Wodans Erben - germanisch, heidnisch, religiös

Du bist hier: Schrifttum → Der germanische Götterhimmel → Tyr, der Kriegsgott
Tyr, der Kriegsgott

Tyr ist der skandinavische Name für den altgermanischen Kriegs-, Himmels- und Versammlungsgott. Unter den Asen aufgeführt gilt der Gott als Sohn Odins, seitdem er für das Leisten eines Schwures eine Hand einbüßte. Seine Heimat ist Asgard und als Wohnstätte wird das Kriegerparadies Walhall angenommen. „Siegrunen soll man aufs Schwert ritzen und dabei zweimal Tyrs Namen rufen“, berichtet uns Snorri, der fortfährt, der Gott sei überaus kühn und mutig, weshalb ihn tapfere Männer um Sieg anrufen würden. Auch Weisheit soll dem Gott zueigen sein, aber man könne nicht behaupten, sein Anliegen sei es, Frieden zwischen den Menschen zu stiften. Über eine Ehefrau des Gottes finden sich keine genaueren Angaben, doch ist anzunehmen, dass es sich hierbei um die ältere gemeingermanische Göttin Frija handelte, aus der später die Göttin Frigg als Gattin Odins hervorging. Es gibt mehrere Beweise dafür, dass Tyr unter dem Namen Ziu, Tiw, Thiuw oder Teiwaz schon viel früher verehrt wurde als Odin, Thor oder Freyr. Mythenforscher glauben beweisen zu können, dass es sich bei ihm ursprünglich um einen indoeuropäischen Himmelsgott handelte, dessen Funktion vor allem darin bestand, Streitigkeiten und Konflikte zu lösen, entweder durch Kampf (Götterentscheid) oder eine Ratsversammlung (Thing). Auf einem Thing kamen Jarle (Häuptlinge) und freie Stammeskrieger zusammen um Probleme und neue Vorhaben zu diskutieren. Wurden Entscheidungen getroffen, gaben die Männer ihr Einverständnis durch das klopfen ihrer Schwerter und Speere auf die mitgeführten Schilde zu verstehen. Warum Tyr im Verlauf der Jahrhunderte immer mehr zum Kriegsgott avancierte, mag sich dadurch erklären, dass Kampf, Ruhmesdrang und Beute versprechende Kriegsfahrten immer größeren Stellenwert erlangten.

Aus der Edda erfahren wir folgendes: Als die Asen den von Loki gezeugten Fenrirwolf bei sich aufziehen, stellen sie schon bald fest, dass dieser immer größer und gefährlicher wird. So versuchen sie das kräftige Tier in Fesseln zu legen, was mehrmals misslingt. Darauf lassen sie von Zwergen eine magische, unzerreißbare Kette schmieden. Damit diese jedoch angelegt werden kann, muss zunächst das Vertrauen des Wolfes gewonnen werden. Einer der Asen soll auf Fenrirs Geheiß den Arm als Pfand in seinen grausigen Rachen stecken. Tyr, der den Wolf zuvor schon aufgezogen hat, erklärt sich schließlich als einziger damit einverstanden. Die neue Kette hält stand, worauf das Tier wütend zuschnappt. Tyr beweist durch sein mutiges Opfer, dass er bereit ist, für die Sicherheit der Götter eine notwendige Lüge mit dem Verlust seiner Hand zu bezahlen, wodurch er den Namen „der Einhändige“ erhält.

In einer anderen Geschichte macht sich der Kriegsgott gemeinsam mit Thor auf, um von seinem leiblichen Vater, dem Riesen Hymir, einen gewaltigen Kessel zu borgen, damit die Götter ihren Met darin brauen können. In den Ragnarök trifft Tyr schließlich auf den Höllenhund Garm, welcher der alten Feindschaft wegen aber wohl eher dem Fenrir- Wolf entspricht. Beide töten sich am Ende gegenseitig.

Der Text ist von Voenix, das Buch ist erschienen im Arun-Verlag.