Wodans Erben - germanisch, heidnisch, religiös

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Ullr, der Bogengott

Ullr ist einer der zwölf Asen und ein Stiefsohn des Gottes Thor, da er aus einer früheren Ehe zwischen dessen Gattin Sif und einem „Sternenhelden“ Namens Orwandil hervorging. Ullr ist ein Gott des Winters und nur in Skandinavien nachgewiesen. Ebenso wie bei der Göttin Skadi sind die ewig schneebedeckten Berge seine Heimat. Von Snorri erfahren wir, dass Ullr von wohlgestaltetem Äußeren, ein hervorragender Bogenschütze, Schneeschuhläufer und erfahrener Kriegsmann ist. Er durcheilt als Bogenbewehrter Jäger die eisigen Landstriche und erinnert in seinem Wesen stark an die Finnen und Lappen, aus deren Vorstellung Ullr vermutlich hervorging. Sein Wohnsitz ist Ydalir, das Tal der Eiben, deren Holz sich besonders gut zum Bau hochwertiger Bögen eignet. In einer skaldischen Dichtung taucht das Kenning von „Ullrs Schiff“ auf, das darauf schließen lässt, dass der Gott seinen Schild gelegentlich als Fahrzeug benutzt, möglicherweise, um darauf wie auf einem Schlitten die verschneiten Abhänge hinunterzufahren.

In einer Sage wird bei einer Schwurablegung Ullrs Ring erwähnt, bei der man den Gott als Zeuge anrief. Aus diesem Grund lag am Altar des Ullr gewöhnlich ein Schwurring. Ebenso war es Brauch, seine Gunst für einen bevorstehenden Zweikampf zu erbitten, dessen Ausgang als Gottesurteil angesehen wurde. Die Angelsachsen riefen den Gott Wuldor, was soviel wie „Ehre“ bedeutet. Ullr wird auch mit „der Herrliche“ oder „der Strahlende“ übersetzt, was wiederum Hinweise auf seine Beziehung zum Nordlicht gibt.

Der Schreiber Saxo berichtet, wie der Wintergott unter dem Namen Ollerus für eine unbestimmte Zeit den Platz Odins einnimmt, nachdem der Göttervater für ein frevelhaftes und schändliches Vergehen von den Göttern verbannt wurde. Odin hatte sich die Riesin Rind durch einen unehrenhaften Zauber gefügig gemacht, um mit ihr ein Kind zu zeugen. Deshalb musste er sein Amt als oberste Gottheit abtreten, solange, bis seine Strafe gesühnt und verjährt war. Ullr/ Ollerus wird für diese Zeit zu Odins Nachfolger bestimmt. Hinter diesem Mythos sah man Odin symbolisch als Sonne, die abends im Westen die gefrorene Erde (Rind) zu berühren schien, um diese zu befruchten. Nachdem im hohen Norden die Sonne das halbe Jahr über hoch am Himmel steht, wird das Licht nun für die gleiche Zeit durch die Dunkelheit (Ullr) abgelöst. Odin kehrt nach der Tilgung seiner Strafe aus der Verbannung zurück und tritt im Frühling in neuen Ehren sein Amt wieder an. Da Ullr für diese geraume Zeit den Platz des Allvaters einnimmt, gilt es als nicht anmaßend, ihn an dessen Seite zu stellen. Die nachvollziehbare Feindschaft zwischen den beiden Göttern könnte im Sinne der Verdrängung der Ullr- Dienstes durch den Odin. Glauben gedeutet werden, ebenso wie Odin irgendwann den alten Gott Tiuz ablöste. In Ostnorwegen und Schweden war der Ullr- Kult weit verbreitet und noch heute tragen dort einige Ortschaften und Plätze den Gott in ihrer Namensbezeichnung.

Der Text ist von Voenix, das Buch ist erschienen im Arun-Verlag.