Wodans Erben - germanisch, heidnisch, religiös

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Wuotans wilde Jagd

Wuotans wilde Jagd beschreibt den nächtlichen Jäger, der an der Spitze seines dämonischen Heeres in stürmischen Nächten durch die Lüfte galoppiert. Dieses Geisterheer besteht aus wilden Tieren, vornehmlich schwarzen Hunden oder Wölfen. Ihre Beute ist gewöhnlich der Hirsch oder der Eber, welcher die Fruchtbarkeit der Erde versinnbildlicht, die nun den lebensverneinenden, dunklen Kräften weichen muss.

Vielerorts war es üblich, nach der Ernte ein Ehrenbüschel für den Gott und sein Pferd stehen zu lassen. Durch diese Korngabe wurde seine Gunst und Fruchtbarkeit für das kommende Jahr erbeten. Es heißt, wer nichts stehen ließ, über dessen Felder ging der gespenstige Kornverderber. Auch Wuotans Pferd, der „Waudlgaul“ (Sleipnir), trug den Keim des Lebens mit sich. Es stürmte Windgleich durch die Wolken und verteilte die Samen und Pollen der Pflanzen und Bäume über das ganze Land. Am Wodenstag (Mittwoch) sollte man keinen Lein jäten, damit des Gottes Pferd den Samen nicht zertrete.

In den vielerorts entstandenen Sagen über die wilde Jagd verbinden sich mehrere Vorstellungen. In erster Linie die Angst vor den vernichtenden Kräften der Natur, die vor allem in der dunklen Jahreszeit in Form heftiger Unwetter losbrechen und dadurch die Seelen der Toten und Verdammten zu entfesseln wissen, deren Stimmen während der heulenden Winterstürme „deutlich zu vernehmen waren“. Hinzu kamen das reale gewalttätige Vorgehen kriegerischen Männerbünde, die durch ihre Rüge- und Starfaktionen, Angst und Schrecken verbreiteten. Was ihnen auf ihren nächtlichen Streifzügen begegnete (Ackergerät, Wägen usw.), wurde zerstört oder sturmartig mitgerissen und fand sich am nächsten Tag in den luftigen Höhen von Baumkronen oder auf Dächern wieder.

Wenn Wuotans wütendes Heer oder er selbst auftauchten, geschah es fast immer, das kurz darauf größere Ereignisse, wie zum Beispiel eine Schlacht eintraten. In einer Geschichte wird von einem Schmied berichtet, der des Nachts von einem Reiter aufgesucht wurde, welcher ihn bat, sein Pferd zu beschlagen. Der Schmied, ein einfacher Mann, staunte nicht schlecht, als sich sein Auftraggeber nach getaner Arbeit zu erkennen gab, indem er sich mit einem Satz in die Lüfte erhob.

Es gibt noch einige bekannte Wodansberge in Deutschland, die zum Einen als Kultstätte, zum Anderen als unterirdischer Wohnsitz für das gespenstige Geisterheer gedient haben sollen. Der alte Volksmund besagt, dass in diese Bergen die Seelen einstiger Heere darauf warten, bis sie von ihrem Herren (dem Alten vom Berg) gerufen werden, um mit ihm gemeinsam in die letzte große Schlacht, den Ragnarök zu ziehen. Die Volkssage bewahrte das Bild der wilden Jagd in so bekannten Sagen und Erzählungen wie dem ewigen Jäger vom Winendael, der Sage vom verfluchten Jäger Hackelberg, dem Schimmelreiter oder dem schweizerischen Dürstengejeg.

Der Text ist von Voenix, das Buch ist erschienen im Arun-Verlag.