet.

Der Text ist von Voenix, das Buch ist erschienen im Arun-Verlag.