Widar ist ein Sohn Odins und der Riesin Grid und gehört mit seinem Halbbruder Vali und den beiden Thorsöhnen Modi und Magni zu jenen Göttern der nächsten Generation, welche die Ragnarök überleben. Widars Mutter Grid ist jene Riesin, bei der Thor auf der Fahrt zum Riesen Geirröd freundschaftlich einkehrt und dem Donnergott ihre eigenen magischen Waffen leiht, um gegen den starken Riesen bestehen zu können.
Snorri macht folgende Angaben über ihn: “Man nennt ihn auch den schweigsamen Asen und er ist fast so stark wie sein Halbbruder Thor. Er besitzt einen dicken Eisenschuh, zu dem das Leder allezeit zuvor gesammelt ist und zwar aus den Flicken, welche die Menschen vor den Zehen und an der Ferse aus ihren Schuhen schneiden, und darum soll ein jeder, der gewillt ist, den Asen zu Hilfe zu kommen, diese Flicken fortwerfen. In allen Gefahren setzen die Götter großes Vertrauen auf ihn.“
Weiter wird die besonnene Schweigsamkeit Widars hervorgehoben und als sein Wohnsitz das wild wuchernde Waldland und die mit hohem Gras bewachsene Heide angegeben. In dem Lied von „Lokis Zankreden“ sitzen die Götter zum Festgelage in Ägirs glänzender Meereshalle beisammen. Als Loki nun unerwünscht auftaucht, bittet Odin seinen Sohn, sich zu erheben, um dem Neuankömmling seinen Platz abzutreten. Ohne ein Wort des Widerspruchs kommt Widar dieser Aufforderung nach, bedient Loki mit einem Humpen Met und wird in Folge von dessen Schmähungen verschont, die sonst keinen der Anwesenden auslassen.
Als es schließlich zu den Ragnarök kommt und der Göttervater im Rachen des Fenrirwolfes enden muss, eilt Widar herbei und tritt mit seinem gewaltigen Eisenschuh dem Tier ins Maul. Dann fasst er den Oberkiefer des Wolfes und reißt ihm den Rachen entzwei, worauf dieser verendet. An anderer Stelle wird berichtet, dass er dem Tier zusätzlich sein Schwert ins Herz stößt. So wird Widar zum Rächer des Göttervaters.
Der Text ist von Voenix, das Buch ist erschienen im Arun-Verlag.
