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Walküren, Odins Töchter

Walküren (nordisch Valkyria) sind die „Wählerinnen der Toten“ und werden allgemein als Odins Töchter und/ oder Helferinnen bezeichnet. Sie erfüllen des Göttervaters Wünsche, führen seine Befehle aus und entscheiden über Sieg und Niederlage von ganzen Kriegsheeren. Als Wohnsitz der Frauen wird Wingolf, die Halle der Freundschaft, angeführt. Das Wort „Valkyria“ entstand im Norden und wurde später allgemein übernommen. Die Wal bzw. Walstatt bezeichnet das Schlachtfeld, manchmal auch die Anzahl der Gefallenen. Wenn die Kämpferinnen nach der Schlacht die „Wal kiesen“, erküren sie die toten Helden, die sie alsdann nach Asgard ins Kriegerparadies Walhall (Totenhalle) geleiten. Dort, in der Halle der Gefallenen, begrüßt der Göttervater die toten Krieger als Einherjer (Einzelkämfer), um sie für den großen Endkampf, die Ragnarök um sich zu scharen.

Ursprünglich waren die Walküren gefürchtete Disen (auch Geister oder Feen), die als dunkle Totendämonen in blutigen Gewändern und von Raben begleitet auf dem Schlachtfeld umherstreiften, um sich am brutalen Gemetzel der Krieger zu erfreuen, von deren Blut sie sich Vampiren gleich ernährten. Im Laufe der Jahrhunderte wandelten sie sich jedoch zu jenen Schutzengeln, die einen beim Überschreiten der Todesschwelle in Empfang nehmen. Die blutige Walstatt wurde in der Vorstellung vieler Kämpfer zu einer Art Wettkampfarena, die somit ein angenehmes Leben nach dem Tod in Aussicht stellte. Dieses Walhall soll mit unzähligen Schilden und Speeren ausgestattet sein und 540 Tore besitzen, durch die am Weltenende je 800 Einherjar ziehen werden. Die Kämpfer trinken den nie versiegenden Met der Ziege Heidrun, der ihnen von den Walküren gereicht wird. Der Koch Andhrimnir sorgt durch seine magischen Kochkünste für das leibliche Wohl der Männer. Diese poetische Beschreibung der Kriegerhalle vermittelt ein farbenprächtiges Bild davon, wie sich die von ständigem Kampf dominierten Menschen ihr Paradies vorstellten.

In zahlreichen Sagen und Liedern wird von den Speer und Schild schwingenden Mädchen berichtet, die auf ihren fliegenden Rössern durch den Himmel reiten, um Schicksalsgewebe zu wirken. In dieser Funktion gleichen sie den Nornen, doch während diese meist sitzend das Schicksal weben, reiten die Walküren in den Krieg, dessen Ausgang nicht selten über das Schicksal ganzer Stämme und Völker entschied.

Im Lied von Wieland, dem Schmied (Wölundlied), tauchen drei Walküren als Schwanenmädchen auf. Beim baden entledigen sich die Jungfrauen ihrer Kleider aus Schwanenfedern, die sie zum fliegen benötigen. Einige Männer, die es nach ihnen gelüstet, rauben diese Gewänder, was zur Folge hat, dass die drei Mädchen sieben Jahre festsitzen und so ihren Aufgaben nicht nachgehen können, was später zu einem blutigen Ausgang der Geschichte führt. Die Männer versuchen, ihr eigenes Schicksal zu verändern, was aber letztlich scheitern muss. In der Sigurdsage ist es die Walküre Sigdrifa, die im Verlauf eines Liebesaktes den Helden Sigurd (Siegfried) in die Mysterien der Runen einweiht.

Der Text ist von Voenix, das Buch ist erschienen im Arun-Verlag.