Wodans Erben - germanisch, heidnisch, religiös

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Wala, die Seherin

Wala lautet der Name einer alten Völva, die von Odin nach der Zukunft befragt wird. Auffallend dabei ist, dass die Seherin bereits Tot ist und nun, durch einen Totenzauber des Göttervaters erweckt, aus ihrem Grab hervorkommt. Wort um Wort muss Odin der widerwilligen Seherin ihr Zukunftswissen entreißen. Was er erfährt, gereicht ihm jedoch nicht zu Freude, da Wala ihm seine eigenen Befürchtungen über den bevorstehenden Tod seines geliebten Sohnes Balder und den darauf folgenden Weltuntergang durch die Ragnarök prophezeit.

Zahlreich sind die Erzählungen um Odin, der rastlos durch die Welten streift, stets davon getrieben, sich immer neues Wissen anzueignen. In der Erzählung von „Balders Träumen“ berufen die Götter eine Versammlung ein, da Balder von dunklen Vorahnungen über sein bevorstehendes Ende geplagt wird. Während seine Mutter Frigg auf ihre Weise handelt, sattelt der Göttervater sein Pferd Sleipnir und reitet ins Totenreich Hel hinab. Am östlichen Eingang weiß er das Grab einer Völva. Er singt einen Leichenzauber, der die tote Seherin aus der Erde hervorzwingt, Daraufhin beantwortet sie unwillig die gestellten Fragen, erkennt Odin aber gegen Ende des Liedes, der sich ihr zuvor unter dem Namen Wegtam (der Weggewohnte) vorstellte. Sie fordert ihn auf, Heimzureiten und sie bis zum Weltenende ruhen zu lassen. Dann zieht sie sich wieder in die kalte Starre ihres Gräberdaseins zurück.

Die Erweckung der Wala schließt sich stilistisch an die Erzählung der Völuspa an, in der eine alte Seherin die wichtigsten Ereignisse und Namen des Weltgeschehens wiedergibt. Während dieses visionären Monologs erfährt der Zuhörer, dass diese ihr Wissen auf Odins Geheiß mitteilt, der ihr dafür Schmuck zukommen ließ. In dem Lied „Grogaldr“ (Groas Erweckung) ist es der Held Swipdag, der seine tote Mutter erweckt und sie auffordert, ihm ein heilkräftiges Lied zu singen, um ihm Rat für bevorstehende Ereignisse mitzugeben.

Der Volksglaube, dass grade die Toten über zukünftige Dinge Bescheid wissen, war früher weit verbreitet und hat sich zum Teil bis heute erhalten. Die Völvas oder Volvas, die als mediale Vermittlerinnen zum Reich der Toten galten, wurden auch Seherinnen und Stabträgerinnen genannt (Volr= Stab), da sie stets einen Stab mit sich führten und die Kunst des „Stäbe Werfens“ (Runenorakel) beherrschten. „Volva“ hingegen bezeichnete die Gebärmutter einer Sau, aus deren Innereien man gerne die Zukunft las. Den Überlieferungen nach spielten die Seherinnen innerhalb der germanischen Gesellschaft eine gewichtige Rolle. Ihre Prophezeiungen und Ratschläge hatten selbst in der Politik großen Einfluss, da sie auf gewisse Weise die Absichten der Götter voraussahen.

In der grönländischen „Eiriksaga“, die etwa im 10. Jh. Entstand, wird der Auftritt und die Befragung einer umherziehenden Völva sehr detailliert beschrieben. Nachdem eine ansässige Frau durch ihren Gesang (vardlokkur) die Geister herbeiruft, verfällt die geladene Völva in Trance und gibt den Anwesenden Einblicke in die Zukunft. Eine Art Zaubergerüst (Zauberstuhl) spielte vor allem bei der Totenbeschwörung eine Rolle. Tote wurden darauf aufgebahrt oder die Seherin selbst saß in dieser erhöhten Position, um darauf ihre Weissagungen zu treffen, während andere Frauen gelegentlich einen Schutzkreis um sie bildeten. Daher mag auch der spätere Name „hagazussa“ bzw. „tunridur“ (Zaunreiterin) entstanden sein, der die Frauen als auf einem Gerüst oder einer Hecke reitend schilderte, von wo aus sie „zwischen die Welten“ blickten. Die ausgeübte Magie der Völvas umfasste Zaubereien aller Art, vom Segens-, Schad-, Liebes-, bis hin zum Totenzauber.

Der Text ist von Voenix, das Buch ist erschienen im Arun-Verlag.