Vali ist ein Sohn Odins und der Riesin Rind(a). Man sagt von ihm, er sei tapfer im Streit, kühn in Schlachten und ein vorzüglicher Schütze. Neben seinem Halbbruder Widar ist Vali der einzige Ase, der die Ragnarök überlebt, um mit diesem später gemeinsam im Himmelspalast Gimle die Herrschaft über das neue goldene Zeitalter anzutreten. Bedeutung erlangt der Göttersohn dadurch, dass er schon einen (!) Tag nach seiner Geburt die Verfolgung jenes Mannes aufnimmt, der zuvor seinen Halbbruder Balder tötete, um diesen nun zu rächen. Es heißt, er kämme nicht sein Haar noch wasche er die Hände, bis er den Mörder seines Bruders zur Strecke gebracht habe. Solcherlei Beschreibungen findet man ebenfalls bei den Berserkern, wonach Männer gelobten, solange ihre Haare nicht zu schneiden, bis sie eine besondere Tat vollbracht oder Pflicht erfüllt hatten. In Valis Fall ist dies die nach altem Recht zu vollziehende Blutrache für ein Familienmitglied.
Die Geschichte beginnt, als Odin die bereits seit langem verstorbene Völva Wala durch einen Beschwörungszauber aus ihrem Grab hervorzwingt, um von ihr die Zukunft zu erfragen. Darauf wird dem Göttervater der Tod seines geliebten Sohnes Balder prophezeit. Weiter erfährt Odin, dass dieser Mord lediglich durch einen anderen Sohn gerächt werden könne, den er zunächst noch mit der Riesin Rind zeugen müsse. Darauf macht sich der Göttervater auf die Suche nach der genannten Riesin. Da diese sich jedoch sämtlichen Annäherungsversuchen widersetzt, greift Odin schließlich zu einem Zauber, wodurch es ihm gelingt die Riesin zu schwängern.
Nach einer ausführlicheren Version des Schreibers Saxo erfährt Odin die zukünftigen Ereignisse von einem finnischen Wahrsager. Auch dort macht Odin sich auf, Rinda, die spröde Tochter eines Königs, zu umwerben. Als sie ihn abweist, verkleidet er sich der Reihe nach als Kriegsherr, als Goldschmied und schließlich als Kriegsheld. Als auch diese Bemühungen scheitern, schlüpft Odin in Frauenkleider und gibt sich als Heilkundige aus, wodurch es ihm schließlich gelingt, die durch Runenzauber gefügig Gemachte zu schwängern. Die Schändlichkeit über dieses Vorgehen zieht darauf Odins Verbannung nach sich, worauf der Bogengott Ullr dessen Platz einnimmt. In Saxos Bericht trägt Vali den Namen Bous und muss selbst fallen, nachdem er den Mörder seines Bruders erschlagen hat.
Der Text ist von Voenix, das Buch ist erschienen im Arun-Verlag.
